Deerstalker Blended Malt Whisky – Highland und Peated Edition

Große Namen, gehypte Whiskys, Raritäten und Neuerscheinungen haben es auf Messen nicht schwer im Rampenlicht zu stehen. Sie werden an den Ständen bevorzugt platziert oder stehen sowieso schon auf der „Will ich mir unbedingt anschauen“- Liste. So hatte es die zweite Ausgabe der Arran Smugglers‘ Edition auch nicht schwer, meine Aufmerksamkeit zu erlangen, als ich auf der 089 Spirits in München neulich bei Michaela und Tim Tünnermann am Stand der Whiskybotschaft vorbeischaute (auf der Schokolade hatten die beiden den Arran allerdings nicht drapiert, das habe ich nur für das Bild getan…).

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Sie verdient durchaus Beachtung, diese Smugglers‘ High Seas Edition, das ergab ein persönlicher Test. Würzig, aromatisch. Man muss dem Whisky etwas Zeit geben im Glas und am besten ein paar Tropfen Wasser spendieren, dann geht er wunderbar auf am Gaumen. Über das Preis-Leistungsverhältnis legen wir aber lieber das Mäntelchen des Schweigens und wenden uns den Produkten zu, um die es mir heute eigentlich geht. „Kennst du schon die Deerstalker?“ fragte Tim und ich musste verneinen. Ich hatte wohl vor einigen Wochen über das Release einer neuen Abfüllung dieses unabhängigen Abfüllers gelesen, aber die Whiskys noch nicht probiert.

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Das Label Deerstalker gibt es bereits seit 1880. Die Büros des Gründers J.G.Thomson befanden sich übrigens in The Vaults, den Gebäuden, die heute das Zuhause der Scotch Malt Whisky Society sind. 1994 fand ein Besitzerwechsel statt und der Eigentümer heute ist die Deerstalker Whisky Company von Paul Aston. Wäre ich dieses Jahr auf der Aquavitae gewesen,  hätte ich die Chance gehabt ihn kennen zu lernen, wie ich jetzt nachträglich gelesen habe. Neben den 10 und 12jährigem Highland Single Malt Scotch Whisky Standardabfüllungen bietet das Unternehmen auch Einzelfassabfüllungen von Single Malt und Grain an. Seit letztem Jahr gehören auch schottische Blended Malts zu ihrem Portfolio.

Die beiden Deerstalker Blended Malts präsentierte mir Tim am Stand: Deerstalker Highland Edition und Deerstalker Peated Edition. Ein erster kurzer Kontakt verhieß Gutes, aber ein ausführliches Tasting war auf der Messe nicht  drin. So fanden zwei Samples den Weg zu mir nach Hause und die Deerstalker hatten nun endlich ihren Einsatz.

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Deerstalker Highland Edition
Blended Malt 43% vol
Aus Highland Single Malts, u.a. Braeval, Balmenach, Macduff

In der Nase zeigt sich der Malt erst ein wenig zurückhaltend, dann entwickeln sich fruchtige Aromen. Birne, Orange, vollreifer Apfel oder Apfelkompott. Ein wenig Vanille. Sehr weich in der Nase, kein bisschen störende alkoholische Noten. Am Gaumen dann ist der Deerstalker deutlich präsenter als in der Nase. Frucht auch hier: Orange, Grapefruit, Birne. Aber auch würzige Noten entwickeln sich wie Nelke und Muskat. Ingwer? Passt irgendwie zur Adventszeit.  Begleitend zeigen sich Vanille, Getreide und nussigen Aromen. Vom Mundgefühl her ist der Deerstalker Highland Edition sehr weich und fast cremig. Beim Nachklang denke ich erst „Der ist recht kurz“, aber dann wärmt er nochmal richtig nach.

Deerstalker Peated Edition
Blended Malt 43% vol
Single Malts aus den Highlands und von Islay

Der Torfrauch ist deutlich in der Nase, aber überfällt mich nicht. Kann Rauch weich riechen? Vanille liegt darunter und eine leichte Süße. Nur ein Hauch Zitrusfrucht. Die Eindrücke bestätigen sich am Gaumen. Ein deutlicher, aber nicht sehr starker Rauch. Ölig ein wenig, weich. Honig. Grapefruit. Kandierte Orangen. Im mittellangen Nachklang Röstaromen. Islay lässt grüßen, aber aus ein wenig Entfernung.

Und noch ein paar Schlussworte…

Blended Malts sind gerade irgendwie die Lieblinge der unabhängigen Abfüller und das durchaus zu Recht, wie sich hier wieder zeigt. Master Blender John MacDougall hat ein gutes Händchen bewiesen und Whiskys kreiert, die sich vor so manchem Single Malt überhaupt nicht verstecken brauchen. Geschmeidige All-Day-Drams (womit ich natürlich nicht zum täglichen Whiskykonsum aufrufen will), zu einem Preis wohl irgendwo bei Mitte bis Ende 30 Euro.

Für Freunde der whiskybiblischen Punkte sei noch ergänzt: Jim Murray hat den Deerstalker Highland Edition in seiner Whiskybible 2016 mit 94 Punkten bedacht.

Wer jetzt Interesse an den Deerstalkers hat und zu Googlen beginnt, dem sei geraten, nicht nur nach „Deerstalker“ zu suchen. Da werdet ihr mit Unmengen an Sherlock-Holmes-Kappen konfrontiert – der klassischen Kopfbedeckung der pirschenden Waidmänner, die namensgebend waren für dieses Label. Also besser gleich „Deerstalker Whisky“ eingeben….

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