Jack Daniel’s Tennessee Apple – der grüne Jacky im Sommertest

„Bist du reif für etwas Neues?“, fragt mich die Hochglanzbroschüre, die dem Jack Daniel’s Tennessee Apple beiliegt. Ich habe die Probeflasche von der Hamburger PR-Agentur zugeschickt bekommen, mit der Brown-Forman Deutschland zusammenarbeitet. Ja, ich bin immer interessiert an Neuem. Ob ich reif bin für den Apfel-Jack? Wir werden sehen.

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Einer meiner meistgelesenen Beiträge hier im Blog ist der Bericht über die Whiskey-Melone, den ich vor fünf Jahren veröffentlicht habe. Ihr erinnert euch? Ein sommerliches Spaßgetränk mit Jack Daniel’s Old No.7, hier nachzulesen. Das zeigt doch, dass neben Single-Malt-Tastingnotes und Berichten über Brennereien für viele auch durchaus Longdrinks, Cocktails und Co. interessant sind. Und dazu zählt das Unternehmen Brown-Forman die Jack Daniel‘s Apple-Version und so wird sie auch vermarktet: Als fruchtige Zutat für erfrischende Drinks.

Die Basis für den Jack Daniel’s Tennessee Apple ist der klassische Jack Daniel’s Whiskey, „angereichert mit eigens hergestelltem Apfellikör aus knackig-frischen grünen Äpfeln“, erläutert die Pressemitteilung. 35% vol hat der neue Jacky in der gewohnt kantigen Flasche zu bieten.  „Apple Liqueur“ steht auf dem Etikett – das verheißt Süßes…

In der kleinen mitgelieferten Broschüre bekomme ich Serviervorschläge, denn der Apple Jack ist, wie gesagt, vor allem für Longdrinks gedacht. Oder zum Trinken pur auf Eis, erfahre ich. Die Rezeptvorschläge sind dann schon ein wenig …. sagen wir einmal: einfach. Mit Sodawasser. Mit Tonic. Mit Ginger Ale. Auch wenn hier mal Zitronensaft hinzukommt und dort mal ein bisschen Apfelsaft, sind es doch klassische Standards. Keine aufwändigen Verkünstelungen und herausfordernden Cocktails mit speziellen Zutaten.

Ich habe alles im Haus, was ich zum Ausprobieren und Nachmixen brauche, nur beim grünen Apfel muss ich passen – meine Äpfel sind eher rot oder gelb-rot. Ich denke mal, dass man die sonst auch getrost als Garnish für seine Apple-Longdrinks nehmen kann (variieren ist ja erlaubt), aber für meine Fotos will ich schon farblich passende Fotomodelle, da bin ich ehrgeizig 😉. Also erst noch zwei grüne Äpfel kaufen und dann das Eis aus dem Tiefkühler holen – los geht’s!

Jack Daniel’s Tennessee Apple pur ohne Eis

Ja, ich weiß, so trinkt ihn niemand und dafür ist er auch gar nicht gemacht, aber ich probiere ihn trotzdem erstmal ohne Eis. Starker Apfelduft kommt mir gleich entgegen. Frisch, verlockend. Da hat der Whiskey kaum eine Chance, sich durchzusetzen. Am Gaumen zeigt er sich sehr cremig und süß. Sehr süß – es ist halt kein Whiskey. Vom Aroma her viel Apfelschale, ich fühle mich an meine Jugend und die Berentzen-Apfelkorn-Ära erinnert. Ansonsten gibt es viel herbe Noten, da machen sich dann wohl doch die Eichenoten des Whiskeys bemerkbar. Im sehr kurzen Nachklang wird er leicht bitter. An Whiskey fühle ich mich ehrlich gesagt nicht erinnert.

Jack Daniel’s Tennessee Apple pur auf Eis

Gekühlt gehen die fruchtigen und cremigen Noten deutlich zurück, von hellgrüner Apfelschale geht’s eher in Richtung roter, mürber Herbstapfel. Die herberen Aromen treten noch stärker hervor. Die Süße, die pur sehr dominant ist, wird vom Eis etwas gezähmt, verweilt aber trotzdem sehr deutlich. Whiskey lässt sich nur ahnen.

Jack Daniel’s Tennessee Apple & Tonic

Das Tonicwasser gewinnt – der Drink ist sehr herb. 4 cl Jack Apple werden mit Tonic aufgefüllt, heißt es im Rezeptvorschlag. Die Süße des Tennessee Apple geht dabei deutlich unter, was meinem persönlichen Geschmack eher entgegenkommt. Trotzdem ist es eine Komposition, die mir nicht so ganz harmonisch erscheint.

Jack Daniel’s Tennessee Apple & Ginger Ale

Whisk(e)y und Ginger Ale ist eine Mischung, die ich im Sommer als Longdrink sehr mag und die sehr stimmig ist. Der Horses Neck ist nicht von ungefähr einer der beliebtesten Whiskey-Cocktails, denke ich. Ich gebe laut Rezeptvorschlag zu 4 cl Jack Apple noch 4 cl Apfelsaft und fülle mit Ginger Ale auf. Ah – da ist die Süße wieder, die im Tonic verloren ging. Fruchtiger Apfel, die Würzigkeit des Ginger Ales – passt als erfrischender Longdrink – vom Whiskey ist aber auch hier wenig zu spüren.

Jack Daniel’s Tennessee Apple & Soda

Ein Bild hierzu sucht ihr vergebens…. Als ich am nächsten Tag meine handschriftlichen Notizen abtippte, bemerkte ich, dass ich diese Highball-Variante ganz vergessen hatte. Aber schaut euch einfach nochmal das Glas mit dem Tonic an – es sah genauso aus 😉 . Also nochmal ein Glas geholt, Eiswürfel, 4 cl Jack Apple und 1 cl Zitronensaft hinein, mit sprudligem Mineralwasser aufgefüllt – voilà: die Soda-Variante. Vom Whiskey schmecke ich kaum etwas, ein leichtes Fruchtaroma ist da, die Süße wirkt schal. Alles in allem erfrischend, was am kühlen Sprudelwasser liegt – aber insgesamt herb und irgendwie „nicht er und nicht sie“. Sorry, geht gar nicht.

Mein Fazit:

Ich hatte meinen Spaß und erfrischende Drinks an einem sonnigen Spätnachmittag. Pur und auf Eis ist der Jack Apple jetzt nicht wirklich etwas für mich, das ist mir zu viel süßer Apfel. Vermutlich wird genau das vielen anderen gefallen, denen Whiskey pur sonst viel zu sehr nach Whiskey schmeckt… Wenn ihr zu den Freunden den Apfelkorns oder anderer süß-fruchtiger Spirituosen gehört, wäre der Apple Jack durchaus einen Versuch wert.

Ein Alkoholgehalt von 35% vol ist zum Mixen wohl eher kontraproduktiv – nicht, weil ich viel Alk im Drink will, sondern weil es auch darum geht, den Geschmack des Whiskeys zu transportieren. Als Longdrink konnte er bei mir allenfalls mit Ginger Ale punkten. Aber auch da frage ich mich, ob ich das gleiche Ziel nicht viel einfacher und aromatisch ansprechender mit normalem Whiskey, Ginger Ale und nach Belieben einem Schuss Apfelsaft erreiche. Ich bin wohl doch nicht reif für den Jack Daniel’s Tennessee Apple…

Offenlegung: Vielen Dank an die Agentur KK03 GmbH für das Überlassen der Testflasche. Geldmittel flossen nicht und es erfolgte auch keine Einflussnahme auf einen möglichen Beitrag über diesen Whisky.