Heute kein Whisky: Tequila geht auch mal. Oder Mezcal.

Lasst ihr euch hin und wieder zu einem Blick über den Tellerrand, pardon, Whiskyglasrand, verführen und nehmt auch etwas anderes als Getreidebrand in den Blick? Ich habe mich neulich von Timo Lambrecht vom Bremer Spirituosenkontor einladen lassen, Spirituosen unter die Lupe zu nehmen, die auf Agaven basieren. Tequila und Mezcal haben sich in den letzten Jahren auch bei uns einen zunehmenden Freundeskreis erobert und sind auf Spirituosenmessen an den Ständen der Importeure immer häufiger neben Whisky, Rum und Gin zu finden. Wie bei allen Spirituosen gilt auch beim Tequila und Mezcal: Es gibt sone und solche….  Und zwei solche Labels möchte ich heute vorstellen, die gerade eine Auszeichnung nach der anderen erleben. Pasote Tequila und Bozal Mezcal.

Gibt es einen Unterschied zwischen Tequila und Mezcal?

Ich habe mich etwas eingelesen in das Thema: Auf den ersten Blick gibt es zunächst einmal eine grundsätzliche Gemeinsamkeit, denn beide Spirituosen werden aus Agaven hergestellt. Allerdings dürfen für den Tequila nur blaue Weber Agaven (Agave Tequilana Weber) verwendet werden, während man beim Mezcal freier ist. Dafür darf zu dessen Herstellung maximal 20% Zucker aus anderen Pflanzen herangezogen werden, während beim Tequila bis zu 49% Fremdzucker erlaubt sind. Es sei denn natürlich, es steht 100% Agave darauf, so wie es sowohl beim Pasote Tequila als auch beim Bozal Mezcal der Fall ist. Tequila wird wesentlich häufiger industriell produziert, während Mezcal zumeist auf traditionelle Handwerksweise hergestellt wird und zum langsamen Backen der Agavenherzen noch Erdhöhlen oder kleine Öfen verwendet werden. Aber auch da kann man nicht grundsätzlich verallgemeinern. Das Beispiel des Pasote zeigt, dass hochwertiger Tequila sehr wohl auch traditioneller Handarbeit entstammen kann.

Pasote Tequila – in drei Variationen erhältlich

Dieser Tequila in der wunderschönen Glasflasche kommt aus dem mexikanischen Hochland, genauer gesagt aus dem Staat Jalisco. Bevor wir zum Tequila selbst kommen, sei kurz erwähnt, dass die Flaschen in einem Familienbetrieb mundgeblasen werden, es sind also alles Einzelstücke. Eine ein wenig anders als die andere.

Die Pasote Tequila Herstellung geschieht in dritter Generation unter der Leitung von Masterbrenner Felipe J. Camarena. Die Agavenherzen (wie oben erwähnt nur von der blauen Weber Agave) werden gebacken, zerkleinert und vier bis fünf Tage in Edelstahltanks mit natürlichen Hefen (Befall aus der Luft) fermentiert. In Brennblasen wird dann zweifach destilliert. Dazu wird sowohl Regenwasser als auch Quellwasser verwendet. Neben dem Blanco gibt es noch den Reposado (6 Monate in Ex-Bourbon Fässern gelagert) und den Anejo (18 Monate in Ex-Bourbon Fässern gelagert). Alle werden mit 40% vol abgefüllt.

Meine Tastingnotes:

Pasote Blanco
Nase: grasig, ein wenig parfümig, Kiwi, Zitrus, zündelndes Heu – ein Hauch kalter Rauch.
Geschmack: weich, fast samtig, Zitrusaromen, Grapefruitschale, dann wird es frisch-grasig und deutlicher Pfeffer kommt durch.
Finish: fast ölig, weißer Pfeffer; leichter Rauch klingt nach.

Pasote Reposado
Nase: Sahne, Erdbeeren; ein ungewöhnliches Zusammenspiel von cremig und fruchtig-säuerlich.
Geschmack: sehr pfeffrig, es bitzelt auf der Zunge. Deutlich weniger fruchtig als der Blanco. Eine leichte Würzigkeit schimmert durch, Röstaromen; ein Hauch Vanille.
Finish: trocken, adstringierend, überraschenderweise ist der Pfeffer nach kurzer Zeit fast weg und es klingen süße Toffeenoten nach.

Pasote Anejo
Nase: frisches Heu, Lorbeerblatt, ein Hauch Vanille; Bounty.
Geschmack: weißer Pfeffer trifft auf karamellisierte Grapefruit. Röstaromen und ein Hauch Rauchigkeit.
Finish: trocken, lang und relativ süß.

Bozal Mescal – Drei Produkte, drei verschiedene Agaven

Auch bei diesem „Schnaps“ sind die Flaschen wieder ein absoluter Hingucker. Die rustikalen Keramikflaschen sollen die traditionelle Herstellung betonen und an die typischen Copitas – Trinkgefäße aus Ton – erinnern, so informiert die Pressemitteilung.

Traditionelle Herstellung bedeutet, dass die Agavenherzen in Erdöfen gebacken, zerkleinert und die saftige Masse dann mit einem Steinrad zerquetscht werden. In offenen Gefäßen kommt es dann durch den Einfluss wilder Hefen aus der Luft zu einer natürlichen Gärung. Die entstandene alkoholische Maische wird anschließend in kleinen Kupferbrennblasen zweifach destilliert.
Wenn wir hier von Öfen, Gärgefäßen und Brennblasen reden, dann solltet ihr euch allerdings frei machen von den Eindrücken, die ihr im Hinterkopf habt von schottischen, irischen oder auch deutschen Brennereien – wir reden hier von denkbar einfachster Technik und Ausstattung. Handcraft im ursprünglichsten Sinne. Leider habe ich auf der 3badge mixology Hersteller-Seite keine Bilder gefunden, aber auf der Bozal Mezcal Facebook-Seite gibt es diverse Fotos zu sehen. Einfach munter runtersrollen.

Hier am Beispiel dieser Mezcal-Serie kann man sehr schön sehen, dass unterschiedliche Agavensorten eine sehr unterschiedliche Aromatik liefern. Dann also ans Verkosten der 47%-igen Spirituosen:

Bozal Mezcal Ensamble
Drei verschiedene Agaven wurden für dieses „Ensemble“ herangezogen: Der Bozal Mezcal Ensamble ist also ein Blend, dem die unterschiedlichen Aromen der Agaven Barril, Mexicano und Espadin Komplexität geben sollen.
Nase: verhaltener Rauch, leichte Fruchtigkeit. Angenehm zurückhaltend und leicht.
Geschmack: Asche und Rauch, begleitet von fast floralen Aromen. Dunkle, erdige Aromen umspielen fruchtige Zitrusnoten. Das Mundgefühl ist weich und leicht ölig.
Finish: lang und angenehm. Die vielfältigen Aromen klingen nach.

Bozal Mezcal Cuixe
Eine einzelne Agavenart aus einem einzigen Dorf – mit ihrem festen Stil, von dem zentral scharfkantige Blätter abgehen, sei sie schwer zu ernten, heißt es. Aber ihre besondere Aromatik lohnt wohl die Mühe.
Nase: Zitrusaromen breiten sich deutlich aus, untermalt von einem Hauch Rauchigkeit.
Geschmack: intensive Früchte, dann wird es leicht scharf. Erdige Noten treten auf, ich denke an einen feuchten Kartoffelkeller. Das Mundgefühl wird sehr trocken.
Finish: trocken und aschig.

Bozal Mezcal Tobasiche
Zwölf bis dreizehn Jahre braucht die Agave der Sorte Tobasiche bis sie ausgereift ist. Dann das Leben als Bozal Mezcal zu beenden ist wohl nicht das Schlechteste, was dieser Pflanze passieren kann.
Nase: süß und weich; fruchtige Aromen steigen auf.
Geschmack: Süße Gewürze machen sich breit. Ich fühle mich an den süßen Hustensaft erinnert, den ich als Kind bekam. Anisaromen. Und eine deutliche Salzigkeit, mineralische Noten.
Finish: Erdige Noten entwickeln sich zum Schluss und eine leichte Rauchigkeit klingt nach.

Mein Fazit des „spirituösen Seitensprungs“:

Ich bin kein intensiver Tequila und Mezcal Trinker und werde mich wohl auch in Zukunft weiterhin mehr auf Whisky und Gin konzentrieren, aber diese Pasotes und Bozals habe mir gezeigt, dass es auch unter den Agavendestillaten leckere und sehr angenehme Produkte gibt. Da muss man nicht zu Salz und Zitrone  oder Eis greifen oder welche Tricks man auch sonst entwickelt hat, um scharfe und minderwertige Vertreter halbwegs genießbar zu machen. Diese „Schnäpse“ sollte man ebenso bewusst und wohltemperiert genießen wie einen Single Malt oder Sipping Gin. Es lohnt sich!

Mein Favorit unter den sechs Produkten hier ist übrigens der Pasote Blanco. Wohl der gefälligste unter ihnen – für Agaven-Einsteiger wie mich ideal 😉

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