Ardbeg Twenty Something: something fruity, something ashy, something great

Mit dem Ardbeg Twenty Something kommt morgen das nächste Committee Release heraus. Das „Something“ kann hier mit „Three“ gleichgesetzt werden, denn er trägt die stolze Altersangabe 23 Jahre. Somit überrascht die Aussage, dass es sich um eine stark limitierte Abfüllung handelt, wohl niemanden. Wie viele Flaschen genau in den Verkauf kommen, verrät die Pressemitteilung nicht. Dafür verrät sie, dass für den Ardbeg Twenty Something amerikanische Bourbon- und spanische Oloroso Sherryfässer ausgewählt wurden. Damit unterscheidet sich dieser Ardbeg 23 wesentlich vom Ardbeg 21, der letztes Jahr im September als Committee Release herauskam und für den ausschließlich Bourbonfässer verwendet wurden.

Rechnen wir 23 Jahre zurück, landen wir im Jahr 1994. Zu jener Zeit war Allied Domeq der Besitzer von Ardbeg . Man betrieb die Brennerei zwischen 1989 und 1996 sehr unregelmäßig und nie länger als zwei Monate am Stück. Entsprechend wenig Ardbeg Whisky wurde produziert und entsprechend unterschiedlich sind deshalb wohl auch die Malts aus jener Zeit. Seit die eigenen Mälzböden 1977 geschlossen worden waren, kam das Malz fast ausschließlich von Port Ellen Maltings. Die alte Brennblase, die heute den Hof der Brennerei schmückt, war damals noch in Betrieb.

Moet Hennessy hat mir im Voraus ein Sample des Ardbeg Twenty Something 23 Jahre zur Verkostung zugeschickt. Vielen Dank, Tobias. Das habe ich nun gestern Abend geöffnet und kann euch meine ganz persönlichen Eindrücke schildern.

 

Tastingnotes Ardbeg Twenty Something, 46,3%vol:

Farbe: Dunkles Gold

Nase: Süße Frucht, Aprikose, vollreife Orangen, Trockenbeeren, Maraschino Kirsche, zarte Vanille, geröstetes Brot, Brotrinde. Alles unterlegt mit sanftem Rauch, aber nicht von frischem Feuer, es ist eher der Duft erkalteter Zigarettenasche. Die Fruchtaromen sind nicht sofort so stark, entwickeln sich aber rasant, wenn man das Whiskyglas in der Hand erwärmt.

Geschmack: Eine süße, cremige Begegnung. Karamell trifft Südfrüchte, Orangenschokolade trifft kalten Rauch – alle Aromen spielen ausgewogen ineinander, nichts drängt sich in den Vordergrund. Eichenoten lassen sich ahnen und eine weiche Würzigkeit gewinnt Raum. Hier sollte man sich unbedingt an die plakative Regel „für jedes Jahr im Fass eine Sekunde im Mund“ erinnern. Es lohnt sich, so zeigt sich der Twenty Something in voller Aromentiefe.

Nachklang: Hier zeigt sich die typische Ardbeg-Hartnäckigkeit des Rauches, der ewig am Gaumen nachklingt. Ganz zart zwar, aber deutlich und lang. Und auch die Zitrusaromen, die zunächst im Früchtekorb des Twenty Something nicht herausstachen gewinnen jetzt Raum. Pampelmuse oder neudeutsch Grapefruit klingt bitter-fruchtig nach.

Der Ardbeg Twenty Something ist kein „Achtung, hier kommt der Rauchhammer“ – Whisky. Wer zum Ardbeg greift, um dem Torf in ganzer Breitseite zu huldigen, sollte sich die 480 Euro sparen und sich den jüngeren Abfüllungen widmen. Hier gibt es einen Ardbeg zum Entfalten, einen harmonischen Slow Drink par excellence. Ich mag ihn sehr. 

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