Lochlea Distillery: Ein Besuch der neuen Farmbrennerei in den Lowlands

 

Keine Schilder wiesen den Weg zur Lochlea Distillery, als ich sie Anfang September besuchte. Rund 30 Kilometer nördlich von Glasgow ist sie in South Ayrshire zu finden, unweit von Kilmarnock. Anders als bei vielen neuen Brennereien hat man sich bei Lochlea entschieden, zunächst keinen Fokus auf Öffentlichkeitsarbeit zu setzen, deshalb war es in den ersten drei Produktionsjahren sehr still um die Brennerei. Lochlea will auch in nächster Zeit erst einmal kein Besucherzentrum eröffnen. So habe ich mich sehr gefreut, als meine Anfrage nach der Möglichkeit eines Besuchs positiv beantwortet wurde.

Ich hatte in Pressemitteilungen gelesen, dass der Launch des ersten Lochlea Whiskys kurz bevorsteht und war gespannt darauf, was Distillery Manager Malcolm Rennie hier mit dem Team der Lochlea Brennerei aufgebaut hat. Ich habe Malcolm schon ein paarmal getroffen, unter anderem bei Kilchoman und zuletzt 2014, als er mir die Annandale Distillery zeigte – sein vorheriges Brennereiprojekt (Hier findet ihr den Bericht darüber).

Malcolm empfing mich und meinen Mann zusammen mit Commercial Manager David Ferguson, mit dem ich zuvor in Kontakt gestanden hatte. David ist erst dieses Jahr zum Lochlea Team hinzugestoßen, zuvor hat er bei Beam Suntory gearbeitet. Bisher war sein Aufgabengebiet hier ja noch nicht gefragt gewesen, wie auch das von Patrick Dupuy, Business Development Executive, der sich beim Rundgang zu uns gesellt.

 

 

Ehemaliges Zuhause von Robert Burns

Die Brennerei befindet sich auf dem Gelände der Lochlea Farm. Neil McGeoch hat sie 2006 als Rinderfarm gekauft, doch bei 222 Acres Farmfläche kann man eine reine Rinderfarm nicht wirtschaftlich betreiben und er schaute sich nach Alternativen um. In früheren Zeiten wurde auf Lochlea Schweine gehalten und Getreide angebaut. In diesen „früheren Zeiten“ der Farm taucht übrigens ein bedeutender Name auf: Schottlands Nationaldichter Robert Burns lebte und arbeitete hier von 1777 bis zum Tod seines Vaters 1784.

Robert Burns und Whisky gehören irgendwie zusammen und so begann McGeoch 2015 auf 50 Acres mit dem Anbau von Getreide und begann mit dem Consultant Malcolm Rennie über den Bau einer Whiskybrennerei zu sprechen. 2017 startete der Umbau des alten Schweinestalls und anderer Farmgebäude in ein Lagerhaus und die Brennerei. Mitte 2018 war man fertig und konnte mit der Produktion beginnen.

 

 

Die verwendete Gerste stammt bisher ausschließlich von der eigenen Farm. Loreate wird angebaut und von Bairds gemälzt, ausschließlich ungetorft. Sollte man die Produktion weiter hochfahren, wird man auf Getreide aus umliegenden Farmen zurückgreifen. 175.000 Liter Alkohol war die Jahresproduktion bisher, auf 200.000 Liter kann man bei Lochlea noch erhöhen.

10.000 Liter Würze liefert die 2-Tonnen-Semi-Lauter-Mashtun, vergoren wird zwischen 66 und 110 Stunden in sechs Washback, destilliert in den beiden Brennblasen von Forsyths mit 10.000 und 6.300 Litern. Zwischen 66.5 und 69.0 % vol schneiden sie das Herzstück des Brandes, erzählt Malcolm, der sichtlich stolz ist auf die Brennerei.

 

 

Lochlea Single Malt Whisky im Lagerhaus

Und noch stolzer lächelt er dann im Lagerhaus, in dem er „seine“ Fässer präsentiert. Hauptsächlich First-Fill-Bourbon-Fässer und Sherry-Fässer werden befüllt. Erstere bezieht Lochlea von Maker’s Mark, letztere direkt aus Jerez. Aber es finden sich noch diverse weitere Fassarten im Lagerhaus. Ex-Laphroaig-Fässer beispielsweise oder ehemalige Cabernet-Sauvigon-Fässer.

14 verschiedene Fassorten sind es derzeit. Die Flüssigkeit in etlichen Fässern darf sich nun bereits Whisky nennen.

 

 

Etwas sehr Interessantes erzählte Malcolm dann auch im kleinen Tastingraum der Brennerei: Sie stellen derzeit zwei unterschiedliche New Makes her. Beim New Make mit dem genannten engen Cut Point werden bei langer Gärung zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. Dieser Whisky ist für kürzere Reifung gedacht, für Abfüllungen in den nächsten Jahren. Für den anderen New Make wird nur eine Hefe verwendet und die Cut Points sind etwas weiter. Er ist für Whiskys gedacht, die dann gut und gerne 12-15 Jahre lagern sollen.

Die beiden Charaktere lassen sich deutlich herausriechen und -schmecken. Fruchtig sind sie beide, doch der eine ist eine Spur „heller“ im Aroma, der andere bietet ein etwas breiteres Aromenbild und mehr Getreidenoten. Sehr spannend!

 

 

Ein Blick in die Zukunft: Der erste Whisky und ein neuer Manager

Der erste Lochlea Single Malt Whisky soll im November 2021 auf den Markt kommen, erzählt David (Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass es Lieferprobleme seitens der Glashersteller geben würde. Der Releasetermin wurde inzwischen auf Anfang 2022 verschoben). 7.000 Flaschen wird es geben, abgefüllt mit 46% vol, ungefärbt und nicht kühlgefiltert. Gebatcht wird der Whisky aus First-Fill-Bourbonfässern und Ex-PX-Sherryfässern. Um die 50 Pfund soll der Ausgabepreis sein. Die Hälfte der Flaschen ist für den UK-Markt bestimmt, die andere für Europa und die USA.

Ob es denn für Deutschland schon einen Importeur gäbe, wollte ich wissen. Natürlich, meint David lächelnd, schließlich ist Deutschland ein wichtiger Whiskymarkt. Kirsch Import wird den Lochlea Whisky bei uns vertreiben.Und dann frage ich Malcolm noch, ob denn Lochlea auch ein Brennereiprojekt sei, dass er „nur“ bis zur Entwicklung des ersten Whiskys betreut, bevor er sich dem nächsten widmet. Wird er bleiben? Oder übernimmt jemand anders? Malcolm und David schauen sich an und lächeln. Eine Antwort bekomme ich nicht. Hatte ich auch irgendwie nicht erwartet…

Heute postete Lochlea in den sozialen Medien, dass man stolz sei, John Campbell im Team begrüßen zu können. Der hatte Ende September bekannt gegeben, dass er Laphroaig nach 25 Jahren verlässt und den Posten des Distillery Managers dort räumt. Er wolle sich in Richtung Mainland orientieren, „closer to the family“. Nun wissen wir also offiziell, wohin es ihn zieht – zur Lochlea Distillery. Auf deren Webseite wird er bereits als Production Director and Master Blender genannt. Welcome, David! Malcolm Rennie ist dort verschwunden – ich bin gespannt, wo ich ihm wieder begegne. Irgendwas mit R. sagen die Gerüchte….

 

 

Und hier nochmal alle Bilder und ein paar mehr dazu: