Im Glas: Glenfiddich Winter Storm

Der Glenfiddich Winter Storm ist bereits vor einigen Wochen als dritter Single Malt in der Experimental Series erschienen. Nach dem Glenfiddich IPA und dem Project XX kommt der Winter Storm mit dem stolzen Altersstatement 21 Jahre auf den Markt. Er erhielt ein sechsmonatiges Finish in Fässern aus französischer Eiche, in denen zuvor Eiswein heranreifte. Um Eiswein zu gewinnen, verbleiben die Trauben sehr lange an den Stöcken, bis sie in gefrorenem Zustand geerntet werden. Der Zuckergehalt ist sehr hoch, die Traubenausbeute und damit die Menge an gewonnenem Wein sehr gering. Glenfiddich Malt Master Brian Kinsman sei zur Fassauswahl extra ins kanadische Niagara zum Weingut Peller Estates gereist, erfahren wir auf der Glenfiddich-Homepage. Mit den ausgewählten Fässern habe er dann bei Glenfiddich mit verschiedenen Fassreifungen experimentiert, einzig der zwei Jahrzehnte gelagerte Glenfiddich habe es mit den starken Aromen der Eisweinfässer aufnehmen können, wird Kinsman zitiert.

Aber der Winter Storm macht sich äußert rar: Selten taucht er einmal in einem Shop auf und das ist dann nur ein kurzes Gastspiel und oft ein recht teures: Der ursprüngliche Ausgabepreis von 199 Pfund wird meist sehr, sehr deutlich überboten. Auf einigen wenigen Messen wurde der Winter Storm zur Verkostung am Stand oder auf Tastings angeboten. Bei der Messe Hall of Angels‘ Share in Villingen-Schwenningen hatte sich nach dem offiziellen Tasting von Markus Heinze eine weiße Flasche am Campari-Stand eingefunden und ich hatte die Gelegenheit, diese begehrte „Bückware“ zu probieren.

Meine Tastingnotes Glenfiddich Winter Storm

Nase: Süß-fruchtig, kandierte Äpfel, vollreife Birne, leicht säuerliche, weinige Noten darunter. Eiche ist deutlich präsent. Mit der Zeit entwickeln sich Toffeearomen, Karamell und würzige Noten. Das Holz bleibt sehr im Vordergrund.

Gaumen: Vollmundige Frucht, Apfelkompott mit Rosinen, reifer Pfirsich. Blutorange. Sehr trocken, viel Eiche. Die säuerlichen, weinigen Noten aus der Nase finde ich hier nicht wieder.

Finish: sehr trocken, mittellang, Röstaromen und Eiche klingen nach.

Fazit: Ein aromatischer, süß-fruchtiger Whisky, der deutlich vom Holz lebt. Mag ich ihn? Ja, er bringt eine schöne, trockene Würzigkeit herüber und zeigt damit eine ganz andere Glenfiddich-Seite. Würde ich dafür die derzeitig aufgerufenen Preise zahlen, die deutlich über denen der genialen 19-jährigen Age of Discovery Abfüllungen liegen? Wohl eher nicht. Es soll ja im Frühjahr 2018 ein weiteres Batch erscheinen. Schauen wir mal.