Milk & Honey: Single Malt Whisky aus Israel

Eine Begegnung mit Dana und dem neuen M&H Classic

Allein durch ihre Gründung im Jahr 2012 hat die M&H Distillery in Tel Aviv schon Geschichte geschrieben: Sie ist die erste Whiskybrennerei Israels. Mit dem Young Malt bekamen wir schon früh einen verheißungsvollen Ausblick auf das, was da kommen würde. Und mittlerweile ist es soweit: Aus dem Land, in dem Milch und Honig fließen, kommt nun auch Whisky – der Milk & Honey Single Malt Whisky.

Eine speziell für die Interwhisky in Frankfurt abgefüllte Edition wurde dort bereits im November 2019 präsentiert: Auf 100 Flaschen limitiert war die Einzelfassabfüllung (Ex-Bourbon, finished in Ex-PX Sherry) und sie war schneller vergriffen, als man „Le Chaim“ sagen kann. Das ist das hebräische Pendant für Prost, wie ich mir von Dana Baran sagen ließ, und es bedeutet „Auf das Leben“ (es wird auch L’Chaim geschrieben oder Leha-Yim, aber „Le Chaim“ spiegelt am besten wieder, wie Dana es ausgesprochen hat). Ich konnte den Whisky dort probieren und war begeistert von der Aromenfülle und der Weichheit des dreijährigen Produktes.

Dana Baran traf ich Ende Januar auf der Hanse Spirit in Hamburg. Sie ist VP Marketing bei M&H und stellte stolz den Classic vor, die neue dauerhafte Abfüllung der Brennerei. Deutschland ist nach Israel und den Niederlanden erst das dritte Land, in dem M&H dieses Produkt über den Importeur Kammer-Kirsch auf den Markt bringen. Wir sind ein „preliminary market“, betont Dana, danach kommt der Classic in Frankreich, Großbritannien, Belgien, Österreich, Polen, Süd-Afrika, Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten heraus.

Gebatcht wird der M&H Classic aus Ex-Bourbon und STR-Rotweinfässern, wobei die Bourbonfässer überwiegen, dazu kommt ein klitzekleiner Anteil aus Virgin Oak, erzählt mir Dana. Das heiße, trockene Klima in Israel verhilft dem Whisky zu einer schnellen Reifung und der Classic zeigt sich entsprechend frühreif: sehr schmeichelnd in der Nase, nicht alkoholisch. Wunderbare Honignoten (als ich begeistert „Oh, honey“ ausrufe, beteuert Dana „But there’s no honey in it!“ Wie nett. Sie meinte vielleicht, ich ließe mich vom Namen leiten 😊) und Vanille, etwas Eiche. Am Gaumen bestätigen sich diese Aromen, hinzu kommen dann würzige Noten vom STR-Fass, er geht regelrecht auf, auch etwas Orange gesellt sich hinzu. Ein angenehmer Gesamteindruck und ein sehr vielversprechender Start dieses neuen Standards, den ich wahrhaftig nicht als „standard“ beschreiben würde, sondern als bemerkenswert für einen dreijährigen Single Malt.

Wenn STR-Fässer ins Spiel kommen (shaved, toasted and recharred), fällt meist auch der Name Dr. Jim Swan. Die leider so früh verstorbene Größe des Whiskybusiness war an der Entwicklung der Brennerei beratend beteiligt. Nach schottischem Pot-Still-Verfahren wird gearbeitet und man hält sich bei M&H bewusst an die schottischen Standards für Whisky. Etwa 800 Fässer im Jahr werden derzeit abgefüllt, die allerdings nicht alle zentral bei der Brennerei in Tel Aviv gelagert werden. In Israel gibt es verschiedene Klimazonen, erklärt mir Dana, und man will herausfinden: Wie reift unser Whisky am Toten Meer, dem wohl trockensten Gebiet der Erde, mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen? Wie entwickelt er sich hingegen an der Mittelmeerküste?

Auch einen kleinen Ausblick auf das, was wir als nächstes von der Brennerei erwarten können, gibt Dana: Eine als „Elements“ überschriebene Serie wird unterschiedliche Fassreifungen des M&H Single Malts vorstellen. Mit „Elements“ sind hier nicht Feuer, Wasser, Luft gemeint, sondern jeweils unterschiedliche Elemente, die die Reifung beeinflussen – bei den bisher geplanten sind es immer unterschiedliche Fässer.

  • Elements Sherry Cask soll bereits im zweiten Quartal 2020 erscheinen, gebatcht aus 50% Classic, 25% PX-Sherryfässern und 25% Oloroso-Sherryfässern.
  • Elements Peated Cask folgt voraussichtlich im Juli, gereift in Ex-Bourbon-Fässern und gefinisht in Ex-Islay-Fässern, um dem Whisky einen rauchigen Hauch zu verleihen.
  • Elements Israeli Red Wine Casks vereint 50% Classic mit 50% Whisky aus Ex-Weinfässern, die von israelischen Weingütern kommen. Der Erscheinungstermin ist für das dritte Quartal 2020 angesetzt.

Neben diesen Elements-Abfüllungen, die wie auch der Classic alle mit 46% vol herauskommen, wird es immer wieder Einzelfassabfüllungen in Fassstärke geben und andere Special Releases. Dana schwärmt von „Pomegranate-Casks“ – Granatäpfel … Wir dürfen gespannt sein. Auch eine leicht getorfte Version des M&H Single Malts wird es geben.

Abschließend spreche ich noch das Thema „koscher“ an – man liest immer wieder einmal, dass die Milk & Honey Distillery koscher arbeitet. Ist es sehr wichtig für sie? Ja, meint Dana, sie arbeiten zertifiziert, für sie wie für viele in Israel ist das aber völlig normal. Das Zertifikat „koscher“ bedeutet dann beispielsweise auch, dass ein Rabbi die Sherryfässer für M&H in Jerez kontrolliert, aber letztendlich macht es für das Gros der Whiskytrinker in ihren Exportländern keinen Unterschied. Vielleicht erschließt sich ihnen dadurch in den Vereinigten Staaten ein zusätzliches Marktsegment, meint Dana, dort sind koschere Produkte durch große jüdische Gemeinden durchaus nachgefragt. Aber es ist keine Eigenschaft, die sie beim Marketing stark in den Vordergrund spielen, schließlich will man in erster Linie durch Qualität überzeugen.


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