Glenfiddich IPA Experiment und Project XX: Interview mit Markus Heinze

Mit dem Glenfiddich IPA Experiment und dem Glenfiddich Project XX (sprich „Twenty“) stellte William Grant & Sons vor kurzem zwei Single Malts vor, die den Start einer neuen Serie einläuten. Einige erste Infos sind im Netz bereits zu finden. Ich habe Markus Heinze, Brand Ambassador für Glenfiddich, um ein kurzes schriftliches Interview über Hintergründe des neuen Projekts gebeten.

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Glenfiddich Experimental Series: Der Name ist hier Programm. Glenfiddich möchte neue Wege gehen, innovativ sein, ausprobieren, kreativ sein, so hören/lesen wir. Reicht es denn nicht, Whisky weiterhin the good old way zu machen, wie wir es von Glenfiddich gewöhnt sind?

Antwort: Die Glenfiddich Experimental Series ist so konzipiert, um mit ungewöhnlichen und unerwarteten Varianten zu begeistern. Wir möchten weiterhin neue Wege gehen und Grenzen überschreiten. Kreativität und Innovation sind zwei Eigenschaften, welche unsere Geschichte wesentlich prägen. Daher würde ich nicht von neuen Wegen sprechen, sondern eher von der Weiterführung gewohnter Traditionen. Ich erinnere nur gern an die Anwendung des Solera-Systems beim Glenfiddich 15 Jahre oder an die diversen Finishings, auch in Kombination mit der Age of Discovery-Reihe.

Whisky aus 20 verschiedenen Fässer, die von 20 Brand Ambassadors ausgewählt worden, hat Brian Kinsman zum Glenfiddich Project XX geblendet. Können wir Näheres über diese Fässer erfahren? Eine Liste vielleicht, welche es waren, welches Holz, welches Alter usw.?

Antwort: Es sind insgesamt 17 Bourbon Barrels, 2 Sherry Hogsheads und ein Port Pipe aus dem ehemaligen Conval-Warehouse ausgewählt worden (siehe Übersicht). Die Fässer wurden rein nach Geschmack ausgewählt, da dieser beim Whisky am Ende zählt. Das Alter der Destillate und die Art des Fasses waren hierbei weniger entscheidend, dennoch ist am Ende eine sehr schöne Auswahl an alten und zum Teil auch etwas jüngeren Destillaten aus unterschiedlichen Fassarten entstanden.

glenfiddich-xx-mapDu hast verraten, dass du selbst auch eines der Fässer auswählen durftest. Ihr seid vermutlich nicht miteinander durch die Lagerhäuser spaziert, sondern habt Proben bekommen, denke ich mal…. Wie ging die Auswahl denn vor sich und: War es schwer, sich zu entscheiden?

Antwort: Auch, wenn es wohl kaum einer für möglich halten würde, wir sind tatsächlich gemeinsam durch das Warehouse spaziert und haben jeweils fünf Fässer nur nach der Optik ausgewählt. Anschließend haben wir uns in einer Tasting-Session für unseren Favoriten entschieden. Das spannende war, dass wir nicht wussten was uns erwartet. Daher war es auch nicht gerade leicht sich für das „beste“ Destillat zu entscheiden.

Erzählst du uns etwas über „dein“ Fass?

Antwort: Ich habe mich für ein Bourbon Barrel mit der Fassnummer 48080 entschieden. Entscheidend für diese Auswahl waren die leicht süßen, fruchtigen Noten von Vanille, Apfel mit einem Hauch von Minze. Ein wunderbarer und zugleich authentischer Vertreter aus dem Hause Glenfiddich mit einer nahezu perfekten Balance.

Brian Kinsman hat dann aber die 20 Fässer nicht einfach gebatcht, sondern in verschiedenen Verhältnissen geblendet, korrekt?

Antwort: Korrekt!

Du hast den Glenfiddich Project XX natürlich schon probiert. Hast du Tasting-Notes für uns? Ist es ein typischer/ein untypischer Glenfiddich? Was charakterisiert ihn?

Antwort: Ich würde schon meinen, dass es sich beim Project XX um einen typischen Glenfiddich handelt. Die Vielzahl an Bourbon Barrels bringen die Glenfiddich Charakteristik hervorragend zur Geltung. Dennoch wirkt er aufgrund der 47% deutlich komplexer. Insbesondere im Mundgefühl überzeugt er auf ganzer Linie.
Official tasting notes
Colour: Deep gold
Nose: Classic Glenfiddich fruitiness with hints of apple blossom, summer fruits and ripe pear. A beautiful balance of oak with rich creamy vanilla, barley sugar and a hint of liquorice and subtle spice
Taste: A refined and balanced flavour with candy floss sweetness and a rich vanilla oakiness. Deep and mellow, the initial sweetness is complemented by unusual notes of toasted almonds, cinnamon and a hint of crisp tannin
Finish: Long lasting with a lingering sweet oakiness
ABV 47% Non-chill filtered

Mit dem Glenfiddich IPA Experiment wird’s dann noch ein Stück experimenteller. Ein Finish in Fässern, in denen zuvor IPA gelagert wurde. Bierfässer sind zwar nicht ganz neu bei der Whiskyreifung (siehe Säntis), aber für Glenfiddich ein Novum. Und vor allem IPA: Indian Pale Ale ja im Moment in der Craft Bier Szene sehr angesagt. Wurde es deshalb ausgewählt für das experimentelle Finish oder was war der Grund?

Antwort: Natürlich dürfen wir dies nicht außer Acht lassen, ganz klar. … Aber nicht nur. Der Glenfiddich IPA Cask beruht auf einer Zusammenarbeit mit einem Craft Beer-Brauer aus der Speyside, der zusammen mit Brian Kinsman die Leidenschaft zu innovativen Aromen teilt. Daher entschieden sie sich für eine Kooperation, um einen neuen außergewöhnlichen Single Malt zu kreieren. Eigens für dieses Projekt, wurde damit auch ein neues IPA kreiert, welches mit pikanten Zitrusnoten und spritzig, würzigen Hopfennoten (Challenger Hopfen) überrascht. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass hierbei eines der ältesten und eines der jüngsten, unabhängigen Familienunternehmen der Speyside zusammenfanden.

Wie lange lagerte denn der Whisky in den IPA-Fässern? Ich vermute mal, da der IPA keine Altersangabe trägt, kannst du uns nicht sagen, wie alt er insgesamt ist.

Antwort: Wie alt er insgesamt ist, kann und werde ich auch nicht verraten. Dies spielt aber meiner Meinung auch keine große Rolle. Wir sollten uns langsam von der ewigen Diskussion über das Alter wegbewegen (auch in Hinblick auf NAS-Abfüllungen), denn es kommt auf die Aussagekraft des jeweiligen Destillates an. Für uns ist entscheidend, wie weit sich die jeweiligen Destillate im Laufe der Zeit entwickelt haben und wie sie sich im Anschluss im Finishing-Verfahren verhalten.

Und? Wie schmeckt der Glenfiddich IPA? Schmeckt man das Bier heraus? Den Hopfen?

Antwort: Die Aromen des IPA, kombiniert mit unserem Whisky, harmonieren wunderbar miteinander. Bei der Verkostung hatte ich mitunter das Gefühl einer feinen Perlage auf der Zunge. Auch der Challenger Hopfen mit seiner vollmundigen, fruchtig frischen Charakteristik weiß durchaus zu überzeugen.
Official tasting notes
Nose: A beautifully delicate balance of ripe green apple, William’s pear and spring blossom. Aromatic hops and fresh herbs complement the characteristic Glenfiddich fruitiness and sweet, vanilla oakiness.
Taste: Vibrant with a zesty citrus note followed by soft, sweet vanilla and a hint of fresh hops.
Finish: Long lasting sweetness with subtle green hops.

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In den Presseberichten wird von „permanent releases“ gesprochen. Beim Glenfiddich IPA ist Nachproduzierbarkeit plausibel, aber wie steht es denn mit dem XX? 20 Fässer sind doch irgendwie endlich. Wird es also für weitere Batches eine neue Auswahl von Fässern geben?

Antwort: Der Project XX wird in Batches erscheinen, welche zukünftig anhand der DNA des ersten Release zusammengestellt werden. Es ist quasi genau das gleiche Prozedere wie bei unseren meisten Abfüllungen auch. Für Batch 2 haben wir auch schon zusammen mit Brian Kinsman unsere Entscheidung getroffen. Auch hierbei wurden wir als Ambassadore erneut mit einbezogen.

Nun kommen sowohl XX als auch IPA ohne Altersangabe auf den Markt. Klingt provozierend (ist es auch): Haben wir es hier bei der Experimental Series also mit dem gezielten Einstieg von Glenfiddich in den NAS-Markt zu tun?

Antwort: Nein. Das hat damit nichts zu tun und es ist mit Sicherheit kein gezielter Einstieg in den NAS-Markt. Es sind zwei Produkte die uns aufgrund der zugehörigen Idee schlussendlich keine Wahl ließen. Auch in Zukunft werden wir nicht nur durch unsere Core Range, sondern auch mit weiteren innovativen Abfüllungen in Kombination mit Altersangaben zu überzeugen wissen (siehe auch Launch GF 26yo). Im Moment sprechen wir von circa 1 000 000 eigenen Fässer unterschiedlicher Jahrgänge, welche nur darauf warten abgefüllt zu werden.

Bei diesen beiden Releases XX und IPA soll es nicht bleiben, die Serie wird in den nächsten Jahren fortgesetzt. Weißt du denn schon, in welche Richtung die nächsten Experimente gehen und kannst uns ein wenig neugierig machen?

Antwort: Top Secret! 😉 Aber es wird definitiv wieder ein grandioses Projekt…

Vielen Dank, Markus!

Diese beiden neuen Glenfiddichs sind bereits erschienen, aber bis sie den deutschen Markt erreichen, müssen wir uns wohl noch kurze Zeit gedulden.

Bilder: William Grant & Sons via Markus Heinze

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