Besuch der Glenallachie Brennerei

Ein Blick hinter die Kulissen von Glenallachie, ein Ausblick auf kommende Abfüllungen und viele, viele Bilder

Dass wir von der A95 bei Aberlour richtig abgebogen sind, zeigt sich schon nach wenigen hundert Metern Fahrt auf der kleinen Straße unmissverständlich. „GLENALLACHIE“ prangt in großen Lettern an den Lagerhäusern – genauer gesagt an den ersten Lagerhäusern, denn beim Folgen der Straße defilieren wir noch an einer ganzen Reihe ähnlich aussehender Gebäude vorbei. Dahinter dann ein kleiner See und ein Gebäudekomplex: die Brennerei.

Ich bin mit Mann und Wohnmobil durch England und Schottland unterwegs und in die Urlaubstage mit Wanderungen und Sightseeing reihen sich hin und wieder auch Brennereibesuche ein. So wie heute. „Wann bist du in der Speyside?“ hatte Christoph Kirsch mich eine Weile zuvor in einer Mail gefragt. Als künftiger Importeur von Glenallachie plante er einen Antrittsbesuch in der Brennerei mit einigen seiner Mitarbeiter und lud auch Medienvertreter dazu ein. Unser Reise-Zeitplan ist flexibel und ein Besuch bei Glenallachie mehr als verlockend – also auf zum Treffen mit dem Team von Kirsch Whisky und dem von Billy Walker.

Billy Walker goes Glenallachie

Als die Meldung vom Verkauf von Glenallachie an Billy Walker und seine beiden Geschäftspartner Trisha Savage und Graham Stevenson im Juli 2017 die Runde machte, so war sie für die Whiskyszene nicht weniger überraschend als die im April 2016 über den Verkauf seiner Benriach Distillers an Brown-Forman: Hatte der überall als „Entrepreneur“ betitelte Walker sein Lebenswerk mit diesem 285-Millionen-Pfund-Deal denn nicht mit einem würdigen Abschluss gekrönt? Warum er nicht widerstehen konnte und sich noch einmal dem Aufbau eines Single Malts widmet, ist natürlich auch Thema während diverser Gesprächsrunden an diesem Tag: Den Verkauf von Benriach, Glendronach und Glenglassaugh hätte er keinesfalls als befriedigenden Abschluss empfunden; nein, er habe sich damit mehr den Wünschen der Miteigentümer gebeugt, obwohl er selbst durchaus noch genug Entwicklungspotential bei den Brands sah.

Und Glenallachie passt nun genau in dieses Schema, das einen Billy Walker so fasziniert: Ein Whisky, der noch nie eine wirkliche Chance bekam, als Single Malt entdeckt und gefördert zu werden. Glenallachie ist eine zuverlässige Größe in vielen Blends, aber trotz fast durchgehender Produktion seit 1967 als Single Malt Brand ein noch fast unbeschriebenes Blatt. Bis auf eine Cask Strength Abfüllung 2005 durch Chivas gab es keine Originalabfüllungen des Single Malts, nur von unabhängigen Abfüllern sind hin und wieder Glenallachies erschienen.

Der Kauf umfasste neben der Brennerei selbst auch die Übernahme eines 40.000-Fass-Bestandes, so dass der Neustart des Labels sofort beginnen und Billy Walker aus dem Vollen schöpfen kann – und er genießt es und hat sichtlich Spaß dabei. Eine Herausforderung ist es sicher allemal – gelagert wurde immer im Hinblick auf die Produktion von Blends, da wird jetzt einiges an Fassmanagement gefragt sein und Billy Walker wird umlagern, finishen und komponieren. Eine Core Range wurde so bereits entwickelt, die gerade in diesen Tagen auf den Markt kommt. Aber in den Lagerhäusern finden sich bestimmt auch kleine, ausdrucksstarke Schätze: Eine Serie mit besonderen Einzelfassabfüllungen kam anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Brennerei im vergangenen Jahr bereits heraus. Ach ja, und dann sind da noch die beiden Brands White Heather und MacNair’s, die im Gesamtpaket auch enthalten waren. Sie sollen demnächst ein Revival erleben – das kann durchaus eine sehr spannende Sache werden. 

Billy Walker mit Production Manager Richard Beatty

Die Weichen neu stellen – Was und wie ist Glenallachie Whisky künftig?

Parallel zum Sichten und Nutzen des vorhandenen Fassbestandes wird die Brennerei und der New Make selbst neu aufgestellt und eingestellt. Vom möglichen Produktionsvolumen von 4 Millionen Litern hat man sich zunächst einmal verabschiedet und auf 800.000 Liter heruntergefahren: Kennenlernen, ausprobieren, eine Linie erarbeiten. Oder auch zwei: Im April wurde in Glenallachie erstmal auch getorftes Malz verwendet. 65 bis 80 ppm im Ausgangsmalz, die dann im Endprodukt bis zu 45 ppm liefern werden. Aber nur etwa 10 Prozent der Produktion sind vorgesehen für die rauchige Version, Glenallachie bleibt in erster Linie ein fruchtiger und sehr komplexer, aber nicht rauchiger Speysider. 
Diese und weitere Informationen bekommen wir in Gesprächsrunden, beim Gang durch die Brennerei und die Lagerhäuser und bei einem absolut einzigartigen Tasting von denen, die es wissen müssen: von Sales Manager Ally Stevenson, von Production Manager Richard Beatty, von Michael Duncan, Distillery Operator, und nicht zuletzt auch von Billy Walker selbst. Welche der vielen Bilder des Tages euch besonders interessieren, weiß ich natürlich nicht. Ein paar sind hier als kleiner Überblick über die Brennerei im Beitrag enthalten, aber ich habe unten zusätzlich eine umfangreiche Bildergalerie angefügt.

The Making Of: Ein Gang durch die Produktionsbereiche

Es beginnt alles mit dem Malz…. Gekauft wird von Crisps Maltings in Port Gordon. Neun Maltbins stehen zur Lagerung zur Verfügung, jede fasst 30 Tonnen Malz. Das Team um Billy Walker setzt wie viele andere auch auf die Gerstensorte Concerto, wobei man beim Mahlen auf einen äußerst unüblichen hohen Anteil des feinen Mehles (Flour) von 20% achtet. Die Porteus Mühle verrichtet hier treu seit 1967 ihren Dienst. Natürliche Wasserläufe versorgen Glenallachie: Das Wasser für die Produktion kommt aus dem Henshead, das Kühlwasser aus dem Blackstank, beide entspringen am Fuße des Ben Rinnes. Die Semi-Lauter Mashtun fasst 9,4 Tonnen und jeder Maischvorgang umfasst vier Wasserdurchgänge. Die Produktionsräume sind das Reich von Michael Duncan und Philipp Murray, die nach der Übernahme der Brennerei von Kenny Dent und Dennis Cooper, die zuvor bereits hier arbeiteten, mit den Gegebenheiten vertraut gemacht wurden.

Production Manager Richard Beatty und Sales Manager Ally Stevenson

In Washbacks aus Edelstahl wird anschließend mit Hilfe von flüssiger Distillers Yeast fermentiert. Acht stehen insgesamt bei Glenallachie. In vielen Quellen ist noch von sechs Wash Backs die Rede, aber 2011 wurden zwei Second-Hand-Fermenter der Caperdonich Brennerei ergänzt (Tut zwar hier nichts zur Sache, ist aber trotzdem eine nette Zusatzinfo zum Thema Caperdonich-Recycling: Zwei andere Caperdonich-Fermenter fanden ihren Weg zur Wolfburn Brennerei und fungieren dort als Wassertanks. Ein Paar der Caperdonich-Brennblasen und der zugehörige Spirit Safe tun jetzt ihren Dienst in der Belgian Owl Destillerie. Das andere Paar Brennblasen wurde von der neuen Falkirk Brennerei übernommen. Und die Caperdonich-Porteus mahlt jetzt für Annandale). Die beiden stehen nicht im gleichen Raum wie die anderen sechs, sondern dahinter. Da die Produktion im Moment sehr zurückgefahren ist, nutzt man derzeit nur vier der Fermenter. 50.000 Liter fasst einer ungefähr, gefüllt wird bis 42.500 Litern. 16° bis 16.5°C ist die Starttemperatur. Die Fermentationszeit beträgt bei Glenallachie derzeit laut offiziellen Angaben 120 Stunden, so steht es auch auf der Homepage, aber bei unserem Rundgang erklärte Michael Duncan definitiv, dass man mit über sechstägiger Fermentationszeit arbeite, mit 160 Stunden. Dann hat die Wash eine Stärke von 9.5 – 9.6 % vol.

Riesige, dickbauchige Brennblasen begrüßen uns im Stillhaus. Es sind zwei Paare, die getrennt gefahren werden und über separate Wash und Spirit Safes verfügen. Man könnte also parallel unterschiedliche Destillate herstellen. Derzeit wird aber der Inhalt eines Fermenters (42.500 Liter) jeweils zur Hälfte in jede der Wash Stills gefüllt. Eine Besonderheit hier in Glenallachie sind die horizontal angebrachten Kondensatoren. Eine wirklich fundierte und nachvollziehbare Erklärung gibt es dafür nicht, meint Michael Duncan. Einige sagen, der Grund für den horizontalen Einbau sei der Plan gewesen, eine rein gravitationsgesteuerte Brennerei zu bauen. Aber dafür seien eigentlich die Wash Charger zu hoch angeordnet. Ein anderer Grund könne der größere Kupferkontakt sein, der durch die horizontale Führung entstehe. Aber das sind auch nur unbelegte Mutmaßungen. Der Cutting Point, also die Abtrennung des Herzstückes beim zweiten Brand, ist beim ungetorften Spirit 74–62 % vol, beim getorften 74–58.5% vol – rauchiger Whisky darf ruhig ein wenig „rauher“ sein 😉

Viele, viele Fässer in vielen Lagerhäusern

In den Lagerhäusern befinden sich insgesamt fast 100.000 Fässer, doch nicht alle gehören zum Bestand der Brennerei, man lagert auch „fremd“. 12 riesige Racket Warehouses stehen auf dem Gelände, in ihnen türmen sich die Fässer in sieben Reihen übereinander in Stahlregalen. Zwei Palettenlagerhäuser gibt es und dann sind da die beiden zuletzt gebauten traditionellen Dunnage Warehouses. Hier liegen hauptsächlich die „besonderen“ Fässer und die älteren Jahrgänge. Wir sehen viele Sherry-, Port- und auch Weinfässer. Michael öffnet eines der Portfässer und lässt uns verkosten – ein ganz junger Spirit, aber schon von kräftiger Aromatik. 

Jede Woche kommen momentan 100 neue Fässer in die Lagerhäuser. Gefüllt werden sie in der neuen Fillingstation, die nach der Übernahme eingebaut wurde. 50% der befüllten Fässer sind Bourbonfässer, 30% Sherryfässer und 20% „andere“. New Spirit kommt in Schottland üblicherweise mit 63.5% vol ins Fass, so ist es auch überwiegend bei Glenallachie. Aber eben nicht nur – man befüllt auch mit 68% vol und mit 72% vol um unterschiedliche Ergebnisse zu erhalten. Hier in der Abfüllhalle sind Stuart Geddes, Willie Kewley und Lindsay Cormie beschäftigt, das Warehouse-Team der Brennerei.

Eines der (vielen) Highlights des Tages ist unzweifelhaft die Tastingrunde, zu der wir zusammenkommen, um die neue Core Range (10-jähriger Glenallachie in Fassstärke, 12-, 18- und 25-jähriger in Trinkstärke) und einige andere besondere Samples zu verkosten. Christoph Kirsch ist nicht nur gekommen, um die Brennerei zu besichtigen und Hände zu schütteln – es geht auch darum, Fässer für besondere Abfüllungen auszuwählen. Verkostungsnotizen zur Core Range stelle ich morgen in einem separaten Beitrag ein. Und auf die weiteren Abfüllungen müsst ihr dann einfach einmal gespannt sein – es lohnt sich!

Ally Stevenson und Christoph Kirsch

Übrigens: Wer jetzt Lust bekommen hat, Gleann Aileachaidh, das „Valley of the Rocks“, zu besichtigen, muss sich noch etwas gedulden. Ein Visitor Center gibt es noch nicht, ist aber in Planung. Ebenso wie eine eigene kleine Bottling Line für limitierte Abfüllungen. 

Und hier wie angekündigt noch mehr Bilder: 

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