Besuch der Edradour Distillery – Featuring Edradour 2

Wohin man in der Whiskybrennereilandschaft auch schaut: Vielerorts wird expandiert, vergrößert, neu gebaut. Die gestiegene Nachfrage nach Whisky weltweit macht sich auch bei Edradour bemerkbar und Besitzer Andrew Symington (alias unabhängiger Abfüller Signatory) beschloss vor einiger Zeit, es den Kollegen gleich zu tun und die Produktion nicht nur zu erhöhen, sondern genauer gesagt gleich zu verdoppeln. Das bedeutet zwar von bisher wöchentlich gefüllten Fässern von zweien nun „nur“ auf vier aufzustocken, aber wer die kleine Brennerei kennt, der weiß, wie beengt es dort zugeht. Wo schon jeder Meter ausgenutzt wird, ist kein Platz für ein Upgrade von Mashtun, Fermentern, Brennblasen und sonstigem Equipment.

So wurde hinter den bestehenden Gebäuden ein neues, großes errichtet, in dem eine zweite komplette Brennerei untergebracht ist. Zukünftig wird die Produktion des nicht getorften Edradours und des getorften Ballechins in den beiden Brennereien getrennt gefahren. Um sicherzustellen, dass sich der bisherige Stil des Whiskys nicht ändert, wurden so weit wie möglich die vertrauten Gerätschaften dupliziert und kopiert.

Hier ist in der großen Halle alles anders angeordnet als in der alten Brennerei mit ihren weißen pittoresken Gebäuden, so dass man auf den ersten Blick keine kopierte Brennerei wahrnimmt, denn hier ist Platz. 

Der direkte Vergleich der entsprechenden alten und neuen Komponenten durch nebeneinander gestellte Bilder zeigt die Parallelen zwischen beiden Einrichtungen auf.

Die offene, gusseiserne Mashtun von Edradour (1,1 Tonnen fasst sie) ist legendär, ebenso wie das Festhalten am Kühlen der Würze in einem offenen Morton-Refrigerator. Beide finden sich auch im neuen Gebäude von Edradour 2 wieder.

Okay, die neue Mashtun hat einen modernen Ablass und ist jetzt leichter zu entleeren und zu reinigen. Außerdem wird natürlich insgesamt energieeffizienter gearbeitet – wo diesbezügliche moderne Technik keinen direkten Einfluss auf die Qualität des Spirits hat, wird sie auch angewendet. Dass Forsyths auf die alten, mehr als hundert Jahre alten Pläne von Brennblasen und Wormtubs zurückgreifen konnte, zeugt von einer gewissenhaften Ablage bei dem Traditionsunternehmen.

Was sofort auffällt: Statt wie bisher zwei Washbacks bei Edradour stehen bei Edradour 2 nun doppelt so viele: Man hat die Weichen für eine weitere Produktionserhöhung bereits gestellt. Bisher war das begrenzt Volumen für die Gärung immer der Flaschenhals, der eine Steigerung verhinderte. Vorerst werden aber auch hier immer nur zwei Washbacks gefüllt.

Die Möglichkeit, dass hier bei Edradour 2 die Produktionsmengen hochgefahren werden können, ist ein wesentlicher Grund dafür, den rauchigen Ballechin künftig in der alten Brennerei herzustellen und den Edradour in der neuen: Wenn die Produktion angehoben wird, dann die des nichtrauchigen Single Malts.

Hinter Edradour 2 sind übrigens auch neue Lagerhäuser entstanden – hier reifen nicht nur Edradour und Ballechin, hier lagern auch die Schätze von Signatory.

Die neue Brennerei wird im Rahmen der Besuchertouren leider nicht zu besichtigen sein, die sind nach wie vor auf die alte Edradour Distillery beschränkt.
Unten in den Bildergalerien könnt ihr euch aber einen detaillierteren Einblick verschaffen.

 

Edradour 1:

 

Edradour 2:

 

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