Irischer Pot Still Whiskey par excellence: Redbreast 12 Jahre

Er ist schon eine Klasse für sich, der Pot Still Whiskey aus Irland, zu dem auch der Redbreast 12 Jahre gehört. In keinem anderen Land ist diese Art der Whiskeyherstellung üblich und auch auf der irischen Insel selbst gehört Pot Still Whiskey inzwischen zur seltenen Art. Hochgehalten wird die Fahne derzeit vor allem vom Redbreast und dem Green Spot. Irish Distillers (die mittlerweile zur großen Familie von Pernod Ricard gehören) haben sich dieser Whiskeysorte in ihrer Brennerei in Midleton wieder verstärkt angenommen.

Früher Pure Pot Still, heute Single Pot Still Whiskey

Wer heute auf den Labeln nach der gewohnten Bezeichnung „Pure Pot Still Whiskey“ Ausschau hält, sucht allerdings vergebens. Das „Pure Pot Still“ wurde durch ein „Single Pot Still“ ersetzt, was allerdings nur eine andere Bezeichnung für das gleiche Produkt ist. Es geschah nach der Markteinführung des Redbreast in den USA auf nachdrückliche Empfehlung der Amerikaner. Dort wird das Wort „pure“ mit absoluter Reinheit verbunden und man wollte nicht, dass eine Spirituose unbewusst mit solch einer positiven Bewertung versehen ist.

Ausschließlich in Pot Stills, in Brennblasen aus Kupfer, wird das Destillat gebrannt, so wie man es vom Single Malt Whisky gewohnt ist. Allerdings wird hier nicht nur gemälzte Gerste verwendet, sondern auch ein großer ungemälzter Anteil. Wenn es nach den Hardlinern unter den Irish Pot Still Fans geht, dann ist dieser Anteil sogar größer als der Maltanteil. Die Erfindung dieses irischen Brennverfahrens verdanken wir genaugenommen den Engländern, die im 19. Jahrhundert die Malzsteuer erhoben. Geldnot macht erfinderisch und so kamen den Iren die wegweisende Idee: Durch den Verzicht auf das Mälzen bei einem großen Teil des Getreides ließen sich galant etliche Steuern einsparen.
Noch eine weiteres Merkmal ist dem in Midleton gebrannten Single Pot Still Whiskey wie dem Redbreast 12 Jahre eigen: Im Gegensatz zu den meisten schottischen Whiskys wird er dreimal gebrannt.

Seit 1939 gibt es bereits den Redbreast, damals von Gilbey vertrieben (in deren Auftrag gebrannt von von Jameson & Son). 1985 beendete Gilbey die Herstellung und es war kurzzeitig kein Redbreast erhältlich. Irish Distillers erweckten die Marke zum Leben und 2010 wurde der 12jährige Redbreast Single Pot Still Whiskey von Jim Murray in der Whisky Bible 2010 zum Irish Whiskey of the Year geadelt. Also höchste Zeit, dass der Ire auch von mir einmal getasted zwird.

Auf zum Tasting des Redbreast 12 Jahre

Goldgelb zeigt sich der Whiskey im Glas, da er allerdings gefärbt ist, verschwenden wir darauf keine Gedanken. Was sich allerdings nicht verleugnen lässt und mir schon während des Fotografierens von Flasche und eingeschenktem Dram verlockend in die Nase stieg, ist der intensive Sherrygeruch. Für die Lagerung des Redbreast werden Bourbon und Oloroso-Fässer verwendet. Neben Sherry kommen mir fruchtige Aromen entgegen, Banane oder Kirsche? Leichte Vanille, Holz (riecht wie in Omas Eichenschrank…). Sehr intensiv und komplex in der Nase.

Am Gaumen bestätigt sich der Eindruck: fruchtig. Aber keine frischen, sondern eher getrocknete Frucht oder zumindest sehr reife, Birne vielleicht, Kirsche kann ich jetzt irgendwie nicht mehr bestätigen; angenehme Süße, würzig, sehr ölig. Überraschend etwas Schärfe, aber nicht störend, sondern angenehm pikant.
Im Finish recht lang, Sherry und Würzigkeit klingen nach.

Mein persönliches Fazit zum irischen Whiskey Redbreast 12 Jahre:

Der Redbreast 12 Years zeigt sich mit seinen 40% vol. insgesamt sehr rund und gefällig, charakterliche Spitzen, an denen man vielleicht Anstoß nehmen könnte, die ihm aber auch besonderen Charakter verleihen könnten, fehlen. Fein komponiert und ausgewogen. Der passt immer und kann auch Einsteigern sehr gut angeboten werden, um ihnen Whiskey/Whisky schmackhaft zu machen.

 

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