Die englische Cooper King Distillery: engagiert, jung, authentisch, grün, craft und – tasmanisch

In der Nähe von York liegt das kleine Städtchen Sutton-on-the-Forest. Vermutlich wäre die Gegend ein weißer Fleck auf meiner „Da-bin-ich-schon-gewesen“- Landkarte geblieben, hätte ich nicht seit einiger Zeit den Werdegang der dort neu entstandenen Cooper King Distillery verfolgt und beschlossen, mir das ungewöhnliche Projekt bei nächster Gelegenheit einmal anzuschauen. Und die bot sich dann dieses Jahr, weil sich der Weg nach York wunderbar in unsere Route von der Cotswolds Distillery hoch gen Schottland einbauen ließ und Abbie mir zuvor auf Anfrage signalisiert hatte: Der Termin passt!

Abbie und Chris sind Selfmade-Brenner wie sie im Buche stehen: Architekt Chris hat das Gebäude selbst geplant, die beiden haben den Bau mit Freunden und Verwandten selbst bewerkstelligt und alles nötige Wissen über die Whisky- und Ginproduktion haben sich die beiden angeeignet. Dabei haben sie sich aber nicht auf die Trial & Error – Methode verlassen, sondern konnten einem erfahrenen Whiskybrenner auf die Finger schauen: Bill Lark weihte sie in die Brennkunst ein und stand ihnen bei der Entwicklung ihrer Cooper King Distillery beratend zur Seite.

English Whisky made the Tasmanian Way

Ihr kennt den Namen Bill Lark noch nicht? Falls ihr bisher auf schottischen und irischen Whisk(e)y fokussiert wart, ist das nicht verwunderlich, denn Bill Lark ist in einem anderen Teil der Welt tätig, in Australien nämlich, genauer gesagt in Tasmanien. Auch dort wird Whisky gebrannt und der macht sich eine Weile schon international einen Namen. Die Lark Distillery ist wohl die bekannteste Whiskybrennerei Tasmaniens und Bill Lark der ungekrönte König der Szene.

Nicht nur der Lehrmeister der jungen englischen Brenner kommt aus Australien, auch ihre 900-Liter-Brennblase. So wie sie ihr Handwerk bei Bill gelernt hatten, so wollten sie es auch hier in Yorkshire weiterführen. Ob denn die tasmanische Firma dann auch einen Techniker zum Aufbau und Anschluss der Pot Still geschickt hat, wollte ich wissen, als wir im Produktionsraum vor der glänzenden Brennblase standen. Nein, meinte Chris, das habe er nach Bauanleitung selbst gemacht. Die Cooper King Distillery ist wirklich durch und durch do-it-yourself, das habe ich spätestens in diesem Moment begriffen.

Raus aus dem Alltag, hinein ins (Whisky-) Abenteuer

Wie kommt ein englisches Paar ohne familiären Brennhintergrund dazu, eine Whiskydestillerie als Herzensprojekt zu betreiben? Abbie Neilson, die Wissenschaftlerin und Chris Jaume, der Architekt? Sie wollten heraus aus den Hamsterrädern, den beruflichen Alltag für eine Weile hinter sich lassen, die beruflichen Perspektiven überdenken, erzählte Abbie. Und diese Auszeit führte das Paar 2014 nach Australien. 18 Monate reisten sie herum, ließen die Blicke schweifen, sogen neue Eindrücke auf. Die einen lassen sich dort vielleicht von der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt begeistern, die anderen von der Kultur der Ureinwohner. Abbie und Chris entdeckten die tasmanische Whiskyszene und ließen sich von ihr gefangen nehmen.

Abbie hatte nach ihrem Studienabschluss durchaus mit dem Gedanken gespielt, sich einer Karriere in der Brennindustrie zuzuwenden, aber in Großbritannien erschien ihr alles sehr kompliziert und mit Zusatzausbildungen verbunden zu sein. Hier in Australien sah sie, dass es auch anders geht, dass Whiskybrennen keine Wissenschaft sein muss, sondern ein Handwerk ist. Bill Lark wurde zum Lehrmeister der beiden und bald stand für sie fest, dass aus ihrer beruflichen Auszeit eine berufliche Neuorientierung entspringen würde.

Neustart in England

Sie gingen zurück nach England und begannen, ihre Pläne für eine eigene Brennerei in die Tat umzusetzen. Als Baugrundstück diente das Gelände, auf dem Abbies Großmutter früher einen Pferdestall unterhielt. Viele hilfreiche Hände bauten nach Chris‘ Plänen das flache, breitgestreckte Holzgebäude, das von außen mehr an ein großes Gartenhaus erinnert als an eine Whiskydestillerie. Die Finanzierung gelang über Förderprogramme und Crowdfunding.

Wie viele andere neue Whiskybrennereien ließen sich Abbie und Chris auf das Parallelprogramm Ginherstellung ein. Die Biochemikerin wurde zur Kräuterkundigen, experimentiert mit Spaß und Leidenschaft in ihrer „Hexenküche“ und brennt den Gin per moderner Vakuumdestillation in ihrer Ginecke des großen Produktionsraumes. Im Mai 2018 kam der Cooper King Gin heraus, seither sind zwei Variationen hinzugekommen. Ich kann euch nur dringend empfehlen, diesen Gin zu probieren. Ich hatte vor Ort die Gelegenheit dazu und war begeistert. Einen deutschen Importeur gibt es (noch) nicht, ich hoffe, das ändert sich bald.

Verantwortung leben

Abbie und Chris legen großen Wert auf Nachhaltigkeit. Sie sind stolz darauf, ihre gesamte Brennerei zu 100% mit „grünem“ Strom zu betreiben. 

Mindestens ein Prozent der Erlöse aus ihren Ginverkäufen gehen in ein Projekt des Yorkshire Dales Millennium Trusts zum Anpflanzen von Bäumen. Erst neulich haben die zwei selbst den Spaten geschwungen und mit den Mitarbeitern des Trusts zusammen Bäume gesetzt – sie sind nun einmal Do-It-Yourself-Leute, das habe ich ja bereits erwähnt.

Kurz vor dem Start der Whiskyproduktion

Der erste Whisky wird noch etwas auf sich warten lassen. Es ist alles fertig soweit in der Brennerei und jetzt im Sommer soll die Whiskyproduktion anlaufen. Bei Warminster Maltings wird das Getreide dafür traditionell im Floor-Malting-Verfahren gemälzt. Ausschließlich Maris Otter Gerste, die in ihrer Nachbarschaft angebaut wird, wollen Abbie und Chris verwenden. Zwei Fermenter stehen zum Maischen bereit. Die etwa 1.600 Liter Maische soll aufgeteilt werden auf zwei Rohbrände, denen sich dann ein Feinbrand anschließt. 

Die Fässer werden sie von einer regionalen Cooperage beziehen, von der White Rose Cooperage. Alastair Simms wird für Cooper King hauptsächlich kleine 100-Liter-Fässer anfertigen, in denen der Whisky schnell und intensiv reifen soll. Ex-Bourbonfässer, auch Port- und Sherry, die alle hier in der Brennerei selbst gelagert werden sollen. Ein kleines Kontingent an 100-Liter-Ex-Bourbon-Fässer wurden Ende 2018 im Vorverkauf bereits zur Cask-Ownership abgegeben.

Cooper King: Der Familiengeschichte nachgespürt

Bei der Namensgebung ihrer Brennerei haben sich Abbie und Chris an Chris‘ Familiengeschichte orientiert: Sein Ur-Ur-Großvater Charles Cooper King hat den Wurzeln seiner Familie bis ins Jahr 1050 nachgespürt und dokumentiert. In seinem Werk, 1885 niedergeschrieben und mit Skizzen und künstlerischen Grafiken versehen, fanden Abbie und Chris auch die Anregungen für die Gestaltung ihrer Labels, die von der Künstlerin Emily Stubbs aus Yorkshire umgesetzt wurden. Und das Logo der Cooper King Distillery basiert auf Elementen aus dem alten Familienwappen. Dass der Begriff „King“ im Namen der Brennerei auftauchen darf, haben sie sich übrigens extra offiziell bestätigen lassen – in Sachen Monarchie ist man in England doch sehr eigen.

Mittlerweile ist aus dem 2-köpfigen Cooper-King-Team übrigens bereits ein 3-köpfiges geworden: Laura Bartram unterstützt Abbie und Chris als Vollzeitangestellte. Als Event- und Development Manager ist sie für Veranstaltungen verantwortlich, kreiert Cocktails mit den Cooper King Gins, unterstützt Abbie und Chris beim Entwickeln neuer Produkte und assistiert bei allem, was in der Brennerei anfällt.

Just do it

Es war ein äußerst interessanter, kurzweiliger und unterhaltsamer Besuch und ich habe die Begegnung und die Gespräche mit Chris und Abbie sehr genossen. So authentisch, wie sich die Geschichte und die Hintergründe ihrer Brennerei anhören, so nehme ich die beiden wahr. Sympathisch und offen, ungezwungen und doch hochengagiert. Sie haben ein Herzensprojekt aufgebaut, hinter und in dem sie voll und ganz stehen und das spürt man ihnen ab. Die Brennerei ist kein Schauraum, kein Prestigeobjekt, hier wird gewerkelt, gearbeitet, hier kommt das Wort „craft“ voll zur Entfaltung. „Just do it“ wäre der ideale Slogan für die Cooper King Distillery, hätte ihn nicht jene Sportartikelfirma vor einigen Jahren mal für sich proklamiert. Ich bin gespannt, wie die beiden ihre Ideen umsetzen und wie sich ihr „English Whisky the Tasmanian Way“ entwickeln und präsentieren wird.

 

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