Laphroaig Cairdeas 2017 im Glas

“Cairdeas Cask Strength Quarter Cask for the Friends of Laphroaig” steht auf dem Label, aber die meisten Freunde warten noch immer darauf, die diesjährige Abfüllung erwerben zu können. Laphroaig hat seit mehreren Wochen Probleme mit der Website und der angekündigte Online-Verkauf wurde schon zweimal (oder dreimal?) kurzfristig verschoben. Wer allerdings zum Feis Ile auf Islay war, hatte die Gelegenheit ihn vor Ort in der Brennerei zu bekommen und auch danach stand er dort – und steht wohl noch – zur Verfügung. Auch ich habe mir beim Laphroaig-Besuch im Juni eine Flasche gekauft. Jetzt ist sie offen.

Mit dem Cairdeas 2017 hat der klassische Laphroaig Quarter Cask, der mir seit Jahren ein liebgewonnener Standard ist, einen fassstarken Bruder bekommen. Auch er reifte also in 125 Liter Fässern. Reine amerikanische Eiche diesmal beim Cairdeas, kein extra Finish. Und auch er kam ungefärbt und nicht kühlgefiltert in die Flasche. Blassgold ist er – die offiziellen Werbefotos sind in der Hinsicht weit von der Wirklichkeit entfernt. 57,2% vol hat der diesjährige Cairdeas zu bieten, eine Altersangabe gibt es nicht.
(Edit: Nachdem Joe grad meinte, er hätte aber gelesen, der Cairdeas hat doch ein Finish bekommen (5+0,5) noch eine Ergänzung zu den Quarter Casks. Auch der normale Laphroaig Quarter Cask ist ja laut Definition der Brennerei „double matured“, denn er liegt erst in normalen Ex-Bourbon Fässern und dann zusätzlich in Quarter Casks. Nicht die ganze Zeit also in den kleinen Fässern, aber beides amerikanische Eiche. Habe ich oben vielleicht etwas missverständlich geschrieben, sorry.)

Meine Tastingnotes zum Laphroaig Cairdeas 2017

Nase: Der bekannte jodige Krankenhaus-Verbandszimmer-Geruch kommt mir entgegen. Süße aber auch salzige Aromen sind da. Fudge mit Meersalz. Zitrusaromen schwingen mit. Kalter Rauch liegt verhalten darunter.
Gaumen: Überraschend sanft und weich trotz der hohen Alkoholstärke. Ein bitterer Unterton ist sofort da, der sich bis zuletzt durchzieht und stärker wird. Vergleichbar mit Grapefruitzesten vielleicht, darin lassen sich dann gleichzeitig auch die Zitrusaromen abbilden. Auf der anderen Seite Karamellsüße. Ein Hauch Vanille. Dann breiten sich Jod und Salz aus, Menthol und Rauch von schwelendem Holzkohlenfeuer. Auf der Zunge beginnt es zu bitzeln. Deutlicher Pfeffer – oder Chili? Nein, mehr weißer Pfeffer.
Nachklang: Eine bittersüße Trockenheit bleibt lange auf der Zunge und am Gaumen erhalten, begleitet vom verharrenden Rauch.

Persönliches Fazit

Dieser Cairdeas ist ein „typischerer“ Laphroaig als es seine Vorgänger waren. Das Spiel von Süße, Zitrusaromen, Jod und Phenolen ist ausgeglichen, er ist weich und mundfüllend und er würde im Schulnotensystem bei mir wohl irgendwo zwischen 2 und 2 minus liegen. Mich stört ein wenig die ausgeprägte mentholig-bittere Unternote. Der hohe Alkoholgehalt, den das Label preisgibt, spiegelt sich im Mund nicht wieder, der ist absolut eingebunden. Ganz ehrlich? Ein klassischer Quarter Cask wäre für mich eine ausreichende und günstigere Alternative.

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