Gastbeitrag: Omar Single Malt Whisky – mit Tastingnotes

Julia Nourney hat sich mit dem Omar Single Malt Whisky beschäftigt. In einem Gastbeitrag stellt sie ihn uns vor: 

Omar Single Malt Whisky

Vor wenigen Jahren war er noch ein echter Exot und viele Malt-Liebhaber reagierten skeptisch: Whisky aus Taiwan? Ernsthaft?
Die Mutigeren unter ihnen ließen sich zumindest zu einem ‚Kann der was?‘ hinreißen und probierten unerschrocken.
Heute steht der Kavalan ganz selbstverständlich neben japanischen Kollegen im Regal und hat sich als asiatischer Whisky hervorragend etabliert. Einzelfass- und Small-Batch-Abfüllungen werden zu schwindelerregenden Preisen angeboten und finden regen Absatz bei Sammlern und Genießern.

Jetzt legt Taiwan nach!

Seit November ist der Omar Single Malt Whisky der Nantou-Distillery im hiesigen Fach-Handel erhältlich und zeigt sich als echte Bereicherung. Die Präsentation wirkt unaufgeregt und kommt ohne großen Schnick-Schnack aus. Dafür überzeugt der Whisky aber mit Geschmack!
Bislang sind zwei Abfüllungen erhältlich – Bourbon Type und Sherry Type genannt. Leider sind diese Unterscheidungen auf den Etiketten nicht auf den ersten Blick ersichtlich und nur im ‚Kleingedruckten‘ zu finden. Am Label darf Nantou also gern noch etwas feilen. Dafür muss am Whisky nichts mehr geändert werden, der ist jetzt schon ganz hervorragend. Beide Abfüllungen kommen ohne Kühlfiltration und offensichtlich auch ohne zusätzliche Farbgebung aus.
Dass die Vorbilder der taiwanesischen Macher in Schottland und Irland liegen, ist nicht nur an der Stilistik des Whiskys erkennbar, auch die Namensgebung hat ihre Wurzeln offensichtlich im Gälischen, denn ‚Omar‘ bedeutet ‚Bernstein‘ und treffender könnte man die Tönungen beider Abfüllungen nicht bezeichnen.

Der hellere der beiden Single Malts, der als Bourbon Type bezeichnet wird, entspricht genau den Erwartungen die man an einen ausschließlich Ex-Bourbon-Fass-gereiften Whisky knüpft. Er ist fruchtig-süßlich mit weichen Vanille- und Karamell-Noten, absolut sauber und ein echter Nasen- und Gaumenschmeichler. Zwei Dinge haben mich dabei wirklich beeindruckt: der hohe Reifegrad und der intensive Nachklang. Nach dem ersten Riechen bin ich nämlich von einem Leichtgewicht ausgegangen, habe dann aber schnell gemerkt, dass das Finish länger anhält und kräftiger ausfällt als erwartet. Und bei der Reifung des Whiskys, der keine Altersangabe auf dem Label ausweist, wurde offensichtlich nichts dem Zufall überlassen. Die hohen Temperaturen des taiwanesischen Klimas haben dem Whisky gut getan, ihn aber nicht überfrachtet. So muss er sich hinter keinem 12-jährigen Speysider verstecken.

Die andere Abfüllung, die etwas kupferfarbener daherkommt, wird als Sherry Type bezeichnet. Der Whisky hat dafür seine – wenige Jahre dauernde – Reifung ausschließlich in Ex-Sherry-Fässer verbracht, die ihm zwar keine Wein-Aromen mitgegeben haben, dafür aber die würzige Intensität der europäischen Eiche. Trotzdem wäre es falsch, ihn als ‚holzig‘ zu bezeichnen, denn die Reifung wurde – ähnlich wie bei seinem Bourbon-Bruder – gewissenhaft überwacht und perfekt an das taiwanesische Klima angepasst. Der Whisky zeigt alle Attribute eines guten Single Malts, glänzt mit Würz- und Röstaromen, die prickelnd am Gaumen tanzen, wirkt aber insgesamt etwas jünger als die andere Abfüllung. Betrachtet man das traditionelle Fassungsvermögen – üblicherweise 200 Liter bei Ex-Bourbon bzw. 500 Liter bei Ex-Sherry – und somit den Einfluss dieser beiden Fassarten aufs Destillat, erklärt sich einem leicht der Unterschied im Reifegrad.

Beide Whiskys waren für mich eine positive Überraschung und werden sicherlich noch öfter in meinem Whisky-Glas landen.

Scheint ganz so, als müsse sich Kavalan im Bereich der Standard-Abfüllungen warm anziehen, auch wenn die Aufmachung und mediale Präsentation des Omar Whiskys noch nicht an die des taiwanesischen Primus heranreicht. Vielleicht darf man das aber auch nicht erwarten von einer Brennerei, die im Besitz der staatlichen Alkohol- und Tabak-Behörde ist.

Single Malt Whisky – Bourbon Type 46% abv
Farbe: Heller Bernstein
Nase: Sehr angenehme weiche, fruchtige Süße mit Vanille und Karamell, Apfel- und Birnenschale, karamellisierte Beeren, leicht würzig mit Pfeffernoten, sehr sauber und frisch, angenehme Reifenoten
Gaumen: Vanille, Karamell, dezente Röstnoten, nussig, immer noch leicht fruchtig, jetzt aber eher Trockenfrüchte, dezente Würznoten wie getrockneter Ingwer, etwas Muskatnuss und leicht pfeffrig, auch etwas herbal wie getrocknete Kräuter und Heu, sehr sauber, sehr weich, wiederum angenehme Reifenoten
Nachklang: Wird etwas würziger insbesondere pfeffriger, wärmt sehr angenehm nach und bleibt erstaunlich lange am Gaumen stehen
Fazit: Sehr guter Every-Day-Dram! Das Finish überrascht, denn der Whisky wirkt zunächst wie ein Leichtgewicht, zeigt dann aber im Finish Länge und Intensität.
Erstaunlich, wie alt ein offensichtlich junger Whisky schmecken kann.

Single Malt Whisky – Sherry Type 46% abv
Farbe: Dunkler Bernstein mit Kupferstich
Nase: Würzige Aromen wie Kardamom und Lorbeer, feuchte Tabakblätter und etwas Leder, leicht erdig und mineralisch, geröstetes Buchecker-Mehl, Dörrzwetschke, grüne Walnuss, frisch geröstetes Stockbrot
Gaumen: Intensive Trockenfrucht- und Trockenblütennoten, Heu, würzig wie Lorbeer und etwas getrockneter Salbei, wieder leicht ledrig, verschiedene nussige Noten wie geröstete Buchecker, grüne Walnuss und Paranüsse, mineralische Keller-Noten
Nachklang: Wird recht schnell trocken und somit auch leicht bitter am Gaumen, warm-würzig und pfeffrig-prickelnd, bleibt mineralisch, hält erstaunlich lange an
Fazit: Obwohl dieser Whisky insgesamt sehr komplex und aromen-intensiv ist, wirkt er jünger als die Bourbon-Type-Abfüllung.

Julia Nourney, Januar 2017

4 comments Add yours
    1. Genau, das ist nur Ihre Meinung.
      Grüße
      Eine Frau (die sich erlaubt hat, Ihren Spam-Link zu entfernen. Vielleicht das nächste Mal lieber mit einem sinnvollen Kommentar versuchen?)

  1. Na ja … Der Bericht und die Tasting-Notes erscheinen doch, im Vergleich zu anderen „Exoten“, sehr schöngefärbt.
    Wir haben die Whiskies beide auf der letzten Interwhisky probiert und waren übereinstimmend der Ansicht, dass die OMAR Destillate ein ziemlich übles Feuerwasser darstellen, das man unbedingt mal probiert haben muss, sich aber nie und nimmer in die Bar stellen würde.

    1. Hallo Eberhard,
      viele Dank für Ihr Feedback. Nun ja. Geschmack ist und bleibt nun einmal relativ.
      Zu Ihrer Bemerkung des „Schönfärbens“: Das einzige, was auf meinem Blog gefärbt ist, sind manche Whiskys, über die hier berichtet wird :-).
      Ich habe den Omar selbst noch nicht im Glas gehabt, aber ich kenne Frau Nourney, die Autorin dieses Gastbeitrages sehr gut. Sie ist absoluter Spirituosenprofi und weltweit auch als Jurorin tätig. Und ich vermute, sie würde eher den Mantel des Schweigens über ein Produkt ausbreiten, ehe sich irgendwie dazu bewegen zu lassen, eine Beurteilung „schönzufärben“.

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