Ardbeg Kelpie Committee Release – Vorbote des nächsten Ardbeg Day im Glas

Ardbeg Kelpie heißt der diesjährige Ardbeg-Day-Whisky. Und wie es nette Sitte ist bringt Moet Hennessy einige Wochen vor dem Erscheinen dieser Festivalabfüllung eine höherprozentige Committee Edition heraus. Mit 51,7% vol statt mit den 46% vol der Festivalabfüllung präsentiert sich dieser Ardbeg Kelpie Committee Release, von dem ich ein Vorab-Sample erhalten habe.

Als ich das erste Mal den Namen „Ardbeg Kelpie“ hörte, hatte ich sofort etwas anderes vor Augen als Whisky oder Islay. Ich denke bei „Kelpie“ an diese wunderbare Installation, die seit ein paar Jahren in der Nähe von Falkirk zu bewundern ist. Die beiden 30 Meter hohen Kelpie-Köpfe sind sehr ausdrucksstark und beeindruckend. Vielleicht habt ihr sie auch schon gesehen, denn sie stehen weithin sichtbar direkt an der M9. 

Kelpies sind mythologische Wassergeister. Sie zeigen sich manchmal als bezauberndes Mädchen, meist aber in Pferdegestalt. Es heißt, wenn ein Kelpie aus einem Fluss herauskommen und in Pferdegestalt am Ufer grast, dann verlockt es so manchen Wanderer, auf den Pferderücken zu steigen und sich ans andere Ufer tragen zu lassen. Doch das Kelpie reißt ihn mit sich ins Wasser hinein, wo es ihn frisst….
Ich weiß, das hat jetzt nicht unbedingt etwas mit unserem Ardbeg Kelpie zu tun. Ich überlege mir allerdings schon die ganze Zeit, wieso die Abfüllung diesen Namen bekommen hat.  

Frische Eichenfässer aus dem Kaukasus

Von den verwendeten Fässern hat der Ardbeg Kelpie seinen Namen wohl nicht. Die sind laut Pressemitteilung aus kaukasischem Eichenholz gefertigt. „Sein Herz reifte erstmals in neuen Eichenfässern, die von der Schwarzmeerregion der nordkaukasischen Republik Adygea stammen.“ Und da wäre dann das nächste Rätsel – Was heißt „sein Herz“? Waren es also nicht ausschließlich diese Art Fässer?
Die offizielle Begründung für die Wahl des Namens ist eher schlicht: „Als Hommage an das Meer, das die Brennerei umgibt, wird der 3. Juni 2017 ganz im Zeichen des Meeresgrundes und seiner Fabelwesen stehen und mit einer eigenen limitierten Abfüllung gefeiert: Der Ardbeg Kelpie“.

Lösen wir uns also einfach von Namen, Storytelling und Pressemitteilung und wenden uns dem Objekt der Begierde zu: Dem Ardbeg Kelpie Sample.

Meine Tastingnotes Ardbeg Kelpie Committee Release

Farbe: helles Gold

Aroma: Rauchnoten, salziger Schinken, darunter würzige Noten, Holz….frisch entfernte Holzrinde; wie ein Spaziergang durch einen Nadelwald.

Geschmack: Am Gaumen kommt der Rauch noch stärker als in der Nase. Kalte Asche reicht bis in den Rachen hinunter. Richtig teerig und schwer. Röstaromen treten hervor. Bitterschokolade ist dominant. Würzige Aromen machen sich breit. Muskat und Nelke. Intensive Eiche. Das Mundgefühl ist weich und ölig, wechselt dann in ein fast klebriges Gefühl. Der Teer haftet am Gaumen. Auf der anderen Seite sind die Lippen trocken. Ein zweigesichtiger Wassergeist.

Finish: Ich vermute, morgen nach dem Aufstehen wird mich der Kelpie mit einem lächelnden „Ich bin immer noch da“ begrüßen. Der Teer klebt dermaßen auf der Zunge und am Gaumen.

Ein Freund fragte vorhin: „Und – was sagst du zum Kelpie?“ und ich entgegnete: „Moment – ich such noch den Ardbeg“…

Hier habe ich keine Zitrusaromen gefunden und keine duftige Vanille. Dies ist kein Ardbeg, wie er in der letzten Zeit in den Standardabfüllungen mit süßer Fruchtigkeit, viel Vanille und darüber schwebendem Torfrauch daherkam. Er ist auch deutlich anders als der Ardbeg Cove vom letzten Jahr, der sehr fruchtig war. Hier ist viel mehr Würzigkeit, ist viel Holz und hier ist ein frisch geteerter Weg. Aber auf dem Holzweg ist man mit dem Ardbeg Kelpie ganz sicher nicht, wenn man sich nach dem Good Old Style der komplexen, ausdauernden Aromen zurücksehnt.

Also ruft mich dann am besten übermorgen nicht an um 10 Uhr – ich muss mich um den Nachschlag kümmern 🙂 .

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