Besuch der Eden Mill Distillery

Eine Brauerei, die gleichzeitig auch Brennerei ist – oder umgekehrt. In Schottland gibt es das nur ein einziges Mal, wird uns auf der Besichtigungstour der Eden Mill Distillery & Brewery stolz erzählt. Es ist die dritte Brennerei in Fife, die mein Mann und ich im Juni 2016 besuchen. Von Daftmill und Kingsbarns habe ich euch ja bereits berichtet.

Von außen lässt sich nicht ahnen, was im Inneren des Fabrikgebäudes in Guardbridge in der Nähe von St. Andrews vor sich geht. Kein Kiln, kein repräsentatives Entrée, wie man es von einer schottischen Whiskybrennerei traditionell erwartet. Nein, einen Schönheitswettbewerb könnte Eden Mill vermutlich nicht gewinnen. Aber mit diesem Anwesen ist tatsächlich eine alte Brenntradition verknüpft.

William Haig hatte hier 1810 die Seggie Distillery gegründet, die 1860 wieder geschlossen wurde. 1873 erfolgte der Umbau in die Guardbridge Paper Company, die dem kleinen Ort zum Aufschwung verhalf und ihm zeitweise mehr als 600 Arbeitsplätze bescherte. Eine kleine Brauerei, die parallel noch auf dem Gelände betrieben wurde, hatte den Betrieb 1882 eingestellt. Erst 2008 wurde die Papiermühle geschlossen. Mit dem Einzug der Eden Mill Brewery&Distillery knüpfte das junge Unternehmen St. Andrews Brewers Limited unter Paul Miller 2012 an die Brau- und Brenntradition an. 

Im großräumigen Empfangsraum ist neben einem Shop auch eine einladende Bar und ein Tastingbereich untergebracht. Hier warten wir auf den Beginn unserer Tour und genießen in der Zwischenzeit eines der genialen Craft Biere, die in der Eden Brewery hergestellt werden. Besucher können je nach persönlichem Interesse übrigens wählen zwischen einer Brewery Tour, einer Gin Distillery und einer Whisky Distillery Tour. Zur Einstimmung auf unsere Whiskytour genießen wir passend ein Whisky Barrel Aged Beer. Sehr süffig, würzig und lecker.

Der Rundgang durch die Produktionsräume macht dann unmissverständlich deutlich: Hier ist „craft“ angesagt. Hier geht es nicht um industriell-sterile Fabrikation, hier sind Leute am Werk, die mal hier, mal da mit zupacken.  Der Boden unter den Tanks und Fässern mag schon einmal feucht sein und leeres Verpackungsmaterial wird nicht vor den Besuchern versteckt, sondern stapelt sich in der Ecke. Diese Brennerei ist in erster Linie Produktionsstätte und erster in zweiter Linie Besucherdestillerie.

Neben dem bereits international bekannten Eden Gin stellt Eden Mill seit 2014 auch Whisky her. Drei verschiedene Malzsorten werden getrennt gemaischt und in zwei Washbacks fermentiert (ca. 90 Stunden Gärzeit), getrennt destilliert und getrennt als New Spirit gesammelt: Golden Promise, Crystal und Chocolate Malt. Daraus entstehen in ausgetüftelter Kombination drei unterschiedliche Single-Malt-Whiskylinien. 

Gebrannt wird bei Eden Mill in Hoga Stills, kleinen Alambic-Brennblasen. Drei davon sind in Verwendung, 2 als Wash Still und eine als Spirit Stills, jede mit 1.000 l Volumen. Es sind andere Pot Stills, als man es gemeinhin in einer schottischen Whiskybrennerei erwartet. Aber in der Strathearn Distillery habe ich solche Alambics ebenfalls gesehen. Die jährliche Produktionsmenge an Alkohol liegt bei 80.000 Litern. Zu 95% benutzt Eden Mill zur Lagerung First Fill Ex-Bourbon und Virgin Oak Fässer. Man setzt auch stark auf kleine Fässer, die sogenannten Octaves.

Im Anschluss an die Führung durch die Produktion ist Tasting angesagt: Die Brennerei füllt alljährlich am Burns Day, St. Andrew’s Day und an Hogmany einen einjährigen Spirit Drink ab. Ich muss gestehen, dass ich meine Tasting Notes von damals nicht mehr finde. Ich habe sie sehr zitrusfruchtig in Erinnerung und kann auf jeden Fall bestätigen, dass ich einen deutlichen Unterschied zwischen den verschiedenen Malzlinien erlebt habe. Aber ihr müsst die Produkte von Eden Mill wohl einfach selbst probieren…. 🙂 .

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