Mackmyra Grönt Te im Glas (oder: Die Sache mit dem grünen Tee)

Ein Single Malt mit Tee-Finish? Auf so etwas kann ja eigentlich nur Mackmyra kommen (oder vielleicht noch Säntis, bei denen könnte ich mir so etwas bei einer Snow White Abfüllung auch vorstellen 😉). Ein Mackmyra steht immer wieder einmal bei uns zuhause, als letzter kam der dazu. Sie spielen mit dem Rauch, mit dem Holz, mit außergewöhnlichen Finishes.  Nicht jeder kommt auf meine „Will ich haben“-Liste, der letzte war der Svensk Rök Amerikansk Ek. Ach ja – der mit dem Cognac-Finish vom Live-Tasting gestern abend war auch sehr gut! Den gibt’s aber noch nicht abgefüllt…

Nun kam also der Grönt Te heraus, das neue Seasonal, das laut Pressemitteilung schwedische Whisky- und japanische Teekunst vereint. Jan Roquette von Mackmyra hat mir ein Sample zugeschickt (danke!), das ich gespannt verkoste:

Tastingnotes Mackmyra Grönt Te

In der Nase: Frisch, hell, Birne, leichte Süße, Vanille. Apfeltaschen – ich meine diese Plunderteilchen. Leichte Gewürznoten kommen durch – Muskatnuss? – und etwas wie … frischer Tabak? Ein Hauch Minze.

Am Gaumen: Hellfruchtig, keine Beeren, eher Birnen und Äpfel. Apfelkompott. Birnentarte? Cremige Süße, aber auch leichte Säure. Doch eher Birnencider? Vanille. Nuss. Herbe Noten kommen hoch, ein Hauch Bitterkeit. Frisches Gras- nein, Heu. Hätte ich auf Tee getippt, wenn ich nicht gewusst hätte, welcher Whisky das ist? Schwer zu sagen, aber eine herbale Note irgendwo zwischen Heu und Tabak ist da. Eiche. Das Mundgefühl ist erst seidig-weich und wird dann trocken.

Finish: Recht lang, würzig und sehr trocken

Die Aromen spielen miteinander, da spielt sich weder ein Sherry noch ein grüner Tee aufdringlich in den Vordergrund, es ist eine fruchtig-würzig-herbale Melange. Sehr schön komponiert. Sie hat halt ein Händchen, die Angela D’Orazio, Master Blenderin von Mackmyra.

 

Dem Tee auf den Grund gehen

Als ich das erste Mal vom Grönt Te las und dass er „eine Reifung zum Teil in Fässern erhielt, die Angela D’Orazio zuvor mit einer Mischung aus ausgesuchten japanischen Grünteeblättern gesättigt hat“, da fragte ich mich, wie das wohl gemeint ist. Wie können Teeblätter ein Fass sättigen? Wer von euch jetzt denkt: „Egal, Hauptsache, der Whisky schmeckt“, kann sich getrost und ohne schlechtes Gewissen seinem nächsten Dram widmen. Oder einem Tee. Wen das aber auch interessiert, der sollte noch ein bisschen weiterlesen.

Recherchieren ist angesagt und ich schaue immer zuerst, ob es Primärquellen gibt. Neben einer kurzen deutschen ist eine ausführlichere englischsprachige Pressemitteilung erschienen und auf der Homepage von Mackmyra findet sich auch eine Vorstellung des Grönt Te. Ein Produktblatt mit näheren Infos steht zum Download bereit. Wunderbar! Zugegeben, meine Schwedischkenntnisse gehen so etwa gegen Null, aber Google Translator macht’s möglich und ich erfahre, dass der Whisky in einem neu gesättigtem Olorosofass gelagert wurde. Es wurde gesättigt mit einer Mischung aus Oloroso und Teeblättern. Ah – eine Art Kaltauszug also, ein Mazerat.

Für Grüntee-Kenner gibt es sogar eine Aufstellung der verwendeten Teesorten, deren Blenden mit ein Tee-Experte namens Yuko Ono übernahm (während der restlichen Recherche bekam ich dann John Lennons „Woman“ nicht mehr aus dem Kopf…): Yame Sencha, Kaoribo Hojicha, Yame Gyokuro und Yame Matcha. (Edit: Habe Yoko gerade in Yuko geändert… Freud lässt grüßen…)

In diesen mit Teeblattmazerat gesättigten Fässern kam nun Whisky (oder gereifter New Make – es gibt keine Angaben, wie lange die Vorreifung war / Edit: Im Online-Tasting am 31.3. erwähnte Angela, dass sie siebenjährigen Whisky nahm), gebatcht aus Ex-Bourbonfässern, Ex-First-Fill-Olorosofässern und frischen Fässern aus schwedischer Eiche. 19 Monate lang dauerte dann das Finish, bevor der Grönt Te mit 46,1 % vol abgefüllt wurde.

Soweit, so gut. Ich bin zufrieden – bis ich kurze Zeit später erfahre, dass auf der Verpackung des Grönt Te steht: „Mackmyra Grönt Te (Green Tea) is a Swedish single malt whisky matured mainly in Ex-Oloroso Casks. Then finished in casks seasoned with liqueur made from some of the finest Japanese tea leaves”. Liqueur? Likör? Ja wie – für mich ist das Wort Likör in der EU recht genau definiert und dabei spielt Zucker eine nicht unwesentliche Rolle. Dieser Likör kann doch aber hier nicht gemeint sein?

Ich höre mich um, aber niemand scheint so recht zu wissen, was dieses „liqueur“ bedeutet. Eine muss es ja auf jeden Fall wisse: Angela D’Orazio, deren Baby der Grönt Te schließlich ist. Ich schreibe sie an, ob sie mir vielleicht Auskunft geben kann und kurz danach telefonieren wir: Nein, es war kein „Likör“ im Sinne der Spirituosenverordnung. Sie hat die Teeblätter auch nicht vollständig in Oloroso eingeweicht, sondern die Teesorten separat in Neutralalkohol mazeriert, den sie nach dem Abfiltern der Blätter dann mit Oloroso heruntergesetzt hat, geblendet und anschließend zum Tränken der Fässer verwendete. Wunderbar, da ist meine Neugier also befriedigt. Vielen Dank, Angela!

Tastingvideos von Mackmyra

Und wer die Gelegenheit ergreifen möchte, bei der Verkostung des Grönt Te durch Angela D’Orazio dabei zu sein, dem sei diese Terminseite von Mackmyra ans Herz gelegt, auf dem die derzeit regelmäßig stattfindenden Online-Tasting aufgelistet sind. Heute Abend ist Angela live um 20.30 Uhr zu sehen, später ist das Tasting dann als Video abrufbar.