Kavalan Solist Peaty Cask im Glas

Auf der Whiskyfair in Limburg wurde der Kavalan Solist Peaty Cask in Deutschland erstmalig offiziell präsentiert. Leider konnte ich an der Messe nicht teilnehmen und freute mich umso mehr, als mir Silvia Engelhardt von King Car Germany kurze Zeit später ein Verkostungssample zusandte.  Ich verfolge den Weg des taiwanesischen Single Malts schon einige Jahre und bin immer wieder begeistert von den hervorragenden Produkten, die Master Distiller Ian Chang kreiiert. (Ich habe schon einige Blogbeiträge zu Kavalan verfasst und füge die Links unten an, falls jemand nachlesen möchte).

Kavalan Peaty CaskZum Thema „Kavalan“ in Zusammenhang mit „peated“ habe ich vor einiger Zeit etwas gelesen. In der diesjährigen Ausgabe „Malt Whisky Yearbook“ von Ingvar Ronde erzählt Jonny McCormick in einem Beitrag mit dem Titel „Turf’s Up“ davon, wie nicht-schottische Brennereien den Torf entdecken; die tasmanische Lark Distillery, die schwedische Brennerei Mackmyra und auch die taiwanesische King Car Distillery, die den Kavalan herstellt. McCormick berichtet, wie ihm Master Distiller Ian Chang begeistert einige Samples mit getorftem Kavalan präsentiert hätte. Es sei das erste Mal, dass die taiwanesische Brennerei ein anderes Rezept verwendete als für alle anderen Abfüllungen bisher und getorftes Malz einsetzt. Bis dieser leicht rauchige Whisky abgefüllt werden kann, wird aber noch einige Zeit vergehen müssen. Im Bericht spricht Chang von 3-5 Jahren, aber ich weiß natürlich nicht, wann genau die beschriebene Begegnung stattfand. Aber um diesen Whisky handelt es sich hier beim Kavalan Peaty Cask definitiv noch nicht.

Der Kavalan Solist Peaty Cask ist nämlich noch mit dem gleichen „Trick“ zu seiner Rauchigkeit gekommen wie bereits der Kavalan Distillery Reserve vor einiger Zeit. Dieser besonderen Abfüllung, die nicht in den allgemeinen Handel kam, sondern nur vor Ort in der Brennerei erhältlich war, bin ich 2014 auf dem Whiskyschiff Zürich am Kavalan-Stand begegnet (Mein Bild, das damals entstand, ist leider nicht allzu scharf, aber die Bemerkung „Peaty Cask“ ist doch zu lesen).

kavalan distillery reserveAuch einige andere schottische Brennereien haben dieses Verfahren schon erfolgreich angewandt: Die Rede ist vom Einfüllen des nicht getorften New Spirits in Islay-Fässer, in denen zuvor stark rauchiger Whisky lagerte. So entstand beispielsweise der Balvenie 17 Jahre Old Peaty Cask. Wolfburn lagerte gleich zu Beginn der Produktion unter anderem in Quarter Casks von Islay.

Ich bin gespannt, wie viel von diesem „second-hand smoke“ in diesem first-class Kavalan Solist zu erspüren ist, der als Einzelfassabfüllung ungefärbt und nicht kühlgefiltert in Fassstärke abgefüllt wurde.Kavalan Peaty Cask 2

Meine Tastingnotes Kavalan Solist Peaty Cask, 52,4% vol.

Nase: Deutlich kommt mir Honig und Bienenwachs entgegen. Fruchtige Noten, die ins Exotische gehen. Überreife Ananas. Kiwi vielleicht. Ein Hauch von Rauch schwebt über allem, nur ganz zart und es ist kein rußiger Lagerfeuerrauch sondern eher so, als wenn dir schwacher Zigarettenrauch um die Nase weht.

Gaumen: Kräftiger Alkohol begrüßt mich auf der Zunge. Holla, die 52,4% schlagen hier richtig zu. Aber genauso kräftig sind auch die Aromen. Auch am Gaumen wie in der Nase deutliche Frucht, aber Ananas und Kiwi weichen eher Pfirsich und Mango. Grapefruit klingt an. Immer samtig eingebettet in Honig und Toffee. Die Aromen machen einen sehr geballten, Eindruck, sitzen stark aufeinander, sehr komplex. Und hier am Gaumen ist der Rauch jetzt deutlicher als in der Nase. An den Zungenrändern und im Rachen schmecke ich Asche, aber es ist keine phenolige, ölige Rauchigkeit. Auch deutlich auf der Zunge ist ein scharfer Chilicatch.
Die hohe Alkoholstärke ruft nach ein paar Tropfen Wasser. Jetzt gehen die Aromen auf, breiten sich aus. Zitrusnoten treten stärker hervor und bestätigen meine Grapefruit. Der Rauch tritt deutlicher hervor.

Finish: Die prickelnde Chilinote hält lange an und auch die Fruchtigkeit klingt noch lange nach.

Fazit: Wer einen von Torfrauch deutlich geprägten Single Malt sucht, wird vermutlich den Kavalan Solist Peated Cask als zu zurückhaltend empfinden. Zurückhaltend aber nur was den Rauch angeht. Hier haben wir vor allem  Toffee, Fruchtigkeit und Süße. Der Rauch ist ein dezenter Begleiter, der eine zusätzliche Nuance liefert, aber die anderen Aromen mehr umspielt als dass er eingebunden ist. Dieser Solist ist sehr gut inszeniert und bereichert das Portfolio. Mein Herz im Sturm erobern konnte er nicht, da sitzt in der taiwanesischen Ecke recht sattelfest noch immer einer seiner Brüder, der Solist Bourbon Cask.

Bisherige Beiträge zu Kavalan:
http://meinwhisky.com/2013/02/kavalan-whisky-aus-taiwan-startet-verkauf-in-deutschland-teil-1/
http://meinwhisky.com/2013/02/kavalan-whisky-aus-taiwan-startet-verkauf-in-deutschland-teil-2-tasting/
http://meinwhisky.com/2014/08/das-kavalan-tasting-oder-der-erste-flight-der-sharing-angels/

 

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