Besuch auf der Baustelle: Cotswolds Distillery entsteht

Cotswolds BürogebäudeAls wir auf den Hof der Cotswolds Distillery fahren, sind drei Männer gerade damit beschäftigt, den Zaun zur Straße hin zu vollenden. Auch in den beiden Gebäuden auf dem Grundstück wird fleißig gearbeitet und gepinselt, gesägt und gebohrt. Dass es eine Whiskybrennerei ist, die hier entsteht, darauf deutet zunächst einmal nichts hin. Doch halt – dort auf der Seite stehen einige alte Fässer. Sie werden einmal den Außenbereich der Destillerie dekorieren, erfahren wir später von Daniel Szor.

Der Besitzer und Bauherr hatte sich auf eine kurze Email-Anfrage hin mit meinem Mann und mir verabredet, um uns über die Baustelle „Cotswolds Distillery“ in Stourton bei Shipston-on-Stour zu führen und sein Projekt stolz zu präsentieren. Ich nehme euch gerne mit auf den kleinen Rundgang durch die Brennerei, die nach Daniel Szors Planungen bereits Anfang September mit der regelmäßigen Produktion beginnen soll. Aber erwartet nicht, bereits funkelndes Metall zu sehen: Mashtun, 2 Hot Water Tanks, 4 Fermenters, Wash Still, Spirit Still, Spirit Safe, Feints Receiver, Potale Receiver, Heat Exchange und alle nötigen Rohre – das alles kommt erst im Juni.

Zu sehen sind hier im Anschluss Bilder des künftigen Empfang- und Bürogebäudes zum einen und des Produktionsgebäudes zum anderen. Die Raumaufteilung der im Rohbau angekauften Gebäude wird größtenteils beibehalten und an die Bedürfnisse der Brennerei angepasst. Besonders stolz ist Daniel Szor übrigens auf die Verwendung der gelben Steine, die er als typischen Cotswolds-Stil bezeichnet. Eine Baugenehmigung für ein separates Lagerhaus gibt es bisher noch nicht, zunächst einmal soll die Produktion von 1 ½ Fässern wöchentlich anlaufen. 40 Fässer finden Platz im dafür gedachten Raum der Produktionshalle und ein LKW wird alle 14 Tage die gefüllten Fässer in angemietete Lagerräume in Liverpool transportieren.
Und wer mehr über die Entstehungsgeschichte des Cotswolds-Projekts und einige Details über die Brennerei erfahren möchte, kann im Anschluss an die Bilder lesen, was Daniel Szor dazu beim Rundgang erzählte.

 

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Wie alles begann – und wie es werden soll

Die Liebe zum Whisky hatte der gebürtige US-Amerikaner bereits in den 1980er Jahren entdeckt, als er lange Zeit in Paris lebte, doch so richtig gepackt hat es ihn 2002 während eines Trips mit Freunden nach Islay. Er kommt ins Schwärmen, als er vom Besuch bei Bruichladdich erzählt und vom Charisma und der Begeisterungskraft des Jim McEwan: „We started out doing a tour, walked out with a barrel!“

Als die Firma, für die er über 25 Jahre im Investmentbereich gearbeitet hat, geschlossen wurde, musste er sich nach einer neuen Perspektive umschauen. Seine Frau und er hatten sich vor einer Weile hier ein Landhaus gekauft und der Gedanke, ganz hierher zu ziehen, gefiel ihnen. Doch was sollte er „hier draußen“ tun? Die wogenden Getreidefelder der Cotswold-Farmen fielen ihm in den Blick und der Gedanke blitzte auf „Warum nicht hier eigenen Whisky brennen?“. Um herauszufinden, ob es eine Schnapsidee sei, fuhr er nach Islay zu seinem großen Idol Jim und fragte ihn nach seiner Meinung. „Worauf wartest du – leg los!“ meinte der und machte ihn mit Master Distiller Harry Cockburn bekannt, einst bei Bowmore tätig, als auch Jim dort arbeitete.

Die größte Hürde, die es zu nehmen galt, war zunächst, die richtige Immobilie zu finden, für die auch Aussicht auf die entsprechende Baugenehmigung bestand. Das Glück war Daniel Szor hold: In Stourton hatte ein Architekt eine Baugenehmigung für ein Bürogebäudeund ein Lagerhaus auf einem Grundstück bekommen und den Bau beider Gebäude in hochwertiger Qualität begonnen. Ein Blick auf die Gebäude genügte, so Szor, um zu erkennen, dass die Absicht des Architekten eine andere war: Er wollte später die Genehmigung ändern lassen und hochwertige Apartments erstellen. Doch die Verwaltung vor Ort wollte nicht mitspielen und lehnte seinen Antrag über 10 Jahre hinweg immer wieder ab. Daniel gelang es, ihn nach halbjährigen Verhandlungen zum Verkauf des 2 ½ Hektar großen Grundstückes mit den beiden unfertigen Gebäuden zu bewegen. Finanziert wird das Projekt Cotswold Distillery durch eigene Mittel von Daniel Szor und der Familie und den eigens dafür ins Leben gerufenen Founder Circle.

Für die Planung und Entwicklung der Brennerei hatte Szor ja bereits die Unterstützung von Harry Cockburn. Die Pot Stills sollten (natürlich) von Forsyths kommen, doch dort signalisierte man auf Grund der starken Nachfrage derzeit eine Wartezeit von drei Jahren. Zuviel für Daniel Szor und so nahmen er und Harry Cockburn Kontakt auf zu den deutschen Herstellern von Brenngeräten, zu Carl, Kothe und Holstein. Wenige Tage vor Abschluss des Kaufvertrages dann der Anruf von Forsyths: Ein Auftrag sei annulliert worden, bei dem es um Stills in der Größe und Form ging, an die Szor gedacht hatte. Ob er kurzfristig Interesse habe? So werden also doch schottische Pot Stills in der englischen Cotswolds Brennerei stehen, eine Wash Still mit 2450 l und eine Spirit Still mit 1650 l. Eine Holstein-Brennanlage mit 500 l wird aber zusätzlich ihren Platz im Still Room finden, um den ebenfalls geplanten Cotswolds Gin zu produzieren.

Gewonnen wird der Alkohol aus regionalem Getreide, das von Farmern in den Cotswolds angebaut wird. Gemälzt wird bei Warminster Maltings in wenigen Meilen Entfernung, wo noch ganz traditionell in Handarbeit auf Maltingsfloors gearbeitet wird. Dort können deshalb auch ganz kleine, individuelle Aufträge ausgeführt werden. Ausgeliefert wird das Malz in 500 kg-Säcken, was ideal ist für die Cotswolds Distillery. Genau diese Menge umfasst nämlich die Mashtun, genau das wird die tägliche Produktionsgrundlage sein.

Damit aus dem New Spirit einmal ein guter Whisky wird, holte Daniel Szor auch Jim Swan ins Boot. „Mr. Wood“ unterstützt ihn bei der Ausarbeitung des Geschmacksprofils und der Auswahl der geeigneten Fässer. Wie der Cotswolds Whisky schmecken wird? Auf keinen Fall getorft, meint Szor, denn Torf gibt es in den Cotswolds nicht. Er möchte in Ex-Bourbon-Fässern einen nach Getreide, Vanille und Honig schmeckenden Whisky produzieren. Frisch, ein wenig blumig vielleicht. Und dann auch einen fruchtigen, aromatischen Whisky in Ex-Sherry-Fässern. Das Schöne ist, so meint er, dass er ganz frei ist, den Stil eines Cotswolds-Whiskys festzulegen, denn es hat ja bisher noch nie einen gegeben.

Und hier geht’s zur Homepage der Cotswolds Distillery

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