Besuch bei Elch-Whisky featuring „Barbarossa”

„Torf vom Dorf“ hat sich im Laufe kurzer Zeit die Herzen vieler deutscher Whiskytrinker erobert. Der Name ist Gesetz: Rauch prägt den Single Malt, der im kleinen fränkischen Örtchen Thuisbrunn zuhause ist. „Torf vom Dorf“ ist die klassische Ausgabe des Elch-Whiskys, von dem es mittlerweile auch diverse Einzelfassabfüllungen gibt. Elch-Fans können über eine neue Abfüllung freuen, die demnächst erscheint: „Barbarossa“ heißt der Whisky, den ich bei meinem Besuch von Georg Kuglers Brennerei vor einigen Tagen bereits probieren konnte.

Ein Urlaub in der Fränkischen Schweiz ließ das „Wenn ich in der Nähe bin, schaue ich mal vorbei“, wahr werden: Georg Kugler nahm sich auf meine kurzfristige Anfrage hin Zeit für eine kleine Führung durch seine Brauerei und Brennerei. Das Wetter war eher durchwachsen und der Gasthof coronabedingt noch geschlossen, deshalb gibt es keine Bilderbuch-Werbebilder. Aber ich denke, das könnt ihr verschmerzen. 

Seit 2002 führt Georg den Gasthof Seitz, den er von seinem Onkel übernommen hat. 2007 konnte der gelernte Brauer seinen Traum von einer eigenen Brauerei verwirklichen und startete die Produktion des Elch-Bräus, die bereits 2008 verdoppelt wurde. Die vorhandene alte Brennanlage aus den 60er Jahren machte den Brauer auch zum Brenner. Ganz klassisch entstanden darauf Obstbrände. 2013 stand erneut die Frage nach Expansion im Raum: Noch einmal die Bierproduktion vergrößern? Georgs inzwischen gewachsene Leidenschaft für Whisky, in dessen Geschichte und Herstellung er sich fasziniert und akribisch eingelesen hatte, gab den Ausschlag und eine neue, moderne Brennanlage ersetzte die alte. Das erste Fass wurde 2014 abgefüllt und drei Jahre später gesellte sich der Elch-Whisky zum Elch-Bräu hinzu.

Ein Elch im Frankenland

Ein Elch im Namen? Gibt es im Frankenland Elche? „Nein, aber in München gibt es ja auch keine Löwen“, antwortet Georg auf diese häufig gestellte Frage gerne. Der namensgebende Elch hängt im Gastraum an der Wand. Genauer gesagt sein Kopf. Hans Seitz, Georgs Onkel, hatte „Bruno“ 1986 bei einem Jagdausflug in Kanada erlegt und damit die von ihm geführte Wirtschaft in Thuisbrunn geschmückt. Seither ging man auf ein Bier „zum Elch“ und da lag es nahe, Bruno zum Logo und Namensgeber des Elch-Bräus und später auch des Elch-Whiskys zu machen.

In der modernen Brauerei, die fast vollautomatisch läuft, werden jährlich 2000 Hektoliter Elch-Bräu produziert. Weizen, Pils und Kellerbier braut Georg und auch die Maische für den Whisky stellt er hier her. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Whiskybrennern hält er es mit seinen Brauerkollegen, die neben Bier ebenfalls Whisky produzieren und läutert; in die Brennblase kommt also nur das reine „Bier“ ohne die Getreidespelzen. 1.000-1.200 Hektoliter ungefähr braut er jährlich für die Whiskyproduktion.

Elch-Whisky mit Rauch von norddeutschem Torf

Das Gerstenmalz, das hier zur Bier- und zur Whiskyproduktion benutzt wird, ist freilich unterschiedlich: Rauchbier stellt Georg keines her, beim Whisky aber legt er Wert auf Rauchigkeit. Das getorfte Malz dafür lässt er von Castle Maltings in Belgien herstellen, denen er in Norddeutschland gestochenes Torf anliefern lässt. Stolz erwähnt er, dass er einen Exklusivvertrag hat mit den Belgiern für solches Malz, das mit deutschem Torf geräuchert wird. Über 34 ppm verfügt dieses Elch-Whisky-Malz.

Sieben Tage lang wird die Würze temperaturgesteuert vergoren, um feine, intensive Aromen zu erhalten. Auf rund 7% vol Alkohol kommt Georg in seiner Maische, das ist vergleichsweise wenig in der Whiskyszene, aber höhere Prozente würden die Hefen, die er benutzt „unter Stress“ setzen und die Aromatik würde leiden, meint er, und die ist ihm wichtiger als die Alkoholausbeute.

Die gedrungene Brennblase wurde von der Firma Carl nach Georg Kuglers Wünschen angefertigt: Er destilliert damit in einem Abtrieb, wie man es von den klassischen Obstbrennanlagen her kennt, schaltet aber die vorhandenen Kolonnenböden nicht dazu, sondern benutzt zwei Dephlegmatoren. 1.200 Liter Maische kann er einfüllen, nach 6 bis 7 Stunden Destillation gewinnt er zwischen 75 und 90 Liter New Make. Rund 62-63 % hat dieses Herzstück der Destillation und so wie es ist, kommt es (von mehreren Destillationsdurchgängen gesammelt) unverdünnt in die Fässer. 30 sind es bisher etwa, die im Jahr befüllt werden, auf 40 soll künftig erhöht werden. Für den Elch-Whisky werden hauptsächlich Bourbon-, Sherry- und Akazienfässer befüllt, aus denen auch der „Torf vom Dorf“ gebatcht wird, aber einige andere Fässer wie Port oder ehemals mit schottischen Whiskys vorbelegte Fässer ruhen ebenso im Lagerhaus.

Während Georg bei der Gärung und Destillation gezielt Einfluss auf die Temperatur nimmt, lässt er bei der Reifung der Natur ihren Lauf: Im Lagerhaus herrschen im Winter schon einmal minus 20 und im Sommer plus 30 Grad. Ihm ist das sehr recht, denn so reift der Whisky intensiv. In den kommenden Wochen stehen hier in der 300 Jahre alten Scheune übrigens Umbauarbeiten an: Im oberen Stockwerk wird verschalt, um Lagermöglichkeit für den Bereich Bier zu schaffen, damit der Whisky unten mehr Platz bekommt.

Kleine Entdeckungsreise durchs Whisky-Lagerhaus

Nach der Theorie lud Georg zur Praxis ein und holte Tastinggläser hervor. Vor der Verkostung einiger gereifter Tropfen präsentierte er zunächst einmal seinen New Make. In der Nase ein ausgewogenes Wechselspiel von Frucht und Malz, hier ist der Rauch kaum wahrzunehmen. Am Gaumen dann zeigt er sich und untermalt das „Fruchtmüsli“ mit aschiger Rauchnote. Ein vierjähriges Sample aus einem Brandyfass überzeugte durch eine unglaublich elegante, feine Aromatik. Der absolute Lagerhaussieger war für mich zweifelsohne ein bisher sechsjähriger Whisky, dessen zusätzliche Kennzeichnung „Geiler Scheiß“ dick unterstrichen werden kann: Er ruht in einem Ex-Ardbeg-Fass aus den 80-er Jahren, das vermutlich schon mehrfach befüllt wurde, aber trotzdem noch faszinierenden Einfluss auf den Whisky hat. Georg hatte daraus für das Jim McEwan & Friends-Tasting auf der Village in Nürnberg einige Flaschen abgefüllt, doch ansonsten bleibt dieser Elch weiter im Fass. Als 10-Jähriger wird er vermutlich herauskommen – ich mache mir schon einmal eine Notiz in den Kalender. 

Elch-Whisky ist rauchig und wird es auch immer sein, meint Georg (einzige Ausnahme ist ein Fass, das er seiner Frau einmal zum Geburtstag schenkte). Doch er möchte mit dem Rauch ein wenig experimentieren und wird demnächst 5 Tonnen eines Malzes verarbeiten, das nicht mit Torfrauch, sondern mit Kirschholzrauch gemälzt wurde. Schließlich sei man hier im größten zusammenhängenden Kirschenanbaugebiet Deutschlands zuhause. Und wenn das funktioniert, dann gibt es vielleicht auch einmal Elch-Whisky mit Apfelholzrauch – mal sehen.

Nicht aus dem Fass, sondern aus der Flasche kam der letzte Dram: „Barbarossa“ hat Georg diese Einzelfassabfüllung genannt, die in Kürze auf den Markt kommen wird. In Fassstärke von 55,2% vol ungefärbt und nicht kühlgefiltert abgefüllt, schimmert er in  rotgoldener Farbe. „Darum halt Barbarossa“, meint Georg und ergänzt schmunzelnd, dass er ansonsten keine werbewirksame PR-Geschichte zur Namensgebung liefern kann.

Ein ganz besonderes Fass für den Barbarossa

Eine Altersangabe trägt Barbarossa nicht. Zwischen 5 und 6 Jahren alt sei er, erfahre ich. Die meiste Zeit verbrachte der Whisky in einem alten Sherrybutt, auf dem noch der Schriftzug „White Horse Distillers“ und  „Craigellachie“ zu entziffern sind. Die Jahreszahl 1970 verrät, dass es schon eine lange Lebensgeschichte hinter sich hat. Georg mag solche Fässer, die dem Whisky nicht wie die jungen. sehr aktiven Fässer, schnell ihren aromatischen Stempel aufdrücken, sondern ihn mehr oxidativ reifen lassen. Für eine abrundende Note wurde der Barbarossa über die letzten sechs Monate in einem kleineren Sherryfass gefinisht.

Frisch eingeschenkt strömen fruchtige Aromen in die Nase. Gedünsteter Apfel, der dann in vollreife Pfirsiche übergeht. Honig. Bienenwachs. Rauch ist im ersten Moment nicht wahrzunehmen, aber der entwickelt sich nach kurzer Zeit und tritt unter den fruchtigen, jetzt leicht in Sherry spielenden Noten hervor. Keine fett-öligen Aromen, sondern aschige, trockene Aromen. Am Gaumen findet sich das Bild wieder, das die Nase verheißungsvoll angekündigt hat: Weiche, fruchtige Pfirsichnoten, Anklänge an Süßwein, Vollmilchschokolade, Türkischer Honig. Ein komplexes, rundes Bild, das nicht in einzelne Aromen zerfällt. Holz? Nein, keine frische Eiche mit starken Würznoten, vielleicht ein Vorbeihuschen an abgelagertem Brennholz. Darunter schwebt eine Wolke erkalteten Rauches. Der Alkoholgehalt gibt dem Barbarossa Kraft, aber beißt nicht. Im Nachklang bleibt der Rauch lange und Trockenheit stellt sich ein. Eine schöne Aromatik, ich mag ihn. 

Das Fass, in dem der Barbarossa lagerte (Danke für das Foto, Georg)

Übrigens: Wenn ich hier immer geschrieben habe, „Georg brennt“ oder „Georg macht dies und das“, dann könnte da oft auch ebenso Marcel genannt werden. Marcel Garth ist seit vielen Jahren als Brauer und Brenner im Betrieb angestellt und ganz nach dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt“ will ich ihn hier deshalb nicht unerwähnt lassen.

Ich danke dir für deine Gastfreundschaft, lieber Georg, und die Zeit, die du dir trotz meiner recht spontanen Anfrage genommen hast. Ihr macht eine super Arbeit in Thuisbrunn und ich bin gespannt, was da noch so alles aus euren Lagerhäusern kommt.