Annandale Distillery: Dornröschen ist fast erwacht

Nicht viele Single Malt Destillerien sind in den Lowlands erhalten geblieben. Glenkinchie, Auchentoshan und Bladnoch kommen einem in den Sinn. Doch die Zahl geht wieder nach oben: Seit Dezember 2005 produziert die kleine Farmdestillerie Daftmill in Cupar im Herzen von Fife ihren Whisky und das Unternehmen William Grant & Sons eröffnete 2007 Ailsa Bay in der Nähe seiner Graindestillerie in Girvan. Nun steht eine weitere Destillerie in den Lowlands kurz davor, die Brennblasen anzuwerfen: Annandale Distillery in Dumfrieshire, unweit der englischen Grenze zwischen Gretna und Dumfries. Des Titels „südlichste Destillerie Schottlands“ kann sie sich damit wohl gewiss sein.

Nein, es ist keine neue Destillerie, die hier entsteht – und irgendwie doch. 1830 erbaute George Donald die Brennerei Annandale und produzierte mit seinem Sohn rund fünfzig Jahre lang Single Malt Whisky. 1893 gelangte Annandale in den Besitz von Johnnie Walker und war damit nach Cardhu die zweite eigene Brennerei des Blenders. Doch 1919 wurde der Betrieb eingestellt, 1921 kam das endgültige Aus. Mittlerweile waren auch sämtliche Gerätschaften und Maschinen ausgebaut worden und anderweitig im Einsatz. Es folgte die Farm-Phase von Annandale: Die Familie Robertson bewirtschaftete die Felder, stellte hier berühmte Porridgeflocken her und gab den alten Brennereigebäuden und Lagerhallen neue Funktionen.

Im April 2007 bekam Annandale dann aber eine neue Chance: David Thomson und Teresa Church erwarben das Gelände als Annandale Distillery Company Ltd. und begannen damit, die schlafende Whiskybraut zu erwecken. Die Renovierung und der Wiederaufbau waren nicht leicht. Vieles war einsturzgefährdet, das Still House sowieso schon vor längerer Zeit eingefallen. Unten ist in einigen Bildern das „Vorher – Nachher“ gegenübergestellt (thanks to David Thomson for providing me).

Da Annandale Distillery sowohl bei Historic Scotland als auch lokal beim Dumfries & Galloway Council als schützenswertes Objekt gelistet wird, müssen offizielle Stellen vor jedem geplanten Schritt befragt und in die Planungen einbezogen werden. Doch auch Vorteile brachte diese offizielle Verquickung: Die Regierung unterstützte das Projekt (BBC zufolge) mit 160.000 Pfund.

Der Single Malt Whisky, der in Annandale einst hergestellt wurde, war traditionell getorft. Deshalb wollen Thomson und Church ihre Produktion auch mit getorftem Malz beginnen. Doch bei der Ausrüstung der Brennerei wird jetzt bereits darauf geachtet, dass parallel auch ein zweiter ungetorfter Whisky erzeugt werden kann. Für die Entwicklung des „Whiskyrezeptes“ zeichnet Dr. Jim Swan mitverantwortlich und als Distillery Manager konnte Malcolm Rennie gewonnen werden, der ja bereits in der Kilchoman Distillery seine Fähigkeiten in Bezug auf den Neuaufbau einer Brennerei unter Beweis gestellt hat.

Doch man will nicht nur traditionelle Pfade beschreiten und die alte Bausubstanz erhalten und restaurieren, sondern auch moderne Gesichtspunkte mit einbeziehen. Beim Projekt der Napier University von Edinburgh zur Herstellung von Biosprit aus Produktionsrückständen war Annandale die Destillerie, auf die das Forscherteam die Studie zuschnitt und mit der es eng zusammenarbeitete.

Auf der liebevoll gestalteten Website von Annandale können die Baufortschritte im Rebuiling Diary detailliert verfolgen werden. Dort sind auch bereits Bilder von Mashtun und Stills zu sehen, die von Forsythy’s fertig gestellt wurden. Anfang 2013, so hofft man, wird die Anlage produktionsbereit sein. Wir dürfen also gespannt sein! (edit: Sorry, seitdem die Webseite überarbeitet wurde, fehlen diese Infos zur Historie)

Annandale März 2007 – Juni 2012
Annandale Maltings März 2007 – Juni 2012
Annandale Warehouses März 2007 – Juni 2012

Bilder: David Thomson, ADL

 

5 Kommentare
  1. Hi there,

    Des Titels „südlichste Destillerie Schottlands“ kann sie sich damit wohl gewiss sein.

    Nee, kann sie nicht. Der bleibt bei Bladnoch.

    Greetings
    kallaskander

    1. Oh, da hast du mich ja voll erwischt….Räumliche Orientierung und Frauen und so…
      Natürlich hast du recht, ich habs grad mal auf der Karte angeschaut, Bladnoch liegt ein paar Kilometer (nee, sind ja hier Meilen) südlicher. Man vergisst leicht, dass der „Zipfel“ da im Westen wieder runter geht 🙂
      Wenn Raymond aber nicht bald mal wieder zur Tat schreitet, könnte wohl der Titel „südlichste aktive Destillerie“ auf Annandale zutreffen.

      1. Hi there,

        als ich im Oktober 2012 bei Bladnoch war, hat man uns erzählt, sie hätte Diageo die Erlaubnis abgerungen, die 100.000 Liter pro Jahr Beschränkung fallen zu lassen und wieder voll in Produktion zu gehen.
        Sie haben jetzt ein anderes kurioses Probelem: kein Platz!

        Um die 100.000 ltr. zu machen, mußten sie nur 2-3 Wochen destillieren, aber der Schornstein muß auch in den anderen 49 Wochen rauchen. Daher haben sie ihre Lagerhäuser vermietet. Wir waren nur in einem drin bei der Führung – aber ich glaube ich habe da Fässer von mindestens 20 verschiedenen Destillerien liegen sehen.

        Kennst Du das schon?

        http://www.heraldscotland.com/business/markets-economy/trio-of-distillery-launches-planned-for-2013-x.19727838

        Greetings
        kallaskander

        1. Ja, in den Lagerhäusern von Bladnoch sieht es bunt aus, wir waren auch letztes Jahr wieder mal dort. Außerdem etabliert sich Martin ja als Broker und kauft auch viel fremd ein. Wäre halt nur schön, wenn es keine langen Lücken in den Jahrgängen vom Bladnoch gäbe, sondern immer mal wieder zwischendurch gebrannt würde. Muss ja keine ausgelastete Produktion sein.

          Vielen Dank für den Link. Nein, den Artikel hatte ich noch nicht gesehen.
          In Ardnamurchan kommen wir dieses Jahr sowieso vorbei, eine Freundin wohnt da in der Gegend. Mal schauen, ob man im Juni schon viel sieht 🙂

Kommentare sind geschlossen.