Die Hanse-Spirit 2014 – kleine Wege, große Malts

Vom 31.1. bis 2.2. fand die diesjährige Hanse-Spirit in Hamburg statt – leider ohne mich. Dass ich euch hier trotzdem einen ausführlichen und unterhaltsamen Messebericht präsentieren kann, verdanken wir einer lieben Blogger-Kollegin: Margaretemarie erklärte sich auf meine Nachfrage hin sofort bereit, einen Gastbeitrag für MeinWhisky zu schreiben und sie hat auch gleich jede Menge Fotos mitgeliefert: Herzlichen Dank!

Die Hanse-Spirit 2014: kleine Wege, große Malts

Als Petra mich gefragt hat, ob ich Lust habe, in ihrem Blog einmal einen Gastbeitrag zu schreiben, war ich sofort von der Idee begeistert, denn in einem fremden Blog zu schreiben, ist immer sehr spannend. Aber es ist auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Jeder Blogger hat seinen eigenen Stil, den die Leser des Blogs schätzen und weswegen sie immer wieder in diesem Blog vorbeischauen.
Die Artikel von „MeinWhisky“ sind stets aktuell, präzise, informativ und auf den Punkt gebracht. Bei „whiskyundfrauen“ hingegen geht es eher gemächlich zu, ich schreibe meist retrospektiv, erzähle über die Menschen und die Whiskys, denen ich auf meinen Entdeckungsreisen begegne und mache mir so meine Gedanken über die neuesten Trends und Entwicklungen rund um mein Lieblingsgetränk.
Ich bitte also um eure Nachsicht, wenn der Bericht heute etwas anders ausfällt als ihr es sonst hier im Blog gewohnt seit und lade euch ein zu einem kleinen „Ausflug“ mit mir zur Hanse-Spirit 2014, an der Petra in diesem Jahr leider nicht teilnehmen konnte.

Bild: margaretemarie

Der Macher

Als ich Samstags auf der Hanse-Spirit ankomme, führt mich mein erster Weg hinauf zur Empore. Von hier hat Chris Rickert, der Macher der Hanse-Spirit, alles im Griff. Noch besteht Unsicherheit. Es ist bereits der dritte Veranstaltungsort in vier Jahren, und die große Frage ist, wie das Publikum auf den Ortswechsel reagieren wird. Nach dem Curio-Haus (2011 und 2012) und dem Emporio-Tower (2013) findet die größte Whisky-Messe Norddeutschlands in diesem Jahr in Halle A2 auf dem Hamburger Messegelände statt. Die sprunghaft ansteigende Besucherzahl machte den Umzug notwendig. Doch als ich am nächsten Tag wieder vorbeischaue, ehe ich nach Hause fahre, herrscht Zufriedenheit auf der Empore. Knapp 4.000 interessierte Besucher haben an diesen drei Tagen den Weg in die Messehalle gefunden, das Publikum hat den neuen Ort angenommen. Und auch mir hat die Ausstellung gut gefallen.

Die Messe

Die Hanse-Spirit 2014 ist eine Messe der kurzen Wege. Kompakt, übersichtlich, luftig, mit viel Bewegungsraum zwischen den Ständen und kurzen Wegen in alle Richtungen. Auch wenn die Halle vielleicht nicht den Charme der vorherigen Messe-Lokalitäten hat, so ist sie doch äußerst funktional, und meine Füße danken es mir am Abend. Und mit 3.657 Quadratmetern gab es reichtlich Platz für alles und jeden.
Eng ging es eigentlich nur ganz am Ende der Halle zu. In den drei Bussen, die zu Tasting-Zwecken umgerüstet waren, konnte es schon mal etwas kuschelig werden, denn sie waren meistens bis auf den letzten Platz ausgebucht.
Ein ganz besonderer Service war die „Glas-Umtausch-Möglichkeit“: wenn das Nosing-Glas, das jeder Besucher zusammen mit der Eintrittskarte erhalten hatte, vom vielen Tasten und Nosen nicht mehr ganz so appetitlich war, konnte man es jederzeit gegen ein frisches Glas umtauschen. Eine tolle Idee, und eigentlich würde ich mir diesen Service auf jeder Whisky-Messe wünschen.

Bild: margaretemarie

Dudelsäcke habe ich keine gehört, es wäre in dieser Halle wahrscheinlich auch nicht das wahre Vergnügen. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, gefallen mir Mogwai, Runrig und Snow Patrol ohnehin viel besser.
Für den Hunger zwischendurch gab’s einen Bistrostand am Rande der Halle, der verschiedene Snacks und ein wechselndes Angebot an warmen Speisen bereit hielt. Das war absolut in Ordnung.

Bild: margaretemarie

Weniger geglückt war jedoch das warme Büffet am Samstag abend, das außerhalb der Messehalle in der „Avenue 95“ stattfand. Die Anbieter waren mit dem Catering reichlich überfordert, um zehn nach zehn war das Büffet immer noch nicht komplett aufgebaut und zwei der Aussteller, die bei mir am Tisch saßen, sind dann vorzeitig gegangen mit dem Hinweis darauf, dass sie am nächsten Tag ja wieder früh aufstehen müssen, um rechtzeitig am Stand zu stehen. Viel versäumt haben sie nicht. Das Büffet mit Schnitzel, Pommes und Spaghetti hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen, da wäre ich besser zu Schweinske gegangen. Kritik hat es dementsprechend auch von mehreren Seiten gehagelt, und Dirk hat für 2015 Verbesserung versprochen.

Die Malts

Das Whisky-Angebot auf der Messe war jedoch fantastisch. Mehr als 50 Austeller waren da, und die Auswahl fiel mir wieder einmal schwer.

Mein erster Gang führt mich an den Stand von Alba Import, wo Corinna und Dietmar persönlich Standdienst leisten. Der neue „Cask Islay“ von A.D. Rattray hat ein super Preis-Leistungs-Verhältnis und wird stark nachgefragt, aber mir ist es jetzt noch zu früh für Rauch, ich wähle lieber eine Caperdonich-Abfüllung aus der Cask Collection von A.D. Rattray. Diese Firma existiert zwar bereits seit 1868, doch erst seit 2004 werden unter diesem Label wieder interessante Einzelfass- und Small-Batch-Abfüllungen herausgebracht.
Auch unter ihrem eigenen Hauslabel „Highland Trail“ haben Corinna Schwarz und Dietmar Schulz eine interessante Neuerscheinung dabei: ein 18 Jahre alter Glen Garioch.

Bild: margaretemarie

The Highland Trail, Glen Garioch, 18 Jahre, Highlands, Bourbon Barrel, Natural Colour, No Chill Filtration, 52,5%vol.
Kräftige Malz- und Honignoten, kerniges Gebäck mit Fruchtmarmelade. Mit Wasser wird er fruchtig und frisch, Apfel, Birne, Pfirsich und Zitrusfrüchte, vielleicht sogar etwas Ananas, aber auf jeden Fall frisches Obst. Auf der Zunge weich und mild, überraschend floral, sogar elegant, das hätte ich ihm anfänglich gar nicht zugetraut. Am Ende zarte Würze, ein Hauch von Leder und Tabak. Elegant, leicht, und süffig.

A.D. Rattray, Cask Collection, Caperdonich, 21 Jahre, Speyside, Bourbon Hogshead, 59.5 %vol., Fassstärke
Ah! Samt und Seide im Glas. Vanille mischt sich mit zarten Karamell-Noten, Marmelade, süßes Früchtebrot mit Puderzucker. Am Gaumen würzig, kräftig, eher floral, ölig, mit einem Anflug von Wachs und am Ende wieder Tabak. Wie schade, dass Caperdonich nicht mehr ist. 2002 wurde die Brennerei geschlossen, 2010 abgerissen.

Weiter geht es zum Stand von Warehouse No 8. Seit 2007 besteht die Firma dieses unabhängigen Abfüllers, und ihre hochwertigen Einzelfassabfüllungen haben in der Vergangenheit immer wieder Preise und Auszeichnungen gewonnen. Neuheiten am Stand sind ein Bunnahabhain 24, ein Clynlish 17, zwei Cragganmore 16, die sich nur in der Alkoholstärke unterscheiden, und ein Dailuaine 16. Auch diesmal entscheide ich mich für ein Refill Bourbon-Cask.

The Warehouse Collection, Bunnahabhain 24, Islay, dest. 20.10.1989, abgef. 14.1.2014, Fass-Nr. 5696, Bourbon Hogshead, 50.8% vol, 267 Flaschen.
Zarter Rauch, Seeluft an einem windstillen Tag, Teer und Tang in der milden Variante für Einsteiger. Etwas Wasserzugabe setzt frischen Apfelduft frei. Auf der Zunge dunkel, ölig, würzig, nussig, und wieder zarter Teer und Torfgeschmack. Am Ende sehr trocken.

Nachdem ich jetzt drei bourbonfass-gereifte Whiskys aus verschiedenen Regionen probiert habe, wird es Zeit, einmal etwas anderes zu versuchen.

Freya“ von Highland Park würde mir jetzt gut gefallen, doch die Göttin ist in Deutschland noch nicht gelandet, die Fans werden sich noch bis Mitte oder Ende des Monats gedulden müssen. Deshalb beschließe ich, mutig zu sein und Schottland zu verlassen. Irische Whiskys erleben derzeit eine Renaissance, und ich entscheide mich schließlich für einen 8 Jahre alten Small Batch Greenore Single Grain.

Bild: margaretemarie

Greenore stammt aus der irischen Brennerei Cooley. Erst 1987 wurde sie von John Teeling gegründet. Seit 2011 gehört Cooley zu Beam Global.

Greenore Single Grain, 8 Jahre, Small Batch, Irish Whisky, 40 % vol.
leicht süß, ein bißchen Honig, ein bißchen Uhu, ein bißchen Vanille, wie man es von Ex-Bourbon-Fässern erwartet. Dazu kommt etwas Banane, Gras und der dunkel-bittere Geruch von Grain. Am Gaumen weich, buttrig, Bittermandel, dunkel, und immer noch etwas Uhu. Mit Wasser wird er muffig, die feinen Aromen sind weg. Er läßt sich auch pur prima trinken, aber ich würde ihn eher im Cocktail verwenden, wo er seine zarte Bitter-Note ausspielen kann.

Auch die Spirit & Cask Range von Whisky-Max bringt immer wieder interessante Einzelfass-Abfüllungen auf den Markt. Die heavily peated Caperdonich-Abfüllung hat es mir angetan, ich hätte sie gerne am Stand probiert. Aber leider hat Michael Holzapfel die Spirit & Cask Range nicht mit nach Hamburg gebracht. Am Ende entscheide ich mich für eine neue Originalabfüllung von Tullibardine, die in Deutschland ebenfall von Whisky-Max vertrieben werden.
Von 1994 bis 2003 war diese Brennerei geschlossen, vor zwei Jahren wurde sie dann von der französischen Firmengruppe Picard Vins & Spiritueux übernommen. 2013 wurde die Produktpalette neu aufgestellt und besteht nun aus dem Bourbonfass-gereiften Souvereign, den drei Wood-Finishes 225 Sauternes, 228 Burgundy, und 500 Sherry, sowie einer 20 Jahre und einer 25 Jahre alten Variante.

Burgunder-Finish liegt derzeit im Trend, ich entscheide mich deshalb für den Tullibardine 228, der 12 Monate in einem 228-Liter-Rotweinfass des Château de Chassagne Montrachet nachgereift wurde. Das entsprechende Weingut befindet sich ebenfalls im Besitz von Picard Vin & Spiritueux, so dass wir in Zukunft wohl noch viele gute Whiskys mit Weinfass-Finish von Tullibardine erwarten können.

Tullibardine 228, Burgundy Finish, 43%vol.
Fantastische Farbe, helles Mahagoni, Vanille, rote Beeren, Mandarine, erdig, malzig, zarte Eiche. Und sogar ein Hauch Schokolade. Auf der Zunge würzig, nussig, floral. Toller Nachklang, lang und warm. Die Sulphur-Note ist kaum wahrnehmbar und nicht unangenehm, sondern würzig. Insgesamt komplex, cremig und kräftig.

Bild: margaretemarie

Am Stand von Whisky-Max treffe ich auch Angela Pulejo, die Area Sales Managerin der schwedischen Whisky-Distillerie Mackmyra. Seit Ende 2013 hat Mackmyra eine Repräsentanz auf Gut Basthorst bei Hamburg, wo derzeit ein großes Fasslager der Brennerei entsteht. Die Whiskys, für die Mackmyras Brennmeisterin Angela D’Orazio verantwortlich zeichnet, gefallen mir alle gut, aber ganz besonders hat es mir der neue Mackmyra Midvinter angetan. Über Mackmyra werde ich demnächst noch ausführlicher berichten, aber den Midvinter will ich hier schon mal kurz vorstellen.

Mackmyra Midvinter Swedish Single Malt, limitierte Edition, dreifach gereift (erst Sherry-, dann Glöggweinfass und ein Finish im französischen Ex-Bordeauxweinfass), 46.1 % vol.
Farbe gold-gelb. Wow. Das ganze Glas ist voll mit aromatischen, sonnengereiften Bananen. Dahinter verbirgt sich Malz, Honig, Orangen, Rosinen, Lebkuchen. Wasserzugabe betont die Zitrusaromen. Am Gaumen würzig, grasig, floral, grüne Bananen, ölig. Der ist nicht nur im Winter gut. Am liebsten hätte ich ihn gleich mitgenommen, aber ich muss – schon wieder – noch warten. Der Midvinter ist offiziell in Deutschland noch gar nicht erhältlich.

Auch am Stand von Diageo gibt es zunächst eine kleine Enttäuschung. Talisker hat vor kurzem einen dreifach gereiften Whisky herausgebracht, und den würde ich gerne probieren. Leider ist diese Sonderabfüllung nur für die „Friends of Classic Malts“ erhältlich, deshalb gibt es ihn nicht am Stand. Doch als mir Thomas Plaue, Master of Whisky bei Diageo, dann den neuen Lagavulin double matured (Distillers Edition) ins Glas gießt, bin ich sofort wieder versöhnt, denn der neue Laga ist genau mein Ding!

Lagavulin DE, double matured, Batch No lgv. 4/502, 1997-2013, Islay.
Nach 16 Jahren noch ein Finish im Pedro-Ximenez-Sherry-Fass. Gras, Salz, Rauch, Vanille, und süße Rosinen. Vollmundig. Ölig. Kindheitserinnerungen. Geschmack von Asche aus dem Kartoffelfeuer. G-r-a-n-d-i-o-s! Mehr sag ich nicht. Einfach selber probieren. Allerdings – man muss es mögen. An den Rauch- und Torfmonstern scheiden sich die Geister.

Natürlich gibt es auf einer Spirituosen-Messe nicht nur Whisky. Auch viele andere Spirituosen sind vertreten, die aber in einem Whisky-Blog nichts zu suchen haben. Oder doch? Am Stand von Blogger-Kollege und Ginthusiast Oliver komme ich einfach nicht vorbei, seine fantastische Auswahl an verschiedenen Gin-Sorten ist einfach zu verlockend. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, die ich euch demnächst mal erzähle. Dann wieder in meinem eigenen Blog, bei whiskyundfrauen.blogspot.de.

Bild: margaretemarie

Zum Abschluß noch ein paar Bilder,

Vielen Dank, Petra, für die Einladung und deine Geduld:-)

Slàinte!

Bild: margaretemarie

 

Bild: margaretemarie

 

Bild: margaretemarie
Bild: margaretemarie

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