PUNI: Italien auf dem Weg zum eigenen Whisky

PUNI ist kein Fruchtsaft, auch wenn so mancher diesen Namen vielleicht zunächst einmal damit assoziiert. Nein, auch in diesem Beitrag geht es natürlich um Whisky – oder genauer gesagt um das, was einmal Whisky wird. Italienischer Whisky!

Zunächst einige Infos zur Brennerei

Seit Anfang 2012 kann man Italien zu den whiskyproduzierenden Ländern rechnen, denn in diesem Jahr lief der erste Brand aus Getreidemalz aus den Brennblasen der PUNI Brennerei in Glurns im Vinschgau. Sie ist die erste und (bisher) einzige Whiskybrennerei Italiens, wie die Betreiberfamilie Ebensperger stolz verkündet. Das Brennereigebäude ist ein eindrucksvoller Kubus, ummantelt von roten Ziegeln, wie auf der Webseite der Brennerei zu sehen ist.  Der Architekt Werner Tscholl zeichnet für das außergewöhnliche Design verantwortlich. Wer hätte vermutet, dass sich hinter diesen Wänden eine Whiskydestillerie verbirgt? Genaugenommen befindet sich die Brennerei auch nicht in diesem Kubus, sondern darunter, denn die Produktion findet im Kellerbereich. statt. Beim Entwurf des Gebäudes wurde nicht nur eine Produktionsstätte geplant, sondern nicht zuletzt auch eine „Whisky-Experience-Stätte“, die auf viele Besucher ausgerichtet ist.

Mit PUNI geht die Whisky-Sonne auf

Heute, zwei Jahre nach Destillationsstart, kann natürlich noch kein Whisky verkauft werden, doch wie die meisten jungen Brennereien heutzutage, die sich nicht über drei Jahre hinweg ohne Einnahmen finanzieren können, verkauft auch PUNI bereits ein sehr junges und glasklares Produkt aus dem Edelstahltank (PUNI Pure, 6 – 9 Monate alt) und ein kurz fassgelagertes Destillat (PUNI Alba, mindestens 12 Monate gelagerte Fässer werden verwendet). Wie Andrea Caminneci übrigens gestern mitteilte, übernimmt Wine&Spirit Partner den deutschen Vertrieb des PUNI Alba.

Meine Samples des Pure und Alba entstammen selbstimportierten Flaschen, die Freunde von einer Urlaubstour mitgebracht haben (danke Ursula und Jürgen!). Wer sich wundert, warum ein italienisches Produkt einen gälischen Namen trägt und Alba=Schottland heißt, dem sei verraten, dass Alba gleichzeitig auch italienisch ist für Morgendämmerung/Tagesanbruch/Sonnenaufgang. Das passende Motiv findet sich auch auf der Verpackung des PUNI. Das schottisch-italienische Wortspiel ist durchaus gewollt und soll auf die Verwendung schottischer Brenntradition in Kombination mit einem eigenen italiensichen Weg durch Verwendung regionaler Ausgangsprodukte hinweisen. Die Pot Stills wurden beispielsweise von Forsyths in Rothes speziell für PUNI gefertigt. Beim Malz hingegen setzt man auf Regionalität, zum Teil jedenfalls: Der verwendete Roggen ist einheimisch und wächst auf Feldern des Vinschgau. Neben Roggenmalz sind Gerstenmalz und Weizenmalz Bestandteil der Ausgangsmaische, was den Untertitel „Italian Triple Malt“ auf den Flaschenkartons erklärt. Zur Lagerung verwendet PUNI Ex-Bourbon-, Marsala- und Weinfässer, die dann nach dem Befüllen zum großen Teil in ehemaligen Militärbunkern ohne hohe Temperaturschwankungen heranreifen.

Und jetzt zum Flascheninhalt: Meine Tastingnotes

PUNI Pure:
Die Farbe ist klar. Glasklar. Woher sollte sie auch kommen? Frucht und nichts als Frucht in der Nase, begleitet von einem Hauch von Vanille, und dann auch im Mund wieder diese starke Fruchtigkeit. Ich tendiere zu Kirsche. Malzige Süße ist präsent. Ein leicht bitter Geschmack (Mandel? Marzipan?) und Erinnerungen an Brotrinde kommen auf, aber von Nachklang so gut wie keine Spur.
In den offiziellen Notes auf der PUNI-Seite ist die Rede von Birne, Apfel und Minze. Kann ich nicht unbedingt  nachvollziehen, wie geht es euch?

 

PUNI Alba:
Rotgoldene Farbe heißt es in den offiziellen Notes. Blasses Gold mit einem zarten Rotstich trifft es für mich eher. Dieses Batch stammt aus Marsala- und Blauburgunderfässern. Auch hier wieder meine Kirschen in der Nase, ich kann mir nicht helfen, ich hab da keine Birnen 🙂 . Ich schmecke Kirschen und Aprikose. Die Vanille ist ein wenig stärker als beim Pure. Und noch etwas anderes ist da. Ein Gewürz – Anis vielleicht? Getreidemalz. Außerdem ein leicht metallischer Geschmack. Obwohl er so jung ist, kommt er nicht außergewöhnlich sprittig rüber, hat der wirklich einen Alkoholgehalt von 43 Vol%? Aber es lässt sich nicht leugnen, dass der junge PUNI Alba noch weit davon entfernt ist, als ausgewogenes und aromatisches Produkt bezeichnet zu werden. Das kann er ja auch noch nicht sein, aber er ist auf einem guten Weg. Geben wir ihm Zeit. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut.

 

Hier gehts zur Homepage der PUNI Brennerei: http://puni.com/de

Und hier habe ich einen interessanten Beitrag aus der Feder von Jonas Ebensperger gefunden, einem der Söhne der Gründerfamilie: http://www.four-magazine.com/articles/427/four-gets-personal-with-puni

 

Bilder: Ursula

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