Ardnahoe Distillery: Ein Bummel über die Baustelle mit Jim McEwan

Dieses Jahr stand während meiner Schottlandreise mehrfach „Baustellenbesuch“ im Kalender. Zuletzt habe ich über den Besuch der entstehenden Raasay Distillery berichtet, heute geht es um eine Baustelle auf der Insel Islay: An der Nordostküste entsteht zwischen Caol Ila und Bunnahabhain die Ardnahoe Distillery. Im Frühjahr 2018 soll sie eröffnet werden und die Anzahl der aktiven Whiskybrennereien der Insel auf neun erweitern. So sieht es der Zeitplan des Bauherren Hunter Laing & Co. vor, den Jim McEwan mir Anfang Juni bei einem Besuch der Baustelle bestätigte. Ideal wäre es, die offizielle Eröffnung in die Feis Ile Woche legen zu können, meint er. 

Als Hunter Laing Anfang Februar bekannt gab, Jim McEwan für den Posten des Production Director gewonnen zu haben und ihn damit aus dem 2015 angetretenen Ruhestand zu locken, gelang ihnen damit ein aufsehenerregender Coup. Jim ist für viele das Gesicht der Whiskyszene von Islay. 53 Jahre war er hier auf der Insel tätig, die ersten 38 bei Bowmore, den Rest bei Bruichladdich. Islay ist seine Heimat, Whisky sein Leben. Mit dem Aufbau der Ardnahoe Destillerie will er noch einmal ein kleines Stückchen Whiskygeschichte schreiben. Er will sie zu einer Brennerei machen, die sich ins Inselgeschehen einfügt und ein starkes regionales Bewusstsein repräsentiert.

Das klingt nicht nur nach geschicktem Marketing, das ist es wohl auch. Aber Jim McEwan ist sicher niemand, der sich als Sympathieträger benutzen lässt, wenn er von einer Sache nicht absolut überzeugt ist. Von Ardnahoe ist er es, das lässt sich aus jedem Satz, den er über das Projekt sagt, unschwer herauslesen. Mit dem ihm eigenen Charisma lässt er die Baustelle selbst in dem trüben regnerischen Wetter, das wir erwischt haben, erstrahlen. Wer könnte sich seinen schwärmerischen Schilderungen des phantastischen Ausblickes auf die Paps von Jura entziehen und ihn vor Augen haben, obwohl sie an diesem Tag hartnäckig im diesigen Grau verharren?

Noch lässt sich nicht viel von der geplanten Brennerei erkennen auf der Baustelle. Aushub und Planierungsarbeiten haben stattgefunden, eine Stützwand errichtet – die Phantasie ist noch sehr gefordert, um hier den Bau zu sehen, den Jim lebhaft beschreibt. Die Brennerei wird zweistufig in den Hang hineingebaut. Rohre, Maschinen, Pumpwerk – das befindet sich später alles im Untergeschoss und entzieht sich den Blicken der Besucher. Der Besucherbereich ist die obere Etage, der von einer großen Fensterfläche und den dahinter platzierten Brennblasen dominiert wird. Hier oben entsteht auch der Tastingraum und der Bereich für „Education“ – für Vorträge, Kurse, Whiskywissensvermittlung.

Im Bauwagen zeigt Jim McEwan stolz Pläne und Projektskizzen und schildert Einzelheiten der geplanten Whiskyproduktion. Mit einer 2,5 Tonnen Mashtun, 6 Washbacks (mindestens 65 – 70 Stunden Fermentationszeit) und zwei Brennblasen (9.000 und 13.000 Liter) mit sehr langen Lyne Arms (die längsten der Welt, meint Jim) ist Ardnahoe auf eine Produktion von 650.000 bis 700.000 Litern Jahresproduktion ausgelegt (bisher habe ich immer von 500.000 Litern gelesen, aber dies sind die Zahlen laut Jim). Das Wasser für die Ardnahoe Distillery kommt aus dem gleichnamigen See in unmittelbarer Nähe. Man will stark auf Regionalität setzen und Gerste von Islay sei unbedingt ein Thema. Vom Stil her wird der Ardnahoe Whisky sich zunächst im „klassischen getorften Islay Stil“ präsentieren. Später sind vielleicht auch mehrere Variationen denkbar.

Ich frage einem Restaurant- oder Cafébereich, von dem ich in den ersten Berichten zur geplanten Brennerei gelesen hatte, aber Jim McEwan schüttelt den Kopf. Es ist wichtig, die Gemeinschaft auf der Insel zu berücksichtigen und zu unterstützen. Ein zusätzliches Café hier in der Brennerei würde den bereits vorhandenen Inns und Pubs in der Umgebung schaden. Und er verweist wieder begeistert auf die herrliche Location am Sound of Islay und den tollen Blick auf Jura. Sitzgelegenheiten soll es geben hier draußen, die zum Verweilen einladen. Nun, heute ist uns bei dem Nieselwetter nicht unbedingt nach längerem Verweilen, auch wenn eine Unterhaltung mit Jim McEwan immer eine faszinierende Erfahrung ist. Der ehemalige Master Distiller von Bruichladdich sprudelt über von Geschichten und Wissenswertem. So skizziert er ganz nebenbei auf einer Serviette wie das Malz für den Octomore zu seinem starken Phenolgehalt kommt. Auf das Thema Gartbreck Distillery kamen wir bei diesem Treffen übrigens nicht zu sprechen. Heute ist es ja gerade wieder sehr aktuell, damals kam es mir gar nicht in den Sinn, Jim McEwan danach zu fragen.

Nach dem Abschied von Jim geht für meinen Mann und mich zurück Richtung Bridgend. Wir schauen noch kurz im Ardnahoe Shop vorbei, den Hunter Laing zum Feis Ile in Islay House Square eröffnet hat und der hier bis zur Fertigstellung der Brennerei beheimatet sein wird. Neben den Whiskys und Gins des unabhängigen Abfüllers gibt es hier bereits einige Merchandise Artikel mit dem Ardnahoe Logo und Skizzen und Bilder zur geplanten Brennerei.

 

 

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