Ardbeg Traigh Bhan im Glas oder: Rauchender Strand

Ardbeg stellt den neuen Traigh Bhan vor, einen 19 Jahre alten Single Malt, der als „Kleinserie“ jährlich neu gebatcht werden soll. Er soll im September 2019 erscheinen und von da an permanent die Range ergänzen. Wie groß die Batches sein werden, wurde (soviel ich weiß) nicht bekannt gegeben und so bleibt es wohl abzuwarten, ob es zwischendurch einmal Leerstand in den Regalen bis zum Erscheinen des nächsten Batches geben wird. Die jeweilige Batchnummer wird immer auf Verpackung und Flaschenlabel zu finden sein. Zusätzlich kündigt Moet Hennessy an, zu jedem Batch Informationen auf die Webseite Ardbeg.com zu stellen.

Der gälische Name wird sicher oft falsch ausgesprochen werden, deshalb liefert Moet Hennessy vorsorglich in der Pressemitteilung gleich einen Aussprachehinweis: „Träi Wan“. „Singing Sands / Singender Strand“ ist die Übersetzung von Traigh Bhan. Die Singing Sands, auf die sich Ardbeg hier bezieht, befinden sich im Süden Islays. Es ist ein Strand, dessen feiner, weißer Sand beim Wegrieseln unter den Füßen leise singen solle. Ich bin an diesem wunderschönen Ort schon ein paar Mal herumspaziert und habe leider nichts gehört, aber vermutlich bin ich einfach nur unmusikalisch. Oder der Wind pfiff sein Liedchen zu laut dagegen 😉. 

Wer nach Traigh Bhan googelt, wird übrigens feststellen, dass dieser Strand in der Nähe von Port Ellen nicht der einzige dieses Names ist, oben an der Südwestküste von Islay gibt es auch einen Traigh Bhan (auf der Seite Islay Info gibt es eine sehr schöne Karte mit allen Stränden von Islay) und auch auf Iona ist mir der Name schon begegnet. Aber das tut hier nichts zur Sache …

Die Verbindung von den Singing Sands zum Ardbeg Traigh Bhan schafft die Brennerei durch die Beschreibung ähnlicher Charakterzügen: So verlockend der weiße Strand auf den ersten Blick sei, so tückisch zeige er sich durch das zerklüftete Vulkangestein im scheinbar ruhigen Wasser. Und so verführerisch mild der Ardbeg Traigh Bhan an der Nase sei, so würden jäh raue Geschmacksnoten die Oberfläche durchbrechen.

Ein Vorab-Sample dieses ersten Ardbeg Traigh Bhan Batches kam auch zu mir und so konnte ich mir selbst ein Bild vom singenden Ardbeg machen.

Meine Tastingnotes zum Ardbeg Traigh Bhan

Farbe: Helles Gold

In der Nase: Kaum habe ich den Whisky eingeschenkt, breitet sich der Rauchgeruch aus. Wenn er sichtbar wäre, dann würden wohl wallende Nebelwaden sanft herauswabern (ich liebe Stabreime) und das Zimmer langsam in milchigen Schein hüllen. Mein Mann sitzt einen Meter entfernt und meint nur: „Uiiih“. Es ist kein Geruch von kokelndem Feuer, nicht so, als wenn du am Lagerfeuer sitzt und deine Kleidung sich gerade vollsaugt mit fetten, schweren Raucharomen. Es duftet eher nach dem „Tag danach“, wenn das Feuer erloschen ist und sanfter Nieselregen auf die Asche tröpfelt. Mild und sanft ist er in der Nase, als wäre kaum Alkohol im Glas. Unter dem rauchigen Hauch liegen fruchtige Noten. Tropisch süß. Pink Grapefruit und Ananas. Sahnetoffee schmeichelt der Nase.

Am Gaumen: Habe ich von mild und sanft gesprochen? Der erste Eindruck im Mund: Wow. Kräftig. Der geht auf und strahlt Wärme aus. Dicker Torfrauch im Mund, Leder. Leicht salzige Schokoladentrüffel, die mit dunklem Kakao gepudert sind. Wenig Frucht, etwas Bitterorangenaroma schwingt mit. Kandierte Bitterorange. Die kräftige Woge schwächt sich schon bald ab, zurück bleibt der Rauch. Bleibt ein Hauch von Eiche. Wir sind wieder bei mild und sanft, denn bei aller Rauchpower bleibt der Whisky weich und gefällig. Der Mund wird trocken und trockener. Das Finish ist so lang, dass ich den Rauch wohl morgen noch am Gaumen haften habe.

Mein Fazit: Wer Ardbeg-Rauch mag, wird an diesem Traigh Bhan seine Freude haben. Aber erwartet aufgrund der Angabe „Ex-Bourbon und Oloroso Sherryfässer“ keinen sherrylastigen Whisky, das ist dieser neue 19-Jährige sicher nicht, fruchtige und würzige Aromen halten sich zurück. Er ist ein rauchiger Schmeichler, ein idealer „letzter Dram des Abends“.

Nachgedanken

Kaum waren die ersten Meldungen zum Traigh Bhan erschienen, gingen die Preisdiskussionen los. „Worüber sollen sie denn sonst diskutieren“, meinte ein Freund auf mein Seufzen hin, zum Diskutieren über den Geschmack hätten sie ja noch keine Grundlage. Stimmt, aber die habe ich jetzt. 199 Euro UVP – kann sich der eine leisten, der andere nicht. Ob man sich den leisten will, steht auf einem anderen Blatt. Wer Ardbeg Whisky liebt, wird sicher nicht lange überlegen, denn da passt der Preis in die Range. Wenn ich den Vergleich zu anderen Whiskys dieser Altersstufe ziehe, gibt es große Unterschiede. Ich habe vor einigen Tagen einen 30-jährigen Fettercairn gekauft. Einzelfassabfüllung in Fassstärke für rund 150 Euro. Andererseits trau ich mich gar nicht nachzuschauen, wo der Hibiki 17 Jahre gerade liegt. Bekommt man den noch unter 400 Euro? Alter und Preis in Relation zu stellen ist müßig, in die Preisbildung spielen so viele andere Faktoren hinein. Ebenso wenig kann man Alter und Geschmack ganz allgemein linear in Verbindung bringen. Letztendlich geht es immer um eine persönliche Entscheidung und jeder muss sich die Frage stellen: Ist er MIR das wert? Von mir als Ardbeg-Fan käme bei diesem Traigh Bhan ein Ja.

Vielen Dank an Tobias von Moet Hennessy Deutschland für das unverbindliche Zusenden des Samples.

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