Ardbeg Drum Committee Release: Meine Tastingnotes und etwas Karnevalgeplänkel

Mitten in die Faschings- und Karnevalszeit hinein kommen die Vorankündigungen für den nächsten Ardbeg Day am 1. Juni 2019 und die dazugehörige Abfüllung, den Ardbeg Drum. Am 6. März erscheint – wie jedes Jahr üblich – ein hochprozentigeres Committee Release, das den Mitgliedern des Clubs vorbehalten ist (dem aber jeder kostenfrei beitreten kann). Ardbeg Drum ist kein Tippfehler, das sollte nicht Dram heißen – der neue Ardbeg hat ein Rumfass-Finish genossen, daher wohl dieses kleine Wortspiel.

Wenn man sich das Motto und die Marketingtexte zum Ardbeg Day 2019 anschaut, dann passt der gewählte Termin für die Veröffentlichungen jetzt zeitlich, denn vom Karibischen Karneval auf Islay ist die Rede. Der Ardbeg Day ist doch aber erst Anfang Juni – da von Karnevalstradition auf Islay zu sprechen, die man wiederaufleben lassen will, ist das dann nicht etwas konstruiert? Islay und dekorierte Karnevalswagen – das ist doch nur eine Marketingidee, dachte ich, als ich zum ersten Mal davon las. Google führt mich bei der Suche mit diesen beiden Begriffen aber tatsächlich auf eine Seite, die bunt geschmückte Karnevalswagen erwähnt: Es ist die des Whiskyfestivals auf Islay, des Feis Ile, das 1984 als Gaelic Drama Festival ins Leben gerufen wurde, wie wir auf dieser Seite erfahren. Erst im Jahr 2000 kamen die Open Days der Whiskybrennereien dazu.

“The early days of the Festival were very exciting with Communities competing for the Best Dressed Village to the culminating Carnival Day. Decorated floats, stalls and entertainment. Two weeks were filled with music, drama, workshops, talks, walks, Ceilidhs, Concerts and Dances in the evening. There was even a Carnival Queen from each Parish Kildalton, Kilarrow and Kilmeny & the Rhinns. ” (https://www.islayfestival.com/about/)

Der Karneval, auf den Ardbeg mit seinem diesjährigen Motto Bezug nimmt, hat aber weder keltische Färbung (wie auch immer die aussehen könnte), noch alemannische oder rheinländische, sondern nimmt Bezug auf den von Rumba und Rum geprägten karibischen Karneval. Und unter diesem Aspekt ist dann die Marketing-Idee, bei der diesjährigen Abfüllung zum Ardbeg Day auf ein Rumfass-Finish zu setzen, passend und nachvollziehbar.

Da wären wir nach etwas Vorgeplänkel dann also endlich beim Ardbeg Drum und um den soll es ja eigentlich gehen. Die Vorabsamples von Ardbeg haben zwar noch keine ganz so lange Vergangenheit wie der Karneval, sind aber mittlerweile auch schon zur liebgewonnenen Tradition geworden. Vielen Dank dafür an Tobias Russ von Moet Hennessy Deutschland.
Der Ardbeg Drum wird ohne Altersangabe herausgegeben. Er lagerte in ehemaligen Bourbon- und Rum-Fässern aus Amerika, erfahren wir. Wie lange der Rumfasseinfluss war erfahren wir ebensowenig wie Details zu den verwendeten Rumfässern.

Widmen wir uns dem Whisky: Ins Glas mit dem Ardbeg Drum

Im Glas zeigt sich der neue Ardbeg recht hell. „Dunkles Gold“ heißt es in den offiziellen Tastingnotes, für mich wäre es allenfalls ein helles Gold, schon eher ein Strohgelb – meine Bilder geben die Farbe nicht unbedingt gut wieder – doch das ist nicht wirklich wichtig.

In der Nase: Mir begegnet ein guter, alter Bekannter namens Ardbeg. Der Charakter ist unverkennbar. Da ist der mineralische, aschige Rauch, eine schmeichelnde Cremigkeit, ein Hauch von Vanille und Salz. Darunter eine reizvolle Würzigkeit. Fruchtnoten? Ja, schwingen leicht mit. Aber schwer, sie zu benennen. Grapefruit? Auch die Süße zeigt sich nur ganz im Hintergrund. Etwas Frisches huscht vorbei – Menthol? Nadelwald. Die Nase ist insgesamt rund und gefällig. Ich schaue noch einmal auf die Alkoholangabe – wirklich 52% vol?

Am Gaumen: Auch hier ein vertrautes Ardbeg-Gefühl von Asphalt und Asche, von mundfüllendem teerigem Rauch, cremig-schmeichelnd. Ich ahne Lakritze, Anis. Ein Hauch Blumigkeit ist kurz da. Die würzigen Noten sind stärker als die fruchtigen, die auch am Gaumen eher im Hintergrund bleiben. Ich müsste phantasieren, um sie beschreiben zu können, sie gehen nicht so stark ins helle Zitrusfruchtige, das ich oft bei Ardbegs finde. Wenn ich gezwungen wäre, mich festzulegen, wäre ich vermutlich bei vollreifer Pink Grapefruit.

Nachklang: Rauch und Asche bleiben, der Gaumen ist trocken, es zeigen sich Röstnoten, die man vielleicht in Richtung Espresso ansiedeln kann.

Mein Fazit: Ich habe einen richtig schönen Ardbeg vor mir, vollmundig, rund, rauchig, lecker. Aber es ist nicht das, was ich erwartet habe. Den würzigen, harzigen und teerig-rauchigen Charakter, der verheißen wird, finde ich wieder. Der Begriff Rumfass-Finish weckt allerdings Assoziationen in mir wie süß, exotische Früchte, Ananas, Banane, Kokos. Dann sind einfach nur meine Assoziationen falsch, kann man einwenden, aber diese Aromen werden auch in den offiziellen Notes angesprochen. Ich kann sie nicht finden im Ardbeg Drum. Das schmälert aber nicht mein Gesamturteil „leckerer Feierabenddram“. Und wenn ich mehr Karibik im Glas will, greife ich einfach ins Regal nebenan, in dem der Rum steht.


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