Mit Martine Donnay bei Glann ar Mor

In L’Armor Pleubian treffen mein Mann und ich Martine Donnay. Hier befinden sich das Besucherzentrum von Glann ar Mor und der Shop, in dem die Celtic Whisky Compagnie ihren Whisky verkauft, hier ist ihr großes Fasslager und die Verwaltung des Unternehmens und hier hat auch Martine ihr Büro. Sie begrüßt uns herzlich und breitet einladend die Arme aus: “Was wollt ihr trinken? Welchen Dram darf ich euch einschenken?“ Nun, es ist 10 Uhr vormittags und es wird wohl wieder ein sehr heißer Tag. So verzichten wir wehmütig. Ganz lässt Martine das nicht gelten, füllt uns verheißungsvolle Samples ab für zuhause. Dann starten wir unsere Fahrt in die Brennerei, die normalerweise nicht für Besucher geöffnet ist. Sie befindet sich wenige Kilometer weiter auf der Spitze der Landzunge.

Glann Shop1Glann Shop2

Die Sache mit dem Whisky Breton

Diese Verabredung mit Martine Donnay während unseres Urlaubs in der Bretagne hatte ich schon vor Monaten getroffen, lange bevor das Thema „bretonischer Whisky“ so aktuell wurde. Damals hätte ich mir nicht träumen lassen, dass dieser Besuch die letzte Möglichkeit sein könnte, die Brennerei Glann ar Mor zu besichtigen. Seit ein paar Tagen aber ist es offiziell: Jean und Martine Donnay schließen ihre Brennerei am 15. August 2015. Ein Whisky aus der Bretagne, der nicht sagen darf, dass er aus der Bretagne kommt, hat keine Zukunft, meint Jean und zieht mit der Schließung die für ihn einzig mögliche Konsequenz aus den demnächst geltenden Regularien des Institut National de l’Origine et de la Qualité (INAO). Es geht dabei um die geschützte Herkunftsbezeichnung Whisky Breton (Whisky de Bretagne).

Mark Gillespie hat kürzlich auf whiskycast.com ein Interview mit Jean Donnay veröffentlicht, in dem es um die Hintergründe der geplanten Schließung geht. Darin erfahren wir: Ursprünglich war es Jean Donnay, der sich seit 2009 mit drei anderen regionalen Brennern zusammen für die Bezeichnung „Whisky de Bretagne“ stark machte. Anfang 2012 kam es zum Bruch, als Glann ar Mor und zwei andere Brennereien in einer geschützten Herkunftsbezeichnung mehr Nachteile als Vorteile sahen. Doch die „l’Indication géographique protégée“ (IGP) wurde im Januar beschlossen und mit der Absegnung durch die Europäische Union ist Anfang 2016 zu rechnen. Jean Donnay macht der INAO den Vorwurf, mit den formulierten Regeln die kleinen, handwerklichen Brennereien zu benachteiligen und große zu bevorteilen.
Das Gestatten des Färbens ist für Donnay ebenso wie das mögliche Heruntersetzen auf 40% ein Zugeständnis an den Verkauf über Supermärkte. Nur Pot Stills seien noch zugelassen, keine Alambic Stills mehr. Und von seinem in den letzten Jahren mit viel Liebe und Zeit entwickelten Single Malt aus Rye müsste er sich verabschieden, da für Single Malt nur noch Malt aus Gerste zugelassen wäre.
Die Alternative Weitermachen und auf die Herkunftsbezeichnung „Whisky de Bretagne“ / „Whisky Breton“ einfach verzichten, würde bedeuten, dass auf Labels und Verpackungen außer der Adresse der Brennerei nichts auf die Bretagne hindeuten dürfe. Keine Skizze der Landschaft, keine Karte, kein Hinweis auf die Herkunft. Nicht vorstellbar für Jean Donnay.

Jean Donnay ist während unseres Besuches gerade in Großbritannien unterwegs, ihn treffen wir leider nicht. Doch Martine bestätigt, dass die Entscheidung zur Schließung von Glann ar Mor endgültig ist. Sie ist ihnen nicht leicht gefallen, aber Jean ist ein Visionär, sagt sie. Er hat Ideen, die er umsetzen möchte. Er kann und er will mit den Regularien dieser IGP als Whiskybrenner hier in der Bretagne nicht arbeiten. Er sieht aber ohne regionalen Bezug für seinen Glann ar Mor und Kornog keine Zukunft auf dem Markt.

Eine Whiskybrennerei am traumhaften Ende der Welt

Und dann zeigt uns Martine, was die beiden jetzt nach 18 Jahren intensiver Arbeit schweren Herzens aufgeben wollen: Wir erreichen irgendwo am Ende der Welt ein Grundstück direkt am Meer, auf dem das Gebäude steht, das nicht nur die Brennerei, sondern auch das Zuhause der Familie Donnay beherbergt. Was für eine traumhafte Lage! Die Brennerei selbst ist in einem einzigen Raum untergebracht. Die direkt befeuerten Stills sind die Schätze darinnen. Jean hatte sie einst selbst entworfen und nach seinen Plänen anfertigen lassen. Ein kleines angegliedertes Lagerhaus hat Platz für 200 Fässer, weitere 1200 fasst das große Lager in Pleubian.

Glann wormtubs1 Glann wormtubs2Glann mashtun2 Glann stills Glann Spiritsafe Glann warehouse1 Glann warehouse2 Glann warehouse3Wir gehen um das Haus herum. Dort befindet sich der 45 Meter tiefe Brunnen, aus dem das Wasser für die Brennerei kommt. Wir genießen die Aussicht, die Jean Donnay von seinem Büro aus hat und die sich dort auch vom Wohnzimmer aus der Familie bietet. Gibt man so etwas leichtfertig auf, weil man vielleicht nicht ein paar Kompromisse eingehen möchte?
Martine kann und mag noch nicht sagen, wie es weiter gehen wird. Aber sie müssen sich bald entscheiden, meint sie, die Weichen müssen gestellt werden. Sicher, da ist auch Gartbreck, diese Brennerei auf Islay liegt ihnen auch am Herzen. Glann ar Mor und Gartbreck sind aber zwei Dinge, die unabhängig voneinander zu betrachten seien. Vielleicht machen sie irgendwo anders in Frankreich noch eine neue Brennerei auf? Vielleicht in einem anderen Land? Wir werden sehen. Zu wünschen ist den beiden Idealisten (und ich gebrauche dieses Wort durchaus in positivem Sinne), dass Sie bald einen guten Weg für sich und ihren Whisky finden.

Glann haus

UPDATE: GLANN AR MOR SCHLIESST DOCH NICHT!
Am 29. Juli gab es eine überraschende Wende: Jean Donnay, der seine Glann ar Mor Destillerie zum 15. August schließen wollte, revidiert diese Entscheidung. Grund sei, dass die INAO signalisiert habe, es gäbe Modifizierungsspielraum für die Regularien für den Whisky Breton. Die Erklärung von Jean Donnay (nach dem französischen Originaltext kommt auch eine englische Übersetzung) könnt ihr unter diesem Link als pdf von der Glann ar Mor – Homepage downloaden:
Edit: Sorry, der Link funktioniert nicht mehr.

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