Ardbeg An Oa im Glas

Ich mag The Oa. Die Halbinsel im Süden Islays ist nur spärlich bewohnt und wer Islay besucht, sollte sich unbedingt Zeit nehmen für eine kleine Wanderung am Mull of Oa, ganz an der Südspitze. Durch sumpfiges Grasland führt der Weg von einem Parkplatz hinaus zu den beeindruckenden Steilklippen, an denen man sich den Wind um die Nase wehen lassen kann. Unübersehbar reckt sich das American Monument in die Höhe, das an zwei hier vor der Küste gesunkene Schiffe und die zahlreichen Opfer der Tragödien erinnert. Vögel lassen sich hier draußen beobachten, Schafe kommen neugierig heran und die Brandung an den Steilklippen ist so beeindruckend, dass ich ihr immer stundenlang zuschauen könnte. 

Wie kommen wir jetzt von der tosenden Natur zum Ardbeg An Oa? Indem wir der Begründung der PR-Abteilung Ardbegs für die Namensgebung des neuen Single Malts folgen: „Hohe Felsklippen trotzen wütenden Atlantikstürmen und bieten Islays Südküste und der seit über 200 Jahren angesiedelten Ardbeg Destillerie sicheren Schutz. Ardbeg An Oa ist Hommage an seine ungezähmte Herkunft, mit Kontrasten von mächtiger Intensität und süßer Seidigkeit. Es lässt den Ort aufleben, wo Sturm auf Ruhe stößt.“ Okay – ein Whisky voller Gegensätze also? Lassen wir uns überraschen, ob sich die Stimmung von The Oa in der neuen Ardbeg Abfüllung wiederfinden lässt, die künftig zur Standard Range des Labels gehören wird.

Ardbeg An Oa: Sherryfässer, Bourbonfässer und neue Eiche

46% vol hat der Ardbeg An Oa zu bieten, den ich als Vorab-Sample im Glas habe. Er trägt keine Altersangabe und über seine Herkunft wissen wir laut Pressemitteilung, dass sich „Partien wertvoller Pedro Ximenez-Fässer vermischen mit der Würze aus neuen Eichenfässern sowie der typischen Ardbeg-Intensität ehemaliger Bourbon-Fässer.“ Dieses Vermischen findet statt in einem riesigen Fass, dem „Gathering Vat“ aus französischer Eiche im sogenannten „Gathering Room“. 

 

Meine Tasting Notes zum Ardbeg An Oa:

In der Nase entwickeln sich nach einem ersten schüchternen Hallo des Rauches süße Toffeearomen und Fruchtnoten. Keine frischen Früchte, eher gedünstete. Apfelkompott. Aber viel mehr auch sehr würzige Aromen von Eiche, Leder und Harz. Ein Hauch von Menthol. Nadelwald hab ich vor Augen. Und in der Ferne fährt die Ardbeg-übliche Teermaschine vorbei… Der An Oa ist sehr präsent in der Nase, hält sich aber in Sachen Rauch zurück.

Am Gaumen entsteht sofort ein weiches, fast wachsiges Mundgefühl. „Aprikosenmarmelade küsst Asphalt“ könnte man vielleicht poetisch dichten, um die Süße und trockene Mineraligkeit zu beschreiben, die sich hier verbinden. Herb wie grüner Tee mit einem Spritzer Zitrone. Der Mund wird trocken. Und im Hintergrund wieder diese schwache Erinnerung an Leder und ein verglimmendes Feuer.

Der Nachklang ist mittellang und äußert sich in leichter Rauchigkeit und trockenem Mundgefühl.

Ardbeg An Oa: Das neue Mitglied der Ardbeg-Familie ist weniger eine Hommage an die stürmischen Steilklippen und die ungezähmte Energie der Meeresbrecher als vielmehr an die geschützten Buchten, in denen man von Ferne die Brandung hört. Ein Ardbeg, der geschmeidig und aromatisch rund ist. Ich schau mal, dass ich ihn demnächst zum direkten Vergleich in einer Reihe mit dem Zehnjährigen, dem Uigeadail und dem Corryvreckan verkoste und vermute stark dass er hinter ihnen deutlich „leiser“ auftritt. Gefälliger.

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