Ein Besuch der Penderyn Distillery, Teil 1

In der walisischen Penderyn Distillery produziert die Welsh Whisky Company seit September 2000 Whisky. Seit 2004 ist ihr Single Malt auf dem Markt und mittlerweile hat sich das Label Penderyn international etabliert. Ich hatte die Brennerei vor einigen Jahren schon einmal besucht, doch seither hat sich einiges getan: Penderyn hat 2013/2014 wesentliche Erweiterungen durchgeführt und zusätzliches Equipment installiert. Zeit also, wieder einmal vorbeizuschauen. Nicola Schramm, Brand-Ambassador von Penderyn, hatte ich letztes Jahr auf einer Messe in Deutschland kennengelernt und ich freute mich, dass sie Anfang Oktober dieses Jahres Zeit hatte für eine Führung durch „ihre“ Brennerei.

Wer die Brennerei im Städtchen Penderyn, am Rande des Nationalparks Brecon Beacons gelegen, besuchen will, braucht sie nicht lange zu suchen. Sie liegt direkt an der Durchgangsstraße. Nach Gebäuden mit mächtigen Steinmauern oder weiß getünchten Lagerhäusern braucht man allerdings nicht Ausschau zu halten, sondern nach einem mit schwarzem Holz verkleideten flachen Bau, fast einer riesigen Scheune ähnlich. Aber eine kleine Pagode auf dem Dach verrät, worum es sich hier handelt und meist sind auch einige Fässer neben dem Gebäude aufgestapelt.

1998 startete die Welsh Whisky Company, gegründet von vier Privatpersonen, das Unternehmen „erste Whiskybrennerei in Wales seit 100 Jahren“. Im nordwalisischen Frongoch hatte von 1898 bis 1900 bereits einmal eine Whiskybrennerei gearbeitet und eine Flasche des „Royal Welsh Whisky“ präsentiert Penderyn stolz im Visitor Center. Die zweite andere noch erhaltene Flasche befindet sich im Besitz des Prince of Wales. Im Jahr 2000 lief der erste New Spirit aus der Brennblase von Penderyn und 2004 kam der erste Penderyn Single Malt auf den Markt.

In den ersten Jahren führte Penderyn dass Maischen und Fermentieren nicht selbst hier in der Brennerei durch, sondern überließ diese ersten Produktionsschritte der Brains Brewery in Cardiff. Im Juni 2014 installierte Penderyn dann eine 6.000 Liter Mash Tun, die 1,5 Tonnen Malz in einem Batch einmaischt. Das gesamte Wasser, das Penderyn zum Produzieren, Kühlen und später auch zum Herabsetzen des Whiskys vor dem Abfüllen in Flaschen benutzt, wird aus 160 Fuß Tiefe hier auf dem Gelände hochgepumt. Es sickerte zuvor durch den Basalt- und Kalkstein der Breacon Beacons, ist weich und hervorragend für die Whiskyproduktion geeignet. Alle zwei bis drei Wochen wird Malz von der Ostküste Englands angeliefert. Zeitgleich mit der Mash Tun wurden auch die nötige Getreidemühle und sechs Gärtanks aus Edelstahl installiert. Penderyn verwendet zwei Hefestämme und fermentiert für etwa 3 Tage. 

Hauptdarsteller im Produktionsraum sind aber unzweifelhaft die beiden besonderen, eigens für Penderyn entwickelten Faraday-Brennblasen, benannt nach ihrem Entwickler David Faraday (Wer jetzt meint, der Name käme ihm irgendwie bekannt vor, der denkt vermutlich an den Physikunterricht zurück, in dem ihm vom Faradayschen Käfig des Michael Faraday erzählt wurde – ein Vorfahre des Penderyn-Davids).

Zunächst lief eine dieser Brennblasen bei Penderyn, bis 2013 eine weitere, baugleiche installiert wurde. Diese Potstills mit ergänzten Kolonnen, durch die jeweils 24 Siebböden nach Bedarf zugeschaltet werden können, arbeiten sehr energieeffizient und erzeugen einen 92%igen Alkohol. „2.500 Liter Wash bringen uns hier 220 Liter Alkohol“, erklärte Nicola. Der ist äußerst rein und auch ohne Kühlfiltrierung besteht bei Penderyn Whiskys deshalb keine Gefahr der Eintrübung. 

 

Auch ein „herkömmliches“ Paar Brennblasen von Forsyths, wie wir es von schottischen Brennereien kennen, steht seit 2014 bei Penderyn und auch mit ihnen wird fleißig gebrannt und noch immer viel experimentiert. Welchen Single-Malt-Stil Penderyn mit ihnen einmal präsentieren will, das wird noch nicht verraten. Alles, was bisher von Penderyn auf dem Markt ist, entstammt den Faraday-Brennblasen und hat ein sehr feines, leichtes und fruchtiges Aroma. 

 

Gearbeitet wird bei Penderyn rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. 8 Stillmen sind hier beschäftigt, meint Nicola, insgesamt arbeiten rund 60 Mitarbeiter in der Brennerei. Betrug die Produktionsmenge vor der 1-Million-Pfund-Investition 2013/2014 noch 90.000 Liter im Jahr, so sind es jetzt 300.000 Liter.

Was aus diesen 300.000 Litern dann wird, wo die Fässer gelagert werden und von welchen Whiskys ich beim Tasting bei Penderyn begeistert war, erzähle ich dann morgen im zweiten Teil meines kleinen Berichts

Hier sind zunächst einmal weitere ergänzende Bilder von meinem Besuch bei Penderyn:

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