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Japans aufgehende Sonne: Chichibu

Japanischer Whisky hat international schon längst Fuß gefasst. Single Malts und Blends  von Suntory (Yamazaki, Hakushu) und Nikka (Yoichi, Miyagikyo) bekommen eine internationale Auszeichnung nach der anderen. Seit Oktober letzten Jahres ist mit der ersten Abfüllung der neuen Destillerie von Ichiro Akuto  ein neues Produkt auf dem Markt, das ebenfalls großes Potential hat: Chichibu the First.

Ohne lange Tradition geht wohl kaum etwas in Japan. Und so verwundert es nicht, dass Ichiro Akuto bereits in der 21. Generation der Familie im Getränkegeschäft (ursprünglich Saka)  tätig ist. Seinem Großvater verdanken wir die Hanyu Whiskies, die der Enkel mittlerweile mit seinem Unternehmen Venture Whisky ebenfalls vermarktet. Leider wurde die Hanyu Destillerie nach wirtschaftlichem Misserfolg mittlerweile abgerissen, doch seit Chichibu 2008 in Produktion ging, ist die Familienehre wohl wieder hergestellt.

Die Brennerei in der Präfektur Saitama, nordwestlich von Tokio, ist bescheiden ausgestattet. Fünf kleine Washbacks, zwei ebenfalls nicht sehr große Stills. Wer sich’s anschauen möchte: Hier habe ich einige tolle private Fotos über Chichibu gefunden. (Edit: Sorry, musste den Link rausnehmen, war nicht mehr zielführend). Zum Lagern werden viele verschiedene Fasstypen benutzt, nach Aussage von Ichiro Akuto “Bourbon, Sherry, White Oak, Red Oak, Mizunara, and so on”.  Das Vatting für den Release Chichibu the First bestand aus 31 first fill Bourbon Fässer (von Heaven Hill).

Für den Import nach Deutschland sorgt Prineus und mittlerweile ist Chichibu the First in einigen Spirituosen Shops und Läden erhältlich – wenn auch vermutlich nicht mehr sehr lange, da die Edition mit 7400 nicht sehr hoch ist. Ich habe ihn auf der Whisky Fair in Limburg am Stand von TheWhiskyCask getrunken und muss sagen: Dave Broom hat Recht. Der Autor des Whisky Magazines hatte über die neue japanische Destillerie nach seinem Besuch dort 2008 begeistert berichtet und den Chichibu the First dann im Dezember 2011 in den Himmel gelobt.

Vanille, Honig, Apfel?  Angenehme Fruchtigkeit breitet sich aus. Etwas beißend kommt der goldgelbe Single Malt in der Nase rüber, aber bei 61,8% und nur drei Jahren im Fass ist das kein Wunder. Dafür macht er sich wirklich gut und auf der Zunge bestätigen sich die angenehmen Aromen. Vanille und Apfel  bleiben. Buttertoffee.  Pfirsich? Ganz leicht Marzipan. In vielen veröffentlichten Tastingnotes ist von Kokusnuss die Rede – in der Flasche, aus der mein Dram kam, war wohl gerade keine Nuss drinnen gewesen…). Im Vergleich zu manch anderer Jungabfüllung ist der Chichibu schon erstaunlich vielschichtig. Ich habe ihn auch mit etwas Wasser versucht, aber fand, dass er dadurch nichts gewinnt. Im Gegenteil, das positive Fruchtaroma ließ nach und er wurde eher unangenehm süß. Durchaus ein gelungener Einstieg von Chichibu. Gekauft habe ich ihn angesichts des Preises trotzdem erstmal nicht…


3 Kommentare

  1. gesundes-licht.net

    Japanischer Whisky? also für mich muss ein Whisky englisch sein, also amerikanisch oder britisch.

    1. Petra

      Hallo,
      danke für deinen Beitrag. Mit Whisky ist es wie mit vielen anderen Genussmitteln: Es sollte einem schmecken und dabei gehen die Meinungen nunmal auseinander. Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit, einen englischen Whisky zu probieren (oder meintest du schottische oder irische Tropfen?). Wäre toll, wenn du uns erzählst, welche du davon magst.

  2. SMW Nils

    Die Japaner machen schon keinen schlechten Whiskey!
    Whiskey ist wichtiger als Wein in Japan und die internationale Auswahl ist riesig. Damit haben die lokalen Marken eine große Konkurrenz und der japanische Whiskey ist in Japan nicht billiger als der aus Schottland.

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