Red Spot, Yellow Spot, Green Spot – Ampeltasting!

Er ist wieder da: Das Revival des Red Spot wurde vor kurzem überall bejubelt. Für 50 Jahre war er von der Bildfläche verschwunden, jetzt haben Irish Distillers, zu Pernod Ricard gehörig, den Whiskey neu aufgelegt. Bisher er ist nur in Irland erschienen und die ersten Vorab-Flaschen tauchten just dann am Flughafen auf, als Bernhard Rems auf der Rückreise von einem Irland-Trip war. Auf mein ganz liebes Bitten hin hat er mir eine Flasche mitgebracht – vielen Dank nochmal fürs Schleppen und anschließendes Zusenden, lieber Bernhard.

Aber wenn ich den neuen Red Spot Single Pot Still Whiskey schon verkoste, dann am besten gleich im Vergleich zum „normal“ im Handel erhältlichen Yellow Spot und Green Spot, habe ich mir gesagt. Da stehen sie also wie drei Ampelmännchen und warten auf ihren Auftritt. Vorab aber ein paar Sätze zur Geschichte der Spot Whiskeys für alle, die davon noch nichts gehört haben.

Kurze Geschichte der Spot Whiskeys

1805 gründete William Mitchell in Dublin das Unternehmen Mitchell & Son. In den ersten Jahren betrieb die Familie einen Süßwarenladen und eine Bäckerei, lud zum Tee ein und bald auch schon zum Wein. 1887 erweiterten die Mitchells ihr Geschäft und wurden zum „Whiskey Bonder“: Sie brachten leere Wein-, Sherry-, Malaga- und Portweinfässer zur nahen Jameson Distillery zum Befüllen mit frischem Alkohol. Die lagerten dann in ihren Kellern, bis sie den Whiskey für reif hielten. Je nach geplantem Alter kennzeichneten sie die Fässer mit einem blauen Punkt für 7 Jahre, einem grünen für 10 Jahre, einem gelben für 12 Jahre und einem roten für 15 Jahre Lagerzeit.

Im Zuge des irischen Brennerei-Sterbens mussten auch die Mitchells über die Zukunft nachdenken und gaben in den 70er Jahren die Markenrechte an Irish Distillers weiter, behielten aber die Vertriebsrechte für Irland. Die Spots werden also seither in der Midleton Distillery hergestellt. Der beliebteste, der Green Spot, überlebte, die Produktion von Blue Spot, Yellow Spot und Red Spot wurde eingestellt – vorläufig. Mittlerweile ist der Yellow Spot seit einigen Jahren (seit 2012) wieder ständig erhältlich und jetzt also auch der Red Spot. Ob der Blue Spot auch noch folgt? Es wäre eigentlich nur konsequent.

Wie es einst in der alten Jameson Distillery üblich war, sind die Spot Whiskeys auch heute noch dreifach destilliert. Und es sind Irish Pot Still Whiskeys, das heißt, es wird sowohl gemälzte als auch ungemälzte Gerste verwendet. Inzwischen hat der Green Spot übrigens seine Altersangabe verloren. Auf der Homepage des Labels ist zu lesen, dass er zwischen 7 und 10 Jahre alt ist.

Tastingnotes Green Spot

Sieben bis 10 Jahre alte Fässer: First fill und refill Bourbon, Sherry; 46% vol

Nase: Getreide, Apfel, Vanille, Teeblätter, Spearmint, Eiche

Gaumen: sehr weich und mild, aber trotzdem sehr aromatisch. So, wie er sich in der Nase vorgestellt hat, zeigt er sich auch geschmacklich. Gedünsteter Apfel, reife Birne, Vanille, ein Hauch Honig, malzig-getreidig und mit diesem Anklang an Tabak und Spearmint. Holz.

Finish: mittellang, weich, Vanille

Tastingnotes Yellow Spot

12 Jahre, Fässer: Bourbon, Sherry, Malaga; 46% vol

Nase: sehr fruchtig, Steinfrüchte wie Pfirsiche und Aprikosen; getrocknete Früchte, Vanille

Gaumen: fruchtig, weich, vollmundig – sehr angenehm. Pfirsiche, Apfelkompott, Dörrobst, Malz, Toffee, Mandeln, Marzipan

Finish: Sehr lang, getrocknete Aprikosen

Tastingnotes Red Spot

15 Jahre, Fässer: Bourbon, Oloroso-Sherry, Marsala; 46% vol

Nase: Obstkompott, Apfelkompott, Wein, intensive Würzigkeit, Muskatnuss, Leder, Spearmint, Eiche

Gaumen: Intensives Aroma, auch hier Apfelkompott, reife Früchte, Mango. Sehr würzig, die Weinfässer machen sich deutlich bemerkbar. Pfeffrige Noten, Muskat, Eiche.

Finish: Sehr lang, würzig, leicht adstringierend

Die Spot Whiskeys sind alle weich und sehr aromatisch, bringen aber unterschiedliche Charaktere zum Vorschein: Äußerst weich und fruchtig-malzig der Green Spot, vollmundig weich und von Dörrobst und Toffee dominiert der Yellow Spot, vom Wein geprägt der sehr würzige Red Spot. Der Red Spot ist zwar der Älteste von ihnen, kommt er mit forscher Spicyness daher. Er ist kein typischer „Ach, ich nehm einen Iren, der ist fein und zart“-Whiskey, sondern würzig- aromatisch. Preis-Leistung? Alle drei sind sehr gute Whiskeys, doch der Geschmack alleine würde für mich nicht unbedingt Rechtfertigung für etwa 115 Euro für den Red Spot sein. 

Auf den Punkt gebracht: Nachgeschenkt habe ich mir vom Yellow Spot 😊. Diesmal. 

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