Sie haben’s nicht erfunden, aber sie können es auch: Schweizer Single Malt Whisky Langatun

Ein Ruf als Whiskyland eilt der Schweiz nicht unbedingt voraus – doch so manches lässt sich mit Know-How, Geschick, Geduld und einer tüchtigen Portion Idealismus ändern. Die Langatun Distillery AG ist auf dem besten Weg dazu und stellt Single Malt Whisky her, der Beachtung und Anerkennung verdient hat.

Eine Whiskymesse ist immer ein idealer Platz, neue Whiskys zu probieren und auf meiner Liste für die Whisky Fair in Limburg stand dieses Jahr auch der Single Malt der Brennerei in Langenthal (alter Name des Ortes: Langatun). Der Chef selbst, Hans Baumberger, ließ es sich nicht nehmen, sein Herzblut hier zu präsentieren. Sein Urgroßvater Jakob Baumberger gründete 1857 die Brauerei Langatun und in der Erfüllung des damals bereits gehegten Traums hat sich der Ururenkel seit 2007 der Leidenschaft des Whiskybrennens verschrieben. Er ist stolz auf seinen „Old Deer“,  einen dreifach destillierten Single Malt aus nicht getorftem Gerstenmalz, und den „Old Bear“, ein alternatives Produkt mit rauchigem Charakter. Der Likör „Gold Bee“, basierend auf dem Old Deer und angereichert mit mexikanischem Blütenhonig und Vanille, komplettiert das Whisky-Terzett des Schweizer Unternehmens, das außerdem noch Wodka, Rum und einige andere Brände erzeugt.

Die Whiskys sind in Fassstärke mit ungefähr 64 Vol% und in gedrosselter Qualität mit 40 Vol. % Alkohol erhältlich.  Gelagert wird nach Pot Still Produktion in Sherry- und Chardonnayfässern (Old Deer) und Chateauneuf-du-Pape-Fässern (Old Bear); Destillations- und Abfülldatum finden sich ebenso auf dem Etikett auf der Rückseite wie die Information, dass nicht gefärbt wurde.

Leider spielt uns unser Schubladendenken immer wieder einen Streich und Gedanken wie „Na, es ist ja kein Schotte oder Ire, also erwarten wir einmal nicht zuviel von diesem Whisky“ schleichen sich ein. Machen Sie sich frei davon und setzen Sie Ihre Erwartungen ruhig hoch an! Natürlich ist der Langatun ein junges Produkt und mit seinen etwa vier Jahren ist er noch nicht ausgereift. Aber er kann durchaus mit ähnlichen jungen Produkten aus Schottland mithalten. Ein himmelweiter Unterschied zu manchem deutschen Whisky, der seine Herkunft aus einer traditionellen Obstbrennerei nicht verleugnen kann. Langatuns Macher haben eine lange Erfahrung als Bierbrauer und das scheint durchaus eine Voraussetzung zu sein, auf der sich eine Whiskyproduktion aufbauen lässt.

Tastingnotes:

Fruchtige, weiche Noten dominieren den Old Deer und der Ausbau in den Sherry-Fässern spiegelt sich in der angenehmen Süße wieder. Etwas Malz, etwas Holz – jung und etwas kantig, aber durchaus vielversprechend. Beim Old Bear macht sich der Rauch deutlich bemerkbar, aber er drängt sich nicht in den Vordergrund. Die Malz- und Holztöne sind auch hier präsent und die Reifung in den Rotweinfässern sorgt nicht nur für die dunkle Farbe, die bei einem so jungen Single Malt Whisky eher unüblich ist, sondern auch für Weinaromen. In der Nase hätte ich noch auf leichte Bittermandel und auch auf Rosine getippt, der Eindruck war dann am Gaumen nicht mehr da; stattdessen spürte ich einen Hauch von Pfeffer.

Wir haben den Old Bear bei einem unserer letzten Treffen im Whisky-Freundeskreis in ein Blind-Tasting eingebaut und es gab reihum erstaunte Gesichter, als zum Schluss die Herkunft entschleiert wurde. Niemand hätte auf einen Nicht-Schotten getippt und auf die Schweiz als Herkunftsland schon dreimal nicht. Meine Empfehlung: Wer die Möglichkeit hat, den Langatun zu probieren, sollte sie sich nicht entgehen lassen.

Hier finden Sie die Website der Langatun Swiss Premium Spirit

Foto mit freundlicher Genehmigung Langatun Distillery AG

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